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Empörung über Kahlschlag im Greimerather Wald

(Greimerath) Am Greimerather Waldrand hat ein Mitglied der Jagdgenossenschaft an die 20 Bäume entfernt. Naturschützer und Bürger sehen das als schwerwiegenden Eingriff in die Natur und fordern Aufklärung über mögliche Konsequenzen. Der TV hat bei den Behörden nachgehakt.

14.07.2017
Christa Weber
Jürgen Witt ist noch immer empört, wenn er die abgesägten Baumstümpfe betrachtet. Am Rand des Panswaldes bei Greimerath hat er vor einiger Zeit festgestellt, dass entlang eines etwa 100 Meter langen Wegstücks mehr als ein Dutzend Bäume gefällt wurden. „Das war ein über Jahrhunderte gewachsener Waldsaum“, sagt Witt. Einige der Bäume seien „wohl an die 200 Jahre alt“ und Lebensraum vieler Tiere gewesen. Feuchte Stellen am Saum dienten Reptilien wie dem Schwärzling, einer Unterart der Ringelnatter, als Rückzugsraum. Ohne die Bäume sei der Bereich nun viel trockener, zudem fehlten den Tieren Hohlräume in den Stämmen als Unterschlupf.

Was ist passiert? Entfernt wurden die Bäume und Sträucher von einem Mitglied der örtlichen Jagdgenossenschaft, das die angrenzende Wiese gepachtet hat. Offenbar ragten Äste ins Grundstück hinein. Der Pächter beseitigte diese nach Rücksprache mit dem Genossenschaftsvorstand. Darüber hinaus fällte er aber auch ganze Bäume, deren Überreste am Waldrand gut zu erkennen sind. Der Vorfall liegt zwar schon Monate zurück. Inzwischen ist die Aktion aber Dorfgespräch und Streitthema im Gemeinderat.

Kritische Stimmen Die Fällaktion sei ohne Rücksprache mit dem Förster erfolgt, bemängelt Naturfreund Jürgen Witt. „Mir tut es weh, dass etwas so Schützenswertes offenbar aus Unwissenheit zerstört wurde.“ Es müsse nun aufgeklärt werden, wie es dazu gekommen sei, „damit so etwas nie mehr passiert“. Bernhard Schmitt vom Verein Pro Natur Hochwald fordert ebenfalls Aufklärung. Die gefällten Bäume seien Besitz der Ortsgemeinde, ein kleiner Teil auch Privateigentum, gewesen. Neben dem Verlust des Holzwertes stehe der „immaterielle Schaden für die Natur“, der „nicht so leicht zu ersetzen“ sei. In der Sitzung am 20. März forderten Ratsmitglieder von Ortsbürgermeister Edmund Schmitt (FWG), der auch im Vorstand der Jagdgenossenschaft sitzt, Informationen zu dem Vorfall ein. Dieser teilte damals mit, dass der Verursacher bekannt sei und den Schaden ersetzen werde. Die CDU verlangte darüber hinaus eine Prüfung möglicher naturschutzrechtlicher Konsequenzen, was bislang versäumt worden sei. In der Sitzung am 19. Juni wurden schriftliche Stellungnahmen aller Beteiligten angefordert.

Naturschutz Ernst-Christian Walter vom Naturschutzbund (Nabu) Region Trier hat sich vor Ort umgeschaut und seine Beurteilung an die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Trier-Saarburg weitergeleitet. Die Bäume, sagt Walter dem TV, hätten zwar nicht in einem Naturschutzgebiet gestanden, seien aber „durchaus schützenswert“ gewesen. „Das war ein sehr schön gestufter Waldsaum, der jetzt bloßgelegt ist.“ Die Bäume seien schon wegen ihres Alters ein wichtiger Lebensraum für Insekten, Vögel und Reptilien. Ein Freischneiden sei in solchen Bereichen zwar nicht unüblich. „Hier ist damit aber übertrieben worden.“ Man müsse nun versuchen – auch durch das Pflanzen größerer Bäume –, dass sich bald ein neuer Saum entwickle.

Das sagt der Kreis Es gebe „keine Anhaltspunkte für naturschutzrechtliche Konsequenzen“, teilt die Kreisverwaltung Trier-Saarburg auf Anfrage mit. Betroffen seien überwiegend Flächen des Gemeindewalds, für die das Forstamt zuständig sei. Das Fällen zweier „mittelalter Laubbäume“ auf der angrenzenden Wiese werde „nicht als erheblicher Eingriff in Natur und Landschaft gewertet“. Laut dem Verursacher seien die Bäume Mitte Februar gefällt worden – vor dem gesetzlich definierten Zeitraum vom 1. März bis 30. September, in dem außerhalb des Waldes keine Bäume gefällt werden dürften. 

Das sagt das Forstamt Helmut Lieser, Leiter des zuständigen Forstamts Saarburg, bestätigt, dass die Fällaktion mit dem Forst nicht abgestimmt war. Zudem sei der Jagdgenosse beim Freischneiden „übers Ziel hinausgeschossen“. Aus forstlicher Sicht sei der Vorgang aber nicht „so hoch zu hängen“, sagt Lieser. Der Brennholzverlust für die Gemeinde werde aufgemessen und dem Verursacher „zu den üblichen Marktpreisen“ in Rechnung gestellt. Zudem sei der Mann verwarnt worden und zeige Einsicht. Man könne nun das Pflanzen eines neuen Waldrands verlangen. Dieser baue sich aber auch „in zwei bis drei Jahren von selbst wieder auf“.

Das sagen Verursacher und Ortschef Das betroffene Jagdgenossenschafts-Mitglied erklärt, dass die Freischneide-Aktion mit dem Vorstand abgestimmt gewesen sei. Er habe für sich persönlich Konsequenzen gezogen und sein Amt als Vorsitzender niedergelegt, das nun der Ortschef innehabe. Weiter wolle er sich öffentlich nicht äußern. Ortsbürgermeister Schmitt betont, der Verursacher sehe seinen Fehler ein und werde den entstandenen Schaden begleichen. Damit sei der Fall für ihn „erledigt“. Der Vorstand der Jagdgenossenschaft habe vorab vom Ausmaß der Freischneideaktion keine Kenntnis gehabt. Nach den Sommerferien werde man sich mit Vertretern von Forst und Naturschutzbehörde vor Ort treffen und überlegen, „in welcher Form wir dort eine Nachpflanzung vornehmen werden“.


Meinung: Den Blick nach vorn richten
Die Überreste der gefällten Bäume am Greimerather Waldrand springen Spaziergängern gleich ins Auge. An den Stümpfen kann jeder erkennen, dass hier keine kleinen Bäumchen entfernt wurden. Insofern ist es durchaus angebracht, nach möglichen naturschutzrechtlichen Konsequenzen zu fragen und sich nicht bloß um den Ersatz des verlorenen Brennholzes zu sorgen. Die zuständigen Behörden stellen nun allerdings fest, dass aus ihrer Sicht der Eingriff in die Natur weniger dramatisch ist, als es manch ein Naturschützer und Greimerather Bürger empfindet. Zumindest nicht so ernst, dass rechtliche Schritte einzuleiten wären. Die Gemeinde sagt zu, dass nach den Ferien eine Ersatzpflanzung in Angriff genommen wird. Der Verursacher zeigt Einsicht. Und inzwischen hat die Sache zudem so hohe Wellen geschlagen, dass sich so etwas nicht mehr wiederholen dürfte. Das alles spricht dafür, nicht weiter nachzubohren, wer wann was gewusst hat und wie es so weit kommen konnte. Stattdessen sollten alle Beteiligten den Blick nach vorn richten, angemessene Entschädigungen abwickeln und sich darauf konzentrieren, wie man den zerstörten Lebensraum für die Tiere wieder herstellen kann. c.weber@volksfreund.de