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Entscheidung zu Schule Hentern vertagt

(Hentern/Zerf) Der Verbandsgemeinderat Kell will die Einrichtung zum 31. Juli schließen. Dafür muss die Schulbehörde grünes Licht geben. Das wird jedoch länger dauern als erwartet. Für die Eltern bedeutet dies Ungewissheit bei wichtigen Fragen.

17.06.2017
Christa Weber
Hentern/Zerf Wird die Grundschule in Hentern diesen Sommer geschlossen und werden deren Schüler samt neuen Erstklässlern ab August in Zerf unterrichtet? Darüber entscheidet die Schulbehörde bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. Seit dem 11. April läuft ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren, in dem Schulausschüsse, die betroffenen Elternbeiräte, der Regionalelternbeirat für die Region Trier und der Bezirkspersonalrat für die Lehrer an Grundschulen angehört werden. Ihre Stellungnahmen muss die ADD abwarten, bevor sie sich festlegt.

Frist verlängert Dieses Verfahren sollte am 12. Juni enden. Nun wurde die Frist um zwei Wochen verlängert. Wie eine ADD-Sprecherin dem TV bestätigt, hat der Bezirkspersonalrat um Aufschub gebeten. Ansonsten lägen alle Stellungnahmen vor, ebenso die Zustimmung des Kreises Trier-Saarburg, der noch Träger der Grundschule Zerf ist. "Wir gehen davon aus, dass die Verfügung zur Schließung rechtzeitig zum 31. Juli erlassen werden kann", teilt die Sprecherin mit. Die Entscheidung falle "so bald wie möglich".
Eine TV-Anfrage beim Personalrat, warum um die Fristverlängerung gebeten wurde, ließ dieser bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Reaktionen der Eltern Bei den Eltern der Schulgemeinschaft Hentern, die sich gegen den Umzug ihrer Kinder nach Zerf schon zum neuen Schuljahr stemmen, kommt die Verzögerung nicht gut an. Sie bemängeln, dass zwei Wochen vor Ferienbeginn viele Fragen offen seien. Der Sohn von Petra Feilen aus Lampaden wird im August eingeschult. Für berufstätige Eltern, sagt sie, sei nicht planbar, wie sie Schulalltag und Job vereinbaren könnten. So gebe es noch "keinerlei Informationen" über die neuen Busverbindungen. Dienstzeiten seien mit dem Arbeitgeber noch nicht abzustimmen. "Wir wissen ja nicht, wann die Kinder morgens das Haus verlassen und mittags zurück sind."
Die Betreuung nach dem Unterricht könne erst nach der Entscheidung der ADD abschließend geregelt werden. "Wie will man das so kurzfristig noch in die Wege leiten?", fragt Feilen. Wegen des Ausbaus der Zerfer Ortsdurchfahrt halte der Bus derzeit an der Ruwertalhalle. Die Eltern seien besorgt, dass die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Fußweg zur Schule "aufgrund des starken Verkehrs in der Poststraße erheblich eingeschränkt ist".
Auch für die Kinder selbst sei die Ungewissheit belastend, sagt Feilen. Sie habe ihrem Sohn inzwischen gesagt, dass er in Zerf zur Schule gehen werde - obwohl die Entscheidung noch ausstehe. In dieser Woche habe es "zum Glück" einen Kennenlerntermin in Zerf mit der neuen ersten Klasse gegeben. "Die Lehrerin hat großes Engagement gezeigt, die Kinder gut ankommen zu lassen." Die Schulbuchlisten lägen zwar vor, mit dem Kauf sollten die Eltern aber auf die ADD-Entscheidung warten. Irritiert seien die Eltern über Gerüchte, dass in Zerf auch ein Neubau für die Grundschule infrage komme. Ausschüsse der Verbandsgemeinde Kell hatten sich für eine Sanierung des Atriumgebäudes - eines der beiden Gebäude der jetzigen Grund- und Realschule plus - ausgesprochen (TV vom 30. Mai). Laut Martin Marx, betroffener Vater aus Lampaden und Mitglied des Fördervereins des Regionalelternbeirats Trier, dürften Schüler gar nicht an Zentren gesammelt werden, in denen noch "massive Sanierungsarbeiten im laufenden Betrieb" nötig seien. Zumal dafür weder Zeitplan noch Kostenschätzung vorliegen. Marx fordert auch eine Klärung möglicher Schadstoffbelastungen, die bei einer Sanierung zu Tage treten könnten. Sein Fazit lautet: "Erst in Zerf vernünftig sanieren oder neu bauen, dann Schüler dort konzentrieren." Auch wenn dies noch drei Jahre dauern sollte. Das Gebäude in Hentern sei "nach wie vor nutzbar".
Petra Feilen stellt fest: "Wir brauchen jetzt endlich verbindliche Aussagen." Leider sei ihnen bisher wenig Möglichkeit zum Dialog gegeben worden. Am Dienstag, 20. Juni, solle es nun aber ein Gespräch bei der ADD mit den Klassenelternsprechern aus Hentern geben. Daran werden Gerd Justinger, Iris Keidel und Kerstin Wald teilnehmen. Sie sehen "viele ungeklärte Fragen" im Zusammenhang mit dem geplanten Schulwechsel: "Wie soll ein geordneter Übergang gelingen? Gehen die Henterner Lehrer mit nach Zerf? Wie werden die neuen Klassen eingeteilt?" fragen sie in einer gemeinsamen Mail an den TV. Ihr Fazit: "Wir sind alles andere als erfreut darüber, wie die Sache abgewickelt wird. Und wir haben die Sorge, dass die Kommunikation wegen der Sommerferien nicht mehr ausreichend erfolgen kann, und unsere Kinder die Leidtragenden sind."

Kritik vom Elternbeirat Der Regionalelternbeirat habe sein "Benehmen" zur Schulschließung nicht erteilt, sagt Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler dem TV. Anders als beim Bezirkspersonalrat ist vom Beirat jedoch keine Zustimmung erforderlich. Schladweiler betont, dass wegen der politischen Leitlinien, die landesweit 41 kleine Grundschulen auf den Prüfstand stellten, vielerorts Eltern und Politiker gemeinsam für den Erhalt ihrer Schulen kämpften. Warum dies in der VG Kell anders sei, obwohl Hentern nicht auf der Prüfliste stehe, sei "völlig unverständlich". Falle die Entscheidung über das Aus möglicherweise erst in den Ferien, sei dies "der schlechteste Zeitpunkt". Dann seien viele Eltern im Urlaub und die Schulsekretariate nicht besetzt.

Das sagt der VG-Chef Der Keller Verbandsbürgermeister Martin Alten kann den Unmut der Eltern verstehen, "da noch gewisse Dinge zu klären sind". Die Verzögerung habe die Verbandsgemeinde aber nicht zu verantworten. Laut Alten ist im Zerfer Atriumgebäude mit einem hohen Sanierungsbedarf zu rechnen. Der Innenhof beispielsweise sei deshalb schon länger nicht betretbar. Die Kosten dafür müssten nun ermittelt werden. Dann stelle sich "wie bei jedem Gebäude" die Frage, ob ein Neubau nicht "wirtschaftlicher" sein könnte: "Aber davon sind wir noch weit weg."
Kommentar
Meinung
Unangenehme Situation für alle

Die Eltern der Schulgemeinschaft Hentern sollten sich keine Illusionen machen. Die Würfel sind längst gefallen. Auch wenn das Beteiligungsverfahren jetzt noch zwei Wochen länger läuft, spricht vieles dafür, dass die Schule in Hentern aufgelöst wird. Solange das aber nicht definitiv verkündet ist, bleibt es eine unangenehme Situation für alle Beteiligten. Die Eltern warten verständlicherweise auf verlässliche Informationen, um sich und ihre Kinder auf die neue Situation vorbereiten zu können. Zugleich können manche Informationen von offizieller Seite erst vorgelegt werden, wenn die Dinge festgezurrt sind. Und gibt es doch schon Festlegungen, kommen schnell Vorwürfe, der Ausgang des Verfahrens werde vorweggenommen. Dieser Eiertanz sollte so schnell wie möglich durch eine Entscheidung der ADD beendet werden. Zugleich sollten sich die Verantwortlichen bei VG und Schulbehörde darüber im Klaren sein, dass man sich das Ganze hätte ersparen können, indem man die Schließung erst angepackt hätte, wenn in Zerf die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen sind. c.weber@volksfreund.de