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Gestapo in Trier: Einsichten über eine einst gefürchtete Behörde

(Hinzert-Pölert) "Die Gestapo Trier - Teil 4" unter diesem Titel haben Studierende der Universität Trier Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeiten in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert vorgestellt.

08.03.2017
Ursula Schmieder
So verschieden die Themen sind, mit denen sich Studierende im Rahmen des Gestapo-Projektes der Universität Trier befassen: Ihre Erkenntnisse basieren auf Akten der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Trier, so dass die Region stets im Zentrum steht. Möglich ist das, seit sich 2015 ein französisches Militärarchiv öffnete (der TV berichtete). Seither rücken nicht nur Gestapo-Sitze wie das frühere Reichsbahngebäude, heute Sitz der Staatsanwaltschaft, Initiator der Recherchen, in den Blick. Deutlich wird auch, wie sehr die gefürchtete Behörde in das nationalsozialistische Terrorregime verstrickt war.

So war es die Gestapo, die die Miete für das Konzentrationslager Hinzert bezahlte. Und offizielle Lageberichte des Regierungspräsidenten verfasste Gestapo-Chef Heinrich Welsch, wie Projektleiter Thomas Grotum in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert belegte. Referentin Lena Haase zeigte auf, dass die Gestapo auch in Trier nicht alleine agierte. Schon in den Revolutionsjahren 1848/49 sei eine "politische Polizei" aktiv gewesen, die in der Weimarer Republik bedeutsamer wurde. Sie sei verankert gewesen in einer sich selbst überwachenden Gesellschaft. Die Gestapo und die von ihr praktizierte vorgebliche Schutzhaft hätten also nicht erst Nationalsozialisten eingeführt. Ihr System sei vielmehr ein Netz aus Kooperationen wie mit Behörden, Verwaltungen, Justiz, Finanz- und Postämtern gewesen. So konnte etwa auf in den 1920er Jahren angelegte Listen vermeintlicher Staatsfeinde zurückgegriffen werden. Gestapo-Beamte wie Welsch oder Otto Schmalz machten nach 1945 sogar Karriere.

Vincent Benter befasste sich mit Trierer Verwaltungsbeamten als "Vollstreckern", die mit Nazis wie Hermann Funken kooperierten. Von ihm inhaftierte jüdische Bürger ließ Stadtbürgermeister Heinrich Weitz, bis 1934 im Amt, zwar teils frei. Doch waren Kommunisten betroffen, sah der Zentrumspolitiker das offenbar anders.
Felix Knecht erläuterte, wie es zum Todesurteil des Trierer Sondergerichts wegen versuchten Handtaschendiebstahls kam. Ein 20-Jähriger wurde als sogenannter "Volksschädling" hingerichtet. Andreas Borsch revidierte das Bild des damaligen Dauner Landrats (1933 bis 1940). Als "Arisierungsakteur" habe er wirtschaftliche Existenzen der jüdischen Bevölkerung vernichtet.

Ergebnisse von Studierenden sollen auch in der Trierer Stadtbibliothek Simeonstift vorgestellt werden. Die Universitätsbibliothek zeigt bis 15. April die zuvor in Esch, Luxemburg, zu sehende Ausstellung "Gestapo-Terror in Luxemburg".