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Getrübter Spaß im Hermeskeiler Hallenbad - Besucher klagen über Verhalten von Flüchtlingen

Besucher klagen über Verhalten von Flüchtlingen - VG Hermeskeil reagiert auf Beschwerden

(Hermeskeil) Im Hermeskeiler Hallenbad häufen sich in jüngster Zeit die Beschwerden von Besuchern. Der Grund: Sie fühlen sich dort durch das Benehmen von Menschen aus dem Asylbewerberheim an der Ex-Kaserne gestört, die sich nicht an die Baderegeln halten würden. Die Verbandsgemeinde bestätigt, dass es diese Vorfälle vermehrt gegeben hat. Als schnelle Reaktion wird für die Flüchtlinge ein Badepass eingeführt, den sie am Eingang vorzeigen müssen.

08.12.2015
Axel Munsteiner
 Unter den Bürgern aus Hermeskeil und Umgebung sowie in den sozialen Netzwerken zieht die Diskussion über die Zustände im Hallenbad der Hochwaldstadt immer weitere Kreise. Denn es mehren sich die Klagen von einheimischen Besuchern, die das Verhalten anderer Badegäste als störend empfinden. Konkret geht es dabei um Menschen aus der an der Ex-Kaserne angesiedelten Aufnahmestelle für Asylbegehrende (Afa), die sich zum Beispiel am Wochenende ebenfalls in größerer Zahl im Bad tummelten. Die Flüchtlinge würden sich jedoch an keine Regeln halten, moniert ein Badbesucher in einem Facebook-Eintag, der seit Montag über 1500 Mal geteilt wurde.

Viele Kritikpunkte


In den Kommentaren zu diesem Post berichten aber auch andere Gäste des Hermeskeiler Bads von ähnlichen Erfahrungen. Wiederkehrende Kritikpunkte sind unter anderem, dass die Migranten in teils verschmutzten Unterhosen ins Wasser gestiegen oder trotz Verbots vom Rand ins Becken gesprungen seien. Andere lauten, dass Asylbewerber ins Wasser geschnäuzt und die Anweisungen der Bademeister ignoriert hätten. Die Duschräume würden von Flüchtlingen genutzt, um sich dort zu rasieren oder die Fingernägel zu schneiden.
Entsprechen diese Schilderungen aber auch der Wahrheit? Diese Frage hat der TV der Verbandsgemeinde Hermeskeil gestellt, die das Bad betreibt. Bürgermeister Michael Hülpes bestätigt, dass es in den zurückliegenden Wochen solche Vorfälle und damit auch vermehrt Beschwerden der einheimischen Badegäste gegeben hat. Darauf wurde zwar bereits mit einem Aushang der zehn wichtigsten Baderegeln in arabischer Sprache reagiert. "Jetzt ist die Sache aber eskaliert", räumt Hülpes ein.
In einem Punkt widerspricht der Bürgermeister aber Behauptungen, die über Facebook verbreitet werden. Auch die Flüchtlinge zahlen Eintritt, betont Hülpes. Er sagt zudem: "Integration bedeutet Schwerstarbeit, und es gibt nun mal kulturelle Unterschiede." In der Heimat vieler Flüchtlinge sei es üblich, dass man dort ins Badehaus geht, um Körperpflege zu betreiben. Hierzulande würde das als unhygienisch angesehen.
Klar ist für die VG aber auch, dass sie nun schnell handeln müsse, weil sich die Situation auch unter dem Sicherheitsaspekt zugespitzt hat: "Es ist vorgekommen, dass Kinder, die nicht richtig schwimmen können, in tiefe Becken gesprungen sind", sagt Hülpes. Er sehe auch sehr wohl die Gefahr, dass der Ruf des Hermeskeiler Hallenbads leiden könne. Der Bürgermeister sagt weiter: "Wir werden rigoros darauf achten, dass die Baderegeln eingehalten werden und bei Missachtung der Betreffende des Bades verwiesen wird", betont Hülpes. Dafür werde das Aufsichtspersonal im Bad in nächster Zeit verstärkt und - für alle verständlich - den Besuchern künftig mit gelben und roten Karten gezeigt, wenn sie sich wiederholt nicht an die Badeordnung halten. Diese wird nun auch in der Sprache Farsi für Menschen aus Afghanistan ausgehängt.
Dabei wollen es aber weder die VG noch die Verantwortlichen der Afa belassen. Gestern haben sich Afa-Leiter Stefan Ding, Hülpes und Sascha Frank, Betriebsleiter des Hallenbads, zum Krisengespräch getroffen. Wichtigstes Ergebnis ist die Einführung eines Badepasses für Flüchtlinge. Diese sollen bereits in ihrer Unterkunft an der Kaserne darüber belehrt werden, welche Baderegeln in Deutschland gelten - also dass man zum Beispiel hier nur mit Badehosen ins Wasser gehen darf oder dass die Migranten ihre Körperpflege in der Afa und nicht im Schwimmbad machen sollen. Wenn die Asylbewerber dann nach Abfrage nachweisen können, dass sie die Regeln verstanden haben und akzeptieren, stellt ihnen die Afa den Badepass aus. Er muss am Eingang des Bads vorgezeigt werden. Ansonsten erhalten die Flüchtlinge keinen Zutritt ins Bad.
Meinung
Kein Grund für Pauschalurteile

Es gibt zu Recht die Erwartungshaltung, dass sich die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge an die hier gültigen Regeln halten müssen, damit Integration gelingen kann. Das gilt im Großen für Werte wie Religionsfreiheit oder die Gleichberechtigung von Frauen, aber auch im Kleinen wie beim Einhalten einer Badeordnung. Natürlich sind die Vorfälle in Hermeskeil ärgerlich und müssen schnell abgestellt werden, sonst werden einige einheimische Besucher dem Hallenbad über kurz oder lang den Rücken kehren. Grundfalsch wäre es aber, die Ereignisse als Steilvorlage zu nutzen, um Flüchtlinge pauschal an den Pranger zu stellen. Erstens dürfte beim Fehlverhalten von Migranten im Bad wohl nur in Ausnahmefällen auch Vorsatz vorliegen. Zweitens bleibt festzuhalten: Abgesehen vom Hallenbad sind in Hermeskeil nach wie vor keine Beschwerden von Bürgern bekannt, dass sich die Menschen der Afa in der Stadt danebenbenehmen würden. a.munsteiner@volksfreund.de

 

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