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Hier steht, woher die Wärme kommt - Auszeichnung für Hermeskeiler Wärmenetz

(Hermeskeil) Schulen, Rathaus und andere öffentliche Gebäude in Hermeskeil sind seit drei Jahren an ein Netz angeschlossen, das Wärme aus Biogas von Haus zu Haus leitet. Für das Erfolgsprojekt gab es nun eine Auszeichnung, die den Badegästen zuerst ins Auge springen dürfte.

09.08.2017
Christa Weber
Von einem "Vorzeigeprojekt" spricht Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil. Seit drei Jahren wird in Hermeskeil die in einer Biogasanlage am Stadtrand nebenbei erzeugte Wärme genutzt, um öffentliche Gebäude wie die Integrierte Gesamtschule (IGS), das Frei- und Hallenbad, die Grundschule und das Rathaus zu beheizen (siehe Info).

Wie genau das funktioniert und warum dieses Fernwärmenetz eine klimafreundliche Energienutzung ermöglicht, das erklärt seit Dienstagnachmittag eine Infotafel am Eingang des Hermeskeiler Hallenbads. Der Fachverband Biogas hat das Wärmeschild als Auszeichnung für ein "besonders innovatives Projekt" überreicht.
Der Verband mit rund 4800 Mitgliedern vertritt die Interessen von Herstellern, Dienstleistern und Betreibern von Biogasanlagen. "Wir wollen das Thema Bioenergie zur Wärmeerzeugung wieder salonfähiger machen. Und hier in Hermeskeil haben wir ein Projekt, bei dem alles passt", erklärt Ulrich Drochner, Regionalreferent West des Fachverbands Biogas bei der feierlichen Enthüllung des Schilds.

Was genau ist das Besondere an dem Fernwärmenetz im Hochwald? "Zunächst einmal, dass hier Kommunen und Privatwirtschaft zusammenarbeiten", urteilt Michael Arens von innogy. Der Energieversorger ist einer von vier Gesellschaftern der Energiepartner Hermeskeil GmbH. Die drei Partner sind die VG Hermeskeil, der Landkreis Trier-Saarburg und die Eiden Agro GmbH der Hermeskeiler Landwirtsfamilie Eiden, die die Biogasanlage betreibt.

Zudem habe man in Hermeskeil auf Vorhandenes aufbauen können, sagt Arens. Es gab nämlich seit 2009 schon ein Nahwärmenetz zwischen dem Schulzentrum und dem Rathaus. 2014 wurde mit Hilfe einer rund 300 000 Euro teuren Leitung das bestehende Netz an die Biogasanlage am Stadtausgang Richtung Züsch angeschlossen. Zuvor wurde die Wärme ausschließlich über eine Holzhackschnitzel-Anlage inklusive Biomassekessel an der IGS erzeugt. Diese Anlage stützt das System weiterhin, den Löwenanteil der benötigten Wärme steuert jedoch die Biogasanlage bei. "Deren Anteil ist weit höher als anfangs erwartet", erklärt Michael Arens. Vorteile seien ein geringerer Wärmepreis und ein geringerer CO-Ausstoß als beim Heizen mit Öl.

Landwirt Markus Eiden stellt das Vorgehen der Gesellschafter heraus: "Hier wurde von der ersten Idee an zusammengearbeitet." VG-Chef Hülpes stimmt zu: "Wir sind stolz auf dieses Projekt." Anfängliche technische Probleme habe man schnell gelöst. Die Investition habe sich "auch trotz des aktuell niedrigen Ölpreises gelohnt", auch wenn es schwierig sei, die Einsparung bei den Energiekosten exakt zu beziffern. Entscheidend für den guten Preis sei, ergänzt Arens, "dass wir hier die Biowärme so günstig einspeisen können".
Aus der Sicht von Landrat Günther Schartz "läuft die Sache absolut rund". Kommunen müssten bei innovativen Energieprojekten vorangehen, sagte er. "Wenn wir es nicht machen, dann sehen die Leute die guten Beispiele gar nicht." Die regionale Wertschöpfung werde nebenbei gefördert, weil "wir lokale Bio-Wärme und Holz aus der Region kaufen statt externes Öl".

Laut Schartz ist das Netz zudem "noch ausbaufähig". Zwar sei derzeit "ein Optimum austariert", sagt Arens. Bei mehr Abnehmern durch weitere angeschlossene Gebäude müsse der Holzanteil an der Wärmeerzeugung steigen - und damit der Preis. Da aber viele öffentliche Gebäude wie auch das Hermeskeiler Rathaus energetisch saniert würden, sinke deren Energiebedarf künftig. "Das schafft Spielräume für weitere Partner." Ein Kandidat sei das Altenzentrum Sankt Klara. Das Gebäude gehört dem Kreis. Der momentane Pächter sehe aber noch keinen Bedarf für ein neues Heizsystem, sagt Schartz. Private Haushalte anzuschließen, ist laut Arens nicht geplant. Denn diese brauchten die Wärme anders als beispielsweise das Hallenbad nur im Winter.

Die aktuellen Abnehmer haben offenbar wenig Grund zur Klage: "Wir sind hochzufrieden", sagt Pfarrerin Heike Diederich von der evangelischen Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch, deren Gemeindezentrum am Wärmenetz hängt. Zu technischen Vorzügen und Kosteneinsparungen könne sie im Detail nichts sagen, aber die Architekten seien damals gleich "begeistert" gewesen, als sich die Chance zum Anschluss an das Fernwärmenetz bot. "Im Winter ist es hier mollig warm, bislang gab es keinerlei Probleme."
Extra: SO FUNKTIONIERT DAS WÄRMENETZ

Die Biogasanlage auf dem Hof der Hermeskeiler Landwirtsfamilie Eiden wird mit Gülle, Rindermist und Fruchtabfällen vom Acker gespeist. Bei der Verbrennung des Gases zur Stromerzeugung entsteht im Blockheizkraftwerk als Nebenprodukt überschüssige Wärme. Diese sogenannte Abwärme wird in das gut isolierte Rohrsystem des Fernwärmenetzes geleitet und erhitzt dort Wasser. Das heiße Wasser wird dann weiter zu den ans Netz angeschlossenen Gebäuden transportiert. Dort installierte Wärmetauscher entziehen dem Wasser die Wärme und machen sie für das Heizen und die Warmwasseraufbereitung nutzbar. Das abgekühlte Wasser wird zurück in die Rohre geleitet - und der Kreislauf beginnt von vorn.