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Hunderte Internetnutzer wollen Familie aus Hentern unterstützen, deren Heim nach einem Feuer unbewohnbar ist

(Hentern) Sie stehen praktisch vor dem Nichts: Das Haus der Familie Lehnertz aus Hentern (Kreis Trier-Saarburg) ist seit einem Brand am Dienstag nicht mehr bewohnbar. Während die Mutter, eine bekannte Hebamme, am Mittwoch nach einer neuen Bleibe für sie und die vier Kinder suchte, starteten Bekannte im Internet einen Spendenaufruf. Bislang gibt es schon mehr als 500 Hilfsangebote. Die Familie ist „überwältigt“.

02.03.2016
Christa Weber
Von einem auf den anderen Tag ohne feste Bleibe dastehen. Für viele wäre das wohl ein absoluter Alptraum. Für Anja Lehnertz und ihre vier Kinder ist genau das bittere Realität. Am Dienstag war im Obergeschoss ihres Einfamilienhauses in Hentern ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an, konnte den Brand unter Kontrolle bringen. Aber durch das Löschwasser ist das Gebäude vorerst nicht bewohnbar. Das bestätigt die Polizei in Saarburg, die am Mittwoch noch keine Erkenntnisse zur Brandursache hatte. 

Im Moment sei alles „ein großes Wirrwarr“, berichtet Lehnertz am Tag nach dem Brand dem TV. Ob und wann sie in ihr Haus zurückkehren könne, sei „völlig offen“. Allerdings habe man ihr bei der Kripo keine große Hoffnung gemacht, dass „noch viel zu retten ist. Ich stelle mich auf einen kompletten Neuanfang ein.“

Erst am Dienstag werde sie Genaues wissen, dann sei ein Ortstermin mit Gutachtern geplant. Momentan sei die Familie bei einer Arbeitskollegin untergekommen. Die zw ei Hunde, die Nachbarn aus dem verrauchten Gebäude gerettet hatten, würden von diesen versorgt. „Meine Kinder sind geschockt, aber noch im Abenteuermodus“, sagt Lehnertz. „Wenn sie realisieren, dass im Haus nichts mehr zu gebrauchen ist, kommt sicher noch ein tiefes Loch.“ Sie selbst sei noch immer „fassungslos“.

Die Nachricht vom Schicksal der Familie hat sich seit Dienstag durch die Volksfreund-Berichterstattung und über die sozialen Netzwerke schnell verbreitet. Anja Lehnertz ist im Kreis Trier-Saarburg als Hebamme tätig und deshalb vielen bekannt. Inzwischen haben Hunderte Internetnutzer ihre Bereitschaft signalisiert, mit Kleidung oder anderen Dingen zu helfen. Einer der ersten Unterstützer war Florian Blaes. Er startete einen Aufruf in der Facebook-Gruppe "Blaulichtreport Trier und Umgebung" und bat um Kleidung, Handtücher und Bettzeug für die Familie. Der Aufruf wurde vielfach weiterverbreitet. 

Mit Anfragen „überflutet“

Blaes hat eine ganz besondere Motivation, der Familie unter die Arme zu greifen. Der junge Mann stammt selbst aus dem Hochwald. In Waldweiler rettete er 2011 seine Nachbarn, eine sechsköpfige Familie, als in deren Haus ein Feuer ausbrach. „Dieses Erlebnis kam natürlich wieder hoch. Ich wusste: Der Familie aus Hentern muss man jetzt auch helfen.“

Bis zum Mittwochnachmittag, berichtet Blaes, habe er schon 500 Nachrichten erhalten: „Die Hilfsbereitschaft ist enorm.“ Mit einer Bekannten aus Baldringen koordiniere er nun die Anfragen. Auch sie werde damit „überflutet“, sagt Blaes. Die Angebote reichen von Kleidung für die drei Töchter (3, 11 und 14 Jahre) und den Sohn (9) über ausrangierte Möbel bis hin zu Tipps für Mietwohnungen. „Ich hätte einen runden Esstisch zu verschenken?“, schreibt etwa eine Frau. Eine andere bietet „Mädchenkleidung ab Größe 104“. 

Anja Lehnertz ist „überwältigt“ von der Anteilnahme. Ihr Handy stehe nicht mehr still: „Ich bin das nicht gewohnt, normalerweise helfe ich den Leuten.“ Sie wolle sich schon jetzt „bei allen Helfern bedanken“, sagt sie. Möbelspenden könne sie allerdings derzeit nicht gebrauchen. „Noch gibt es zu viele Fragezeichen.“ Aber Kleidung zum Wechseln (siehe Extra) sei sehr willkommen: „Wir haben ja nur das, was wir an dem Tag anhatten.“ Eine Wohnung, wo die Familie übergangsweise unterkommen könnte, habe sie schon in Aussicht.

Florian Blaes will am Samstag die angebotenen Spenden per Transporter abholen. Drei Unternehmen stellten die Fahrzeuge kostenfrei zur Verfügung: „Wir benennen in der Facebook-Gruppe zentrale Punkte, wo wir die Sachen einsammeln.“ In Hentern, das sei mit dem Ortsbürgermeister abgesprochen, könnten die Spenden im Bauhof gelagert werden, bis die Familie eine vorübergehende Bleibe gefunden habe. Inzwischen ist auch ein Spendenkonto eingerichtet.

Stand der Ermittlungen
Laut Auskunft der Polizei Saarburg, bei der die Ermittlungen zur Ursache des Wohnhausbrandes in Hentern angelaufen sind, ist noch völlig unklar, was das Feuer ausgelöst hat. Man versuche nun, Schritt für Schritt die möglichen Ursachen auszuschließen. Klar sei aber, dass das Haus für „einige Monate“ nicht bewohnbar sein wird. Durch den massiven Einsatz von Löschwasser seien Böden und Wände durchnässt, teilt die Polizei auf TV-Anfrage mit. Zudem seien die Fenster aufgrund der großen Hitze des Feuers zerborsten. Man könne von einer „sehr aufwendigen Sanierung“ ausgehen. cweb
Spendenkonto
Die Familie Lehnertz benötigt vor allem Kleidung: Mädchengröße 104 und 164, Jungengröße 140, und für die Mutter Größe 36/38. Auch Schuhe werden gebraucht (Größen 27, 39, 40/41 und für Jungen Größe 36/37). Wer die Familie mit Geldspenden unterstützen möchte, kann das über dieses Spendenkonto tun: Sparkasse Trier, IBAN: DE34585501300007168453, Stichwort: Brandhilfe Hentern cweb




 

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