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Knackende Geräusche und fliegende Schrauben - Defektes Windrad beunruhigt Hochwald-Gemeinde

Defekt an Judenkopf-Windrad beunruhigt Greimerather - Schaden am Dienstag behoben

(Greimerath) Neue Aufregung um die Windräder auf dem Judenkopf in Losheim-Britten (Saarland): Die Greimerather Bürgerinitiative hat am Dienstag unter einer Anlage, die auch laut knackende Geräusche machte, mehrere Stahlschrauben gefunden. Laut Betreiber und Ministerium hat es tatsächlich einen Defekt an diesem Rad gegeben. Er wurde aber noch gestern behoben. Eine Gefahr für Spaziergänger bestehe nicht mehr. Dossier zum Thema: Topthemen

21.04.2015
Axel Munsteiner
Der Anruf der Greimerather Bürgerinitiative (BI) Pro Natur Hochwald erreicht die TV-Redaktion gestern um die Mittagszeit. Ihre Mitglieder hatten sich 2013 vergeblich gegen den Bau der fünf Anlagen auf dem Judenkopf gewehrt. Sie verfolgen das Geschehen auf dem Höhenzug der Landesgrenze auch nach Inbetriebnahme der weißen Türme sehr kritisch (siehe Extra). Der Vorsitzende Rainer Schmitt und Jürgen Witt berichten davon, dass Bewohner von Greimerath schon seit Freitag laut knackende Geräusche gehört haben, die vermutlich von einem der Räder kämen.

Als Witt sich dann am Dienstagmorgen im Umfeld von Anlage drei umschaut, entdeckt er auf dem Boden mehrere Schrauben, die circa zehn Zentimeter lang sind und jeweils rund 130 Gramm wiegen.

Für Witt liegt der Verdacht nahe, dass die Schrauben aus großer Höhe von der Anlage heruntergefallen sind. Kurz nach dem Anruf trifft sich der TV mit Witt und Herbert Martini, einem weiteren BI-Mann, auf dem Judenkopf. Das laut knackende Geräusch ist zwei Mal deutlich zu hören. "Es kann da etwas nicht stimmen. Wir können nicht warten, bis womöglich irgendetwas passiert", sagt Witt. Deshalb hat die BI am Dienstagvormittag auch schon das saarländische Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) informiert, das für die Genehmigung von Windrädern zuständig ist und deren Betrieb überwacht.

Betreiber des Windparks Judenkopf ist eine Investorengemeinschaft, der auch das Energieunternehmen VSE (Vereinigte Saar-Elektrizität) angehört. Ein Wartungsteam des Anlagenherstellers Vensys sei bereits vor Ort, sagt die Firmen-Pressestelle am frühen Nachmittag.

Etwas später meldet sich Sabine Schorr bei unserer Zeitung. Die Sprecherin des Saarbrücker Umweltministeriums, der das LUA untersteht, hat "frische Infos" vom Judenkopf.

Nach Auskunft der Wartungstrupps habe es einen Schaden am Arretierungssystem gegeben, mit dem die Rotorblätter angehalten werden können. Die auf den Boden gefallenen Schrauben stammten wohl von diesem Arretierungssystem. Eine der Schrauben sei in ein Rotorblatt gefallen, was vermutlich das schlagende Geräusch verursacht habe, sagt Schorr.

Der Wartungstrupp habe die Schraube aus dem Rotorblatt herausgeholt und den Schaden am Arretierungssystem behoben. Die Anlage laufe wieder normal. Laut Ministeriumssprecherin gehe von ihr keine Gefahr aus - zum Beispiel für Spaziergänger auf den Forstwegen in der Nähe des Rads.

VSE-Sprecher Michael L'Houillier sagt am späten Nachmittag, dass die Betreiber des Windparks auf dem Judenkopf den Anlagenhersteller Vensys zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert hätten. "Wenn es so sein sollte, dass etwas von der Anlage heruntergefallen ist, muss natürlich ganz konkret geklärt werden, wie es dazu kommen konnte", betont L'Houillier. VSE bedaure den Vorfall, wolle sich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht an weiteren Spekulationen über die Ursachen des Defekts beteiligen.
Extra
Der Windpark auf dem Judenkopf, der auf dem Gebiet von Losheim-Britten im Saarland liegt, stößt seit Anfang 2013 auf heftigen Widerstand im rheinland-pfälzischen Greimerath. Als die Pläne für den Bau von fünf Rädern mit einer Gesamthöhe von jeweils etwa 200 Metern immer konkretere Formen annahm, bildete sich die Bürger initiative Pro Natur Hochwald. Rund 120 Greimerather Bürger nahmen Ende Februar 2013 an einem Protestzug durch Losheim teil. Der dortige Gemeinderat machte damals aber den Weg für das Vorhaben frei. Auch die Ortsgemeinde Greimerath versuchte, die Verwirklichung des Projekts zu verhindern. Nach Beginn der Bauarbeiten klagte sie gegen den Windpark, erlitt vor dem Verwaltungsgericht in Saarlouis aber eine Niederlage. Danach stand der Fertigstellung der Windräder nichts mehr im Weg. ax

 

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