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Lejka Kaliman feiert 100. Geburtstag - "Man muss verzeihen können"

(Hermeskeil) Lejka Kaliman feiert ihren 100. Geburtstag. Im Dritten Reich wurde die Ukrainerin von den Nazis interniert. Trotzdem zog sie später nach Deutschland.

17.06.2017
Herbert Thormeyer
Hermeskeil Als Lejka Kaliman am 12. Juni 1917 in der Ukrainischen Stadt Jampol geboren wurde, stand Russland kurz vor der Oktoberrevolution. Das Leben der Hundertjährigen wurde von politischen Unruhen und vor allem dem Dritten Reich überschattet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie in ein Konzentrationslager deportiert und dort gefangen gehalten. Die Jüdin überlebte den Holocaust. Nach der Befreiung arbeitete die junge Frau als Biblothekarin.

Vor 27 Jahren nahm ihr Leben dann eine Wende: Kaliman siedelte mit ihrer Familie nach Deutschland über - ins Land, in dem die Nationalsozialisten regiert hatten. "Das kostete uns viel Überzeugungsarbeit", erinnert sich Enkelin Jeanna Bakal. Aber heute, sagt die Hundertjährige, seien das doch ganz andere Menschen: "Ich liebe alle Leute hier in Hermeskeil, obwohl die Deutschen damals alles kaputt gemacht haben."

Ihre früheste Erinnerung geht zurück in ihre Kindheit, als sie mit sieben Jahren in die Schule kam. Dort habe sie auch Theater gespielt und getanzt, sei eine sehr gute Schülerin gewesen. "Es gab sehr strenge Lehrer. Das können sich die Kinder heute gar nicht mehr vorstellen", sagt Kaliman.
Im Alltag hilft der Jubilarin ihr jüdischer Glaube: "Du musst auf Gott vertrauen, gute Taten tun und gut zu deinen Mitmenschen sein." Lebenszufriedenheit sei wichtig. Man dürfe nicht nachtragend sein und: "Du musst verzeihen können."

Und ihr Schicksal gab viel Anlass zum Verzeihen. 1939 heiratete sie Abraham Rusawski. Er fiel als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Der einzige Sohn, Michail, kam 1940 zur Welt. Ihr zweiter Mann, Simeon Kaliman, starb 1978. Seit 1996 lebt die Familie in Hermeskeil.

Über ihr Leben hinweg hat Kaliman sich immer wieder an neue Gegebenheiten angepasst. Unter anderem spricht sie vier Sprachen: Deutsch, Hebräisch, Russisch und Ukrainisch. Aus einem jüdischen Gebetbuch auf Hebräisch vorzulesen gelingt ihr noch mit hundert Jahren ohne Brille. "Oma liest sehr viel", sagt Enkelin Jeanna Bakal, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Trier ist. Zum runden Geburtstag gratulierten der Sohn, ein Enkel und drei Urenkel.

Auch Bürgermeister Michael Hülpes und Stadtbürgermeister Mathias Queck kamen, um Lejka Kaliman Glückwünsche auszusprechen.