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Manchmal rettet nur der Sprung in den Graben

Zwei Kreisstraßen führen nach Waldweiler - und auf beiden Strecken lauern kurz vor dem Ortseingang Gefahrenstellen, die nach Auffassung der Gemeinde entschärft werden müssen. Die Fachleute vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) Trier halten diese Forderung aber in nur einem Fall für begründet.

22.02.2011
Von unserem Redakteur Axel Munsteiner
Waldweiler. "Uns geht es nicht um Schwarzmalerei. Wir machen uns aber Sorgen um die Sicherheit." Das sagt Waldweilers Gemeindechef Manfred Rauber über die derzeitige Situation auf den beiden Kreisstraßen 68 und 72, die von Kell beziehungsweise Niederkell in das 900-Einwohnerdorf führen. Auf den zwei Straßen ist für Autofahrer bis direkt zum Ortsschild Waldweiler Tempo 100 erlaubt. Aus Sicht der Kommune sind aber auf beiden Strecken Geschwindigkeitsbegrenzungen nötig.
 
Bei einem Ortstermin mit Polizei, LBM und Vertretern aus der Politik erinnerte Rauber daran, dass es 2010 auf der K 68 einen tödlichen Unfall mit einem älteren Fußgänger gab. Trotz dieses tragischen Geschehens habe die Lage an der K 72, auf der es durch das Bilstein-Werk viel Verkehr gibt, jedoch "mehr Brisanz". Dort gibt es einen Seitenstreifen, der nur durch eine durchgezogene weiße Linie von der Fahrbahn abgetrennt ist. Auf ihm sind häufig Kinder unterwegs, die zum Radweg oder ins Keller Freibad wollen. Das Problem: Viele Autofahrer schneiden die Kurven kurz hinter dem Ortsausgang und geraten dabei weit auf den für Fußgänger und Radfahrer gedachten Seitenstreifen. Laut Rauber sei es schon mehrfach vorgekommen, "dass sich Leute nur mit einem beherzten Sprung in den Graben vor den Autos retten konnten".
 
Dass auf diesem Abschnitt Handlungsbedarf besteht, sehen auch die Verkehrsbehörde und die Polizei so. Der LBM akzeptiere die Forderung der Waldweilerer, dass auf der K 72 künftig direkt am Ortsausgang nur noch Tempo 70 erlaubt ist. Bisher steht ein solches Schild erst 500 Meter weiter unten Richtung Niederkell.
 

Gelbe Schwellen oder breitere Seitenstreifen


 
Eine Umgestaltung des Seitenstreifens ist in erster Linie Sache des Kreises, der das bezahlen müsste. Stefan Krewer von der Kreisverwaltung betonte: "Wir haben die Sache im Blick." Der Bauausschuss werde sich die Situation im Sommer anschauen und dann eine Empfehlung für die Kreis-Gremien abgeben. Als Lösung steht unter anderem die Installation von gelben Schwellen zur Debatte, die wie am Keller Fronhof oder in Reinsfeld den Seitenstreifen besser von der Fahrbahn besser abtrennen. Auch eine Verbreiterung des Streifens oder dessen Verlegung über noch landwirtschaftlich Landwirt genutzte Flächen sind denkbar, wären aber mit höheren Investitionen verbunden.
 
Auf der K 68 lehnt der LBM hingegen eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 70 schon vor dem Ort ab. "Das würde keine Wirkung erzielen. Mit diesen Schildern gaukelt man an dieser Stelle eine falsche Sicherheit vor", so Wagner. Auf der K 68 gebe es vor dem Ortseingang Waldweiler eine gerade Strecke mit "exzellenten Sichtverhältnissen". Mit seitlich versetzten Verkehrsinseln würde man Hindernisse und damit eine neue Gefahrenstelle aufbauen. Auch vom Vorschlag, das Ortsschild 200 Meter nach vorne zu versetzen und es schon vor der Einmündung in die zum Neubaugebiet führende "Mühlscheider Straße" aufzustellen, hält Wagner nichts. "Dann kauft sich die Gemeinde auch die Verpflichtung ein, auf diesem Abschnitt einen neuen Gehweg zu bauen". Auch wenn der LBM auf der K68 mit den Forderungen der Waldweilerer nicht einverstanden ist, spricht Rauber dennoch von einem "Teilerfolg. Für uns ist vor allem wichtig, dass bei der K 72 Bewegung in die Sache gekommen ist".
 
Meinung
 
Ortsschild versetzen
 
Auf der kurvigen Kreisstraße 72 zwischen Waldweiler und Niederkell soll mehr für die Sicherheit gemacht werden. Das ist gut so. Denn wie auch das Foto zu diesem Artikel beweist, ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass Autofahrer die Markierung des Seitenstreifens schlichtweg ignorieren und somit zur potenziellen Gefahr für Fußgänger und Radfahrer werden. Dass die Waldweilerer mit ihren Forderungen auf dieser Strecke bei den zuständigen Behörden ein offenes Ohr finden, ist begrüßenswert. Nicht ganz verständlich ist hingegen die Ablehnung des LBM, an der Situation auf der K 68 etwas zu ändern. Sicher, diese Straße ist schnurgerade und Probleme mit der Sicht gibt es dort nicht. Richtig ist auch, dass niemand einen noch dichteren Schilderwald braucht. Aber es würde die Verkehrsbehörden doch im wahrsten Sinne des Wortes kaum etwas kosten, wenn sie es einfach erlauben würde, ein einziges Schild, nämlich die Ortstafel, etwas weiter nach vorne zu versetzen. Der Wunsch der Gemeinde wäre erfüllt, und es schadet bestimmt keinem, wenn der ein oder andere Autofahrer tatsächlich schon ein Stück früher auf die Bremse treten würde, bevor er nach Waldweiler hineinrauscht. a.munsteiner@volksfreund.de

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