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Mehr Ruhe, weniger Verkauf

(Hermeskeil/Zerf) Das Landesarbeits- ministerium hat die Vorgaben für verkaufsoffene Sonntage verschärft. Während dies die Keller kalt lässt, übt der Hermeskeiler Hochwald-Gewerbe- Verband Kritik und sagt, wohin die Kunden dann wohl gehen.

16.03.2017
Alexander Schumitz und Hans-Peter Linz
Hermeskeil/Zerf Bummeln und Shoppen am Sonntag - manch einer liebt es, manch anderer hasst es. Kirchen und Gewerkschaften lehnen es eher ab, wollen die Sonntagsruhe gewahrt wissen, treten für längere Ruhephasen für ihre Mitglieder ein.
Im Dezember 2016 haben diese Argumente wieder ein höheres Gewicht bekommen. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) hat an die Kommunen ein Schreiben des Mainzer Arbeitsministeriums weitergeleitet. In diesem Schreiben wird das Ladenöffnungsgesetz von 2016 enger interpretiert.

Anlassveranstaltung Eveline Dziendziol, Pressesprecherin der ADD, sagte gegenüber dem TV, dass es eine "Anlassveranstaltung" geben müsse, um einen verkaufsoffenen Sonntag zu genehmigen. Das könnten beispielsweise Sportwettkämpfe, Gemeindejubiläen oder örtliche Markttage sein.

Besucherzahl Zudem müsse die Zahl der Besucher, die wegen dieser Veranstaltung kommen, höher sein als die Zahl der Gäste, die wegen des Shoppingerlebnisses kommen. Laut ADD müssen die für die Genehmigung zuständigen Ordnungsämter ausführlich begründen, ob ein "Gemeinwohlbedürfnis" besteht.
Der Hochwald-Gewerbe-Verband, der die verkaufsoffenen Sonntage in Hermeskeil organisiert, sieht diese Entwicklung kritisch. Stefanie Schömer, zuständig für das Marketing des Verbands, sagt: "Wir haben den Eindruck, dass der Einzelhandel in den Innenstädten immer weniger unterstützt wird. Gerade die Händler in kleinen und mittleren Zentren sind wegen der zunehmenden Online-Bestellungen auf die verkaufsoffenen Sonntage angewiesen." Dabei sollte es Konsens sein, die Innenstädte als Versorgungszentren zu erhalten und zu unterstützen. Schömer weist auch auf einen weiteren Umstand hin: "Im benachbarten Saarland gibt es diese Probleme nicht. Dort sind verkaufsoffene Sonntage normal."
Insgesamt habe man sich - so Schömer - mit den Vorgaben des Landesarbeitsministeriums arrangiert. Es werde in Hermeskeil auch in diesem Jahr wieder vier verkaufsoffene Sonntage geben (siehe Info). Schon seit einigen Jahren setze man darauf, die Besucher mit Extra-Veranstaltungen in die Stadt zu locken.
Einfacher ist dagegen die Situation in der Verbandsgemeinde Kell am See. Norbert Willems, Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung, verweist an den einzigen zurzeit aktiven Gewerbeverein in Zerf. Dessen Vorsitzender, Karsten Jung, sagt, dass verkaufsoffene Sonntage für die Mitgliedsvereine des Zerfer Gewerbevereins nicht wirklich Sinn machen. "In unserem Verein sind in der Mehrheit Handwerksbetriebe organisiert. Die Zahl der Einzelhändler an der Kreuzung zwischen B 269 und Hunsrückhöhenstraße sei überschaubar.
Jung: "Trotzdem werden wir uns in unserer Vorstandssitzung in der kommenden Woche mit dem Thema beschäftigen."
VERKAUFSOFFENE SONNTAGE IN HERMESKEIL

Extra
In Hermeskeil gibt es am 30. April einen Frühlingsmarkt, am 9. Juli das Stadtfest, am 8. Oktober den Bauern- und Handwerkermarkt sowie am 5. November den Martinusmarkt. An allen vier Sonntagen sind die Geschäfte in Hermeskeil geöffnet. In der Verbandsgemeinde Kell am See sind in keinem Ort sonntags Geschäfte geöffnet.