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Neue Hoffnung für Stromleitungsgegner im Hochwald

Bürgerinitiative übergibt 1342 Unterschriften an Landrat - Kreischef macht Vorschlag, der Kosten für Erdkabel deutlich senken könnte

(Osburg/Thalfang) Eine Bürgerinitiative im Hochwald kämpft dafür, dass eine geplante Hochspannungsleitung von Thalfang nach Osburg unter die Erde gelegt wird. Die Chancen dafür stehen schlecht, weil Kabel deutlich teurer sind als eine Freileitung. Eine Idee des Trier-Saarburger Landrats macht den Erdkabel-Befürwortern nun neuen Mut.

15.01.2016
Christa Weber
Osburg/Thalfang. Eine neue Hochspannungsleitung soll von Windrädern erzeugten Strom von Thalfang im Hunsrück nach Osburg transportieren - diese Pläne der RWE-Tochter Westnetz sind seit 2013 bekannt. Bis die Leitung gebaut wird, dauert es noch Jahre. Denn der Genehmigungsprozess ist aufwendig (siehe Extra). Starten soll er allerdings bald, in der ersten Jahreshälfte.
Das ruft erneut die Bürgerinitiative (BI) Pro-Erdkabel-Hochwald auf den Plan, die eine unterirdische Verlegung der 110-Kilovolt-Leitung fordert. Um das zu bekräftigen, haben BI-Vertreter jetzt eine Unterschriftenliste an den Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz überreicht. Unterzeichnet haben 1342 Bürger aus Dörfern, die an einer der denkbaren Verlaufstrassen der Leitung liegen (siehe Grafik) - von Farschweiler in der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer über Bescheid (VG Hermeskeil) bis Büdlich (VG Thalfang). Über die möglichen Trassen hatte Westnetz im Mai 2015 in Lorscheid informiert.
"Wir wollen den Behörden noch mal klarmachen, dass es großen Widerstand gegen eine Freileitung gibt", erklärte Elke Morgen von der BI beim Gespräch mit dem Landrat. Herrin des Verfahrens ist allerdings nicht der Kreis, sondern die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz, welche die Unterschriften ebenfalls erhalten hat. Schartz stellte klar: "Ich bin nur ein Mittelsmann. Aber wir suchen bereits Wege, wie wir die Erdkabellösung unterstützen können."

Widerstand auf breiter Front


Bernhard Busch, Bürgermeister der VG Ruwer und zur Unterschriftenübergabe eingeladen, betonte: "Alle betroffenen Verbandsgemeinden wollen Erdkabel." Auch die Bescheider Ortschefin Nastja Raabe fordert diese Lösung, "weil wir das Landschaftsbild erhalten sollten, wenn es Alternativen gibt". Die Alternativen sind aber bisher der Knackpunkt. Laut Westnetz liegen die Herstellungskosten für die Erdkabelvariante bei etwa 50,8 Millionen, für die Freileitung bei 11,3 Millionen Euro. Das liege an den Kosten für das Kabel selbst, aber auch an den Tiefbaukosten, die weit höher seien als bei Fundamentarbeiten für Masten, teilt ein Westnetz-Sprecher mit. Das Energiewirtschaftsgesetz schreibe vor, dass die Erdkabel für eine neue Stromtrasse nur maximal das 2,75-Fache einer vergleichbaren Freileitung kosten dürften. Dieser Faktor werde im Hochwald "deutlich überschritten". Westnetz gehe deshalb davon aus, dass nur die Freileitung "genehmigungsfähig" sein wird. Den Start des Verfahrens wolle man "in den nächsten Monaten" beantragen.
Trübe Aussichten für die Erdkabel-Befürworter - könnte man meinen. Doch der Landrat hat auch gute Nachrichten. Er bringt die Regionalwerke Trier-Saarburg (RTS) ins Spiel, mit der die Stadt Trier und der Kreis Energie-, aber auch Infrastrukturprojekte umsetzen wollen. Die Idee sei, im Hochwald mehrere Versorgungsleitungen "in einen Graben zu legen", ähnlich wie das in der Eifel geplant sei. Für 140 Millionen Euro wurde dort eine Trasse für Trinkwasser, Strom, Erdgas, Biogas und schnelles Internet genehmigt, die von Trier bis zur nördlichen Landesgrenze führen soll.
Laut Busch überlegen die Stadtwerke Trier, die Riveristalsperre mit der Steinbachtalsperre bei Idar-Oberstein zu verbinden. Die angedachte Trasse sei fast identisch mit der von Westnetz anvisierten Erdkabelroute - das biete die Chance, beide Projekte zu kombinieren. Die RTS werden den Vorschlag im Februar prüfen, sagte Schartz. "Es gibt aber keine Garantie, dass das klappt."
Sollte das "Supernetz" nicht kommen, gebe es noch die Möglichkeit, "Teile der Trasse unterirdisch zu verlegen", betonte Busch. Auch könne die Behörde bei "besonderen Gründen" doch das teurere Erdkabel befürworten. Ein solcher Grund könnte etwa ein Schwarzstorch-Brutgebiet bei Farschweiler sein.
Die Bürgerinitiative sieht die Verbundnetz-Idee als Chance. Trotz der bislang sehr transparenten Vorgehensweise von Westnetz bleiben bei Elke Morgen aber Zweifel, "ob man dort bereit ist, grundlegend umzuplanen". Westnetz signalisiert auf TV-Anfrage: "Wir stehen dem Projekt offen gegenüber und werden mögliche Synergieeffekte bewerten."
Extra
Die geplante Stromleitung von Osburg nach Thalfang muss in einem zweistufigen Verfahren von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz genehmigt werden. Zunächst ist ein Raumordnungsverfahren nötig. Dessen Start will die Firma Westnetz in den nächsten Monaten beantragen. Darin wird die grobe Trassenführung festgelegt und geprüft, welcher Verlauf die geringsten Folgen für Mensch, Natur und Umwelt hat. Im zweiten Schritt wird die Trasse im Detail geplant, und es werden die genauen Kosten ermittelt. In beiden Verfahren werden die Pläne in den betroffenen Gemeinden öffentlich ausgelegt. Dann können auch Bürger ihre Bedenken äußern. Sind alle rechtlichen Anforderungen eingehalten, endet das Verfahren mit dem Planfeststellungsbeschluss. Der gesamte Genehmigungsprozess kann bis zu fünf Jahren dauern. Über den aktuellen Planungsstand informiert Westnetz auf der Internetseite www.leitung-osburg-thalfang.de cweb

 

 

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