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Neue Perspektive für Kells alten Bahnhof

Historisches Gebäude am Ruwer-Hochwald-Radweg als künftiger Standort der Tourist-Information im Gespräch

(Kell am See) Spruchreif ist der Umzug noch nicht: Aber es gibt in Kell konkrete Überlegungen, den Historischen Bahnhof als künftiges Domizil für die Tourist-Information der Verbandsgemeinde (VG) zu nutzen. Der Heimatverein will das denkmalgeschützte Gebäude verkaufen. Der Bürgermeister und die Leiterin der Tourist-Info halten dessen Standort direkt am Radweg für ideal. Doch es gibt noch eine große Unbekannte.

22.02.2015
Axel Munsteiner
Kell am See. Wenn sich der Bauausschuss der VG Kell das nächste Mal trifft, dann wird er sich ein Gebäude im Hauptort besonders genau anschauen: den Historischen Bahnhof (siehe Extra). Denn er wird möglicherweise der neue Standort für die Tourist-Information (TI).
Laut Bürgermeister Martin Alten (CDU) geht es beim Vor-Ort-Termin darum, "sich einen Überblick zu verschaffen, welche Umbau- oder Sanierungsarbeiten nötig wären". Denn was im Haus alles gemacht werden muss und vor allem wie viel das kosten würde, ist bisher noch nicht klar.

Heimatverein will Haus verkaufen


Anders sieht das mit dem Kaufpreis aus. Besitzer des Bahnhofs ist seit 1983 der Heimat- und Kulturverein. Er bietet es der VG für 40 000 Euro an. Nach Auskunft des Vorsitzenden Dittmar Lauer haben die Mitglieder bei einer Enthaltung einstimmig beschlossen, dass das Gebäude veräußert werden soll. "Wir waren uns auch einig, dass der Bahnhof möglichst von der öffentlichen Hand übernommen werden sollte", sagt Lauer. Der erfahrene Kommunalpolitiker und Heimatforscher begründet die Entscheidung unter anderem mit der Altersstruktur im Verein. "Ich selbst gehe auch schon auf die 80 zu und will meinen Nachfolgern keine Vereinsruine hinterlassen", sagt Lauer im TV-Gespräch. Die künftige Nutzung des Gebäudes als Sitz der TI würde er sich wünschen. Aus seiner Sicht "bietet der Bahnhof und das ganze Gelände rundum ein Riesenpotenzial für den Tourismus". Diese Einschätzung teilt Alten ausdrücklich. Insbesondere wegen seiner Lage direkt am Ruwer-Hochwald-Radweg sei der Bahnhof "der ideale Standort". In seinem unmittelbaren Umfeld könnten zum Beispiel Stellplätze für Wohnmobile entstehen.
Walburga Meyer ist als Geschäftsführerin des Vereins Hochwald-Ferienland für den Fremdenverkehr in der VG zuständig und leitet auch die Tourist-Info. Auch sie würde einen Umzug in den Bahnhof begrüßen. "Das wäre absolut reizvoll. Gerade in der Außendarstellung hätten wir dort einen sehr viel attraktiveren Standort, als es bisher der Fall ist", sagt Meyer.
Seit 2008 befindet sich die Keller TI in einem angemieteten Gebäude in der Bahnhofstraße 25. Zuvor mussten Meyer und ihre Mitarbeiter die Alte Mühle in Kell wegen Problemen mit Schimmelpilzen verlassen. Das aktuelle Domizil der TI in der Bahnhofstraße 25 hat zwar eine zentrale Lage. Die Anlaufstelle für Urlauber muss sich die Räume aber mit einem Geschäft für Öfen teilen. Ein weiterer Nachteil: Vor dem Haus gibt es kaum Parkplätze. Außerdem nennt Alten noch ein Problem. Weil das Gebäude eher unscheinbar wirkt, "ist man schnell daran vorbeigefahren und hat die Tourist-Information übersehen".
Deshalb sprechen viele Punkte für einen Umzug der TI von der Bahnhofstraße 25 in den Historischen Bahnhof in Kell. Wann der VG-Rat über diese Frage entscheidet, ist aber offen. " Dafür gibt es noch keinen Fahrplan", sagt Alten. Vorher müssen erst die Kosten für den Sanierungsaufwand im Bahnhof auf dem Tisch liegen. Außerdem will die VG zunächst prüfen, welche Zuschusstöpfe sie für dieses Projekt anzapfen könnte.
In der VG Kell spielt der Fremdenverkehr eine große Rolle. Das liegt vor allem am Landal-Feriendorf am Keller Stausee. Pro Jahr werden in der VG durchschnittlich rund 200 000 Übernachtungen gezählt.

Extra
Der denkmalgeschützte Historische Bahnhof in Kell wurde einst an den Gleisen der 1889 eröffneten Hochwaldbahnstrecke zwischen Hermeskeil und Trier errichtet. 1981 hielt dort der letzte Personenzug an. Güterzüge rollten auf der Trasse noch etwas länger. 1998 wurde dann aber auch dieser Verkehr endgültig eingestellt und die Strecke stillgelegt. Heute führt direkt am Keller Bahnhof der Ruwer-Hochwald-Radweg vorbei. Im Gebäude des Heimatvereins befindet sich ein Archiv und eine Geschichtswerkstatt, die vor allem der Vorsitzende Dittmar Lauer für seine historischen Forschungen nutzt. Im Gebäude sind regelmäßig Bilderausstellungen zu sehen, und es finden dort Konzerte statt. Schließlich können im Bahnhof auch Paare den Bund fürs Leben schließen. Die VG nutzt ihn als Trauzimmer. ax

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