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"Ohne Hilfe geht es noch nicht" - Wie eine syrische Familie seit Oktober in Schillingen lebt

(Schillingen) Die Hamwis sind vor Krieg und Terror aus Syrien geflohen. In Schillingen haben sie ein neues Zuhause gefunden. Sich dort einzuleben, fällt vor allem den Erwachsenen noch schwer, weil sie kaum Deutsch sprechen. Aber daran wollen sie arbeiten - mit tatkräftiger Hilfe eines engagierten Bürgers.

26.01.2016
Christa Weber
Schillingen. Am langen Esstisch im Wohnzimmer sitzen die Erwachsenen, die Kinder versammeln sich auf dem Sofa. Vor der TV-Reporterin steht eine dampfende Tasse Tee, in der Walnüsse schwimmen. Zimt und Ingwer sind auch drin, erklärt Abd Alnaser Hamwi mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms auf seinem Handy. Denn der 44-jährige Syrer spricht kein Deutsch, wohl aber Englisch. "Diesen Tee trinkt man in Syrien, um sich im Winter aufzuwärmen", sagt er.
In der Wohnung in Schillingen besucht Abd Alnaser zurzeit die Familie seiner Schwester Maisaa Hamwi, die dort seit drei Monaten mit ihrer Mutter Dalal, ihrem Bruder Ahmad senior und den Söhnen Ahmad und Youssef lebt. Vor Krieg und Terror waren sie im Sommer 2015 aus Syrien geflohen, per Bus und Boot über die Türkei, Griechenland, den Balkan, Ungarn und Österreich bis nach München. "Sie sind viele Stunden zu Fuß gegangen, bei Nacht und Kälte", berichtet Abd Alnaser. Die Familie fand sich zunächst in Aufnahmeeinrichtungen in Trier und Ingelheim wieder, von dort wurde sie zurück in den Kreis Trier-Saarburg geschickt. Privatleute stellten die Wohnung in Schillingen zur Verfügung.

Besuch beim Martinsumzug


Über die Eigentümer kam auch der Kontakt zu Dittmar Lauer zustande, Architekt im Ruhestand, Heimatforscher und Gemeinderatsmitglied in Kell. "Mir war die Familie gleich sympathisch", sagt er. "Und ich wollte weiter helfen." Seitdem unterstützt er die Hamwis, organisiert Möbel bei Bekannten, begleitet sie zu den Behörden, zum Arzt oder auch zur Anmeldung des ältesten Sohns Ahmad an der Hermeskeiler Grundschule. Dort lernt der Neunjährige zwei Stunden am Tag Deutsch und besucht danach regulär die dritte Klasse. Er mache sich gut, sagt Lauer. Und wie zum Beweis sagt Ahmad strahlend den Text eines Liedes auf, das er zur Weihnachtsfeier auswendig gelernt hatte: "Ein Licht ist im Advent erwacht, es leuchtet durch die dunkle Nacht." Die Lehrerin kümmere sich "rührend" um ihn, lobt Lauer. Bei den Mitschülern gebe es "keinerlei Ressentiments". Im Schulbus passten zwei Jungen aus dem Ort auf Ahmad auf.

Wann immer sich eine Gelegenheit ergibt, Kontakt zu den Einheimischen zu knüpfen, nimmt Lauer die Familie mit. Sie waren beim Martinsumzug und beim Neujahrsempfang der Ortsgemeinde. "Die Leute sind überall sehr freundlich", sagt Großmutter Dalal. Dass sie kein Deutsch spreche, sei aber noch "ein großes Problem". Ihr Sohn Ahmad senior zeigt ein Heft, in das er deutsche Wörter mit arabischer Übersetzung notiert. "Tisch, Stuhl, Bett, Wand", liest er stolz vor. "Er macht sich sein eigenes Lexikon", erklärt Dittmar Lauer. Die Pflichtkurse für Flüchtlinge seien ausgebucht, deshalb versuche er, für die Erwachsenen privaten Sprachunterricht zu organisieren. Zurzeit leben im Haus der Hamwis elf statt fünf Personen. Dalals Sohn Mounir ist zu Besuch, Abd Alnaser bereitet den Umzug seiner Familie nach Koblenz vor. Dort hat er mit Hilfe der Caritas eine Wohnung gefunden. "In drei Zimmern gibt es keinen Boden, das packen wir jetzt an", erklärt Lauer. Anders als die fünf Schillinger Hamwis sind Abd Alnasers Frau und Kinder noch nicht als Flüchtlinge anerkannt.

Sie kamen mit Visum aus Indien. Dittmar Lauer hilft beim Ausfüllen der Anträge und steht in Kontakt mit der Deutschen Botschaft in Beirut, um noch weitere Familienmitglieder aus Syrien nachzuholen. "Wir haben dort nichts mehr und niemand weiß, wie lange der Krieg noch dauert", erklärt Abd Alnaser. "In Deutschland leben wir in Frieden. Wir können eine Arbeit finden, und unsere Kinder haben eine Zukunft." Dafür sei er sehr dankbar.
Und die Hamwis wollen etwas zurückgeben. Alle haben eine gute Schul- und Ausbildung. Abd Alnaser ist Personalmanager, er hofft auf einen Job in einem Restaurant oder Hotel. Maisaa hat in einem Museum gearbeitet, ihr Bruder Mounir war Kraftfahrer. "Ihn können wir vielleicht in Hermeskeil bei einer Baufirma unterbringen", so Lauer. Der Keller will der Familie beistehen, "bis sie auf eigenen Füßen stehen kann - noch geht es nicht ohne Hilfe". Ihm liege am Herzen, dass die Hamwis im Hochwald bleiben: "Das wäre eine Bereicherung für uns."

 

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