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Rat ebnet Weg für Klinik

Bebauungsplan für Privatprojekt in Hermeskeiler Park beschlossen

(Hermeskeil) Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer Fachklinik für psychisch Kranke im St.-Fargeau-Park in Hermeskeil ist getan: Der Stadtrat hat den Bebauungsplan für das private Millionenprojekt beschlossen. Bedenken einiger Anwohner, die Klinik sei "überdimensioniert" und rücke zu nah an die Wohnhäuser heran, wurden zurückgewiesen.

11.05.2016
Christa Weber
Hermeskeil. Im St.-Fargeau-Park in der Hermeskeiler Stadtmitte planen private Investoren eine Fachklinik. Dort sollen Menschen behandelt werden, die an psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen leiden (der TV berichtete mehrfach). Für rund 25 Millionen Euro ist ein fünfgeschossiger Bau mit 90 Betten, Behandlungs- und Büroräumen, einem Reha- und Wellnessbereich sowie Gastronomie vorgesehen (siehe Grafik). Etwa 50 Mitarbeiter sollen dort arbeiten.
Der Stadtrat hat am Dienstag die Voraussetzungen geschaffen, damit die Investoren Baurecht erhalten können. Das Gremium beschloss einstimmig den Bebauungsplan für die Privatklinik. Zuvor stellte Sarah End vom Büro Kernplan die Stellungnahmen von Behörden, Institutionen und Bürgern vor. Sie hatten den Plan vom 30. November bis 8. Januar öffentlich einsehen können.
Die Hinweise zum Plan machten laut End "keine wesentlichen Änderungen" notwendig, an manchen Stellen werde jedoch nachgebessert. So hatte die Kreisverwaltung Trier-Saarburg verlangt, dass durch Lieferverkehr die Anwohner in der angrenzenden Königsberger Straße nicht beeinträchtig würden. "Die Hauptzufahrt zur Klinik erfolgt über die Trierer Straße und das Gelände der Polizeiinspektion, auch die Anlieferungen", stellte die Planerin klar. Die Königsberger Straße diene lediglich als Notausfahrt für die Polizei. Deren Forderungen seien alle geklärt worden. Man werde entsprechend die Notausfahrt zwischen Tiefgarage und den geplanten Parkplätzen sowie die Zufahrt von der Trierer Straße etwas breiter anlegen.

Bürger: Klinik zu groß und zu nah


Der Naturpark Saar-Hunsrück hatte um den Erhalt des barrierefreien Fußwegs gebeten, der vom Neuen Markt zum Naturpark-Infozentrum führt - derzeit noch über städtischen Besitz. Laut Planerin soll an der Grenze zum Klinikareal ein zehn Meter breiter Streifen die Zuwegung sichern. Dem Naturpark werde dafür ein Gehrecht eingeräumt.
Auch insgesamt elf Bürger hatten eine Stellungnahme abgegeben. Ihre Bedenken, die auch schon bei der öffentlichen Vorstellung der Planung im November anklangen, wurden allesamt mit entsprechenden Begründungen zurückgewiesen. Einzige Ausnahme: Ein Anwohner der Trierer Straße hatte befürchtet, dass durch Zufahrt und Parkplätze zu viel Fläche versiegelt werde und Regenwasser in seinen Keller laufe. Laut Planerin End wurde deshalb das Entwässerungskonzept um ein Beton-Regenrückhaltebecken mit gedrosseltem Ablauf ergänzt.
Mehrere Anlieger sahen ihre "Wohnqualität" bedroht. Sie empfänden das Projekt wegen der Nähe zu ihren Häusern als "erdrückend". Dem setzte die Planerin entgegen, dass man die gesetzlich vorgeschriebenen Abstände einhalte. Protest gab es auch gegen die Ausmaße des Gebäudes (etwa 105 Meter Länge, 20 Meter Höhe). Dies sei "überdimensioniert". Die Größe ergebe sich aus Vorgaben wie der Anzahl der Patienten und dem Raumbedarf, erläuterte End. Die Zahl der Zimmer liege "im unteren mittleren Bereich vergleichbarer Einrichtungen".
Der Angst einiger Anlieger vor Lärm begegnete die Planerin mit dem Hinweis, dass die zuständige Aufsichtsbehörde diesbezüglich keine Bedenken geäußert habe.
Mehrfach kritisiert wurde der drohende Verlust von Bäumen im Park. Zwar müssten einige Bäume weichen, dafür würden aber zur Trierer Straße hin zusätzliche gepflanzt, erklärte dazu Architekt Martin Grub. Am oberen Rand blieben zudem die Baumbestände erhalten. "Das liegt auch im Interesse der künftigen Patienten, die sich hier erholen sollen."

Keine schützenswerten Arten


Ein Anwohner der Königsberger Straße kritisierte, dass der Schutz von Tieren und Pflanzen nur unzureichend geprüft worden sei. Laut End sind "ausreichende Untersuchungen" erfolgt, etwa zu Fledermäusen und Vögeln. Detaillierte Prüfungen seien nicht notwendig, weil keine gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützten Arten betroffen seien.
Thomas Schiwek von der Image Select GmbH aus Sandhausen, die das Projekt für die namentlich nicht bekannten Investoren entwickelt, äußerte sich zu einer möglichen Konkurrenz zum Hermeskeiler Krankenhaus: "Wir wollen im Verbund mit der örtlichen Klinik arbeiten, das war sogar ein Kriterium bei der Standortsuche." In der Privatklinik seien beispielsweise im Ernstfall notwendige "chirurgische Eingriffe" nicht durchführbar. Dafür werde die Infrastruktur des Krankenhauses benötigt.
"Das Projekt wird eine Chance sein für die Stadtentwicklung", betonte Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU). Die Stadt habe nun den "letzten nötigen Beschluss gefasst". Nun seien Architekt und Investoren "am Zug - und die Stadt wird das Projekt aufmerksam weiter begleiten".