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Suche Kinderwagen - biete Porträt: Künstlerin Ursula Stimmler sammelt Alltagsgegenstände für Flüchtlinge

(Züsch) Viele Menschen kümmern sich derzeit um das Wohlergehen von Flüchtlingen, die in unserer Region eine neue Heimat und einen neuen Anfang suchen. Eine besonders ausgefallene und kreative Idee, eigenes Können mit sozialem Engagement zu verbinden, hat die Hochwälder Künstlerin Ursula Stimmler.

11.01.2016
Jürgen C. Braun
Pate sein: Das bedeutet, sich um jemanden kümmern, um sein Wohlergehen besorgt sein, in Notfällen für ihn da zu sein. Ursula Stimmler benutzt das Wort "Pate" sehr oft und betont immer wieder wie wichtig es sei, dass es gerade für die in der ehemaligen Kaserne in Hermeskeil gestrandeten Menschen aus verschiedenen Ländern solche Paten gibt. Menschen, die sie quasi "an der Hand nehmen", Barmherzigkeit aus ihrer Empathie schöpfen. Ungeachtet dessen, ob diese Menschen nun ein dauerhaftes Bleiberecht erhalten werden oder nicht.

Erfahrung in Flüchtlingsbetreuung

Die in Züsch lebende bildende Künstlerin, eine gebürtige Schwarzwälderin, die seit mehr als drei Jahrzehnten in dem Hochwald-Ort eine Heimat und auch ihre innere Ruhe und Zufriedenheit gefunden hat, engagiert sich auf vielfältige Weise in der Betreuung der Menschen in der Aufnahmeeinrichtung. Wohl betonend, dass es "viele andere gibt, die das Gleiche tun, was ich mache und dass es doch immer noch zu wenig sind".

Aus ihrer anfänglichen Arbeit in der Flüchtlingsbetreuung heraus hat sie die Erfahrung gemacht, dass die notwendigsten Dinge, die zur Bewältigung des Alltags in dem neuen Land, dem neuen Kulturkreis, benötigt werden, vielfältiger Natur sind. Oft saisonabhängig, genau so oft jedoch auch von den persönlichen Bedürfnissen der Betroffenen geprägt.

Als dann plötzlich besonders viele Kinderwagen gebraucht wurden, und "auf die Schnelle" so viele Fahrzeuge für den Nachwuchs nicht aufgetrieben werden konnten, war guter Rat teuer. "Ich kann die Leute verstehen, wenn sie gut erhaltene Kinderwagen nicht hergeben wollen. Das Geld liegt längst nicht mehr auf der Straße, viele Menschen müssen sehen, wie sie rund kommen. Und bei eBay bekommt man halt ab und zu noch etwas dafür." Also setzte die 67-jährige Künstlerin ihr persönliches Können ein, um den Nachschub an Kinderwagen zu intensivieren und im wahrsten Sinne anzuschieben. Sie ließ über "Mundpropaganda" bei Bekannten, durch Besuche auf Märkten oder wie auch immer verlauten, dass sie etwas anzubieten hat für einen gut erhaltenen Kinderwagen: "Wer bei mir einen Kinderwagen abgab für eine Flüchtlingsfamilie, der bekam dafür von mir ein Porträt seines Kindes als Gegenleistung." Egal, ob denn nun die Eltern oder die Großeltern sich zu dem Tauschgeschäft "Kinderwagen gegen Porträt" meldeten.

Reinsfelder tauschen zuerst


Und die Idee "funkte" im wahrsten Sinn des Wortes. Als erstes meldete sich eine Familie aus Reinsfeld, die mit ihrem Kinderwagen, aus dem der Nachwuchs offenbar schon "entwachsen" war, nach Züsch kam, um auf das Angebot von Ursula Stimmler einzugehen. Dabei ist es bislang nicht geblieben. Bei unserem Besuch im Stimmler-Atelier konnten wir uns davon überzeugen. Die Kinderwagen waren zwar längst weg. ("Die sind bei den Menschen, die sie gebrauchen. Da gehören sie ja hin.") aber Porträts junger Erdenbürger gab es jede Menge.

Ursula Stimmler möchte es dabei nicht bewenden lassen. "Wer möchte, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen. Auch wenn es nicht um einen Kinderwagen und ein Porträt geht. Viele Menschen möchten gerne helfen, wissen aber nicht wie." Über ihre Homepage www.atelier-stimmler.de kann man Kontakt mit ihr aufnehmen. Um nicht nur zugeben, sondern auch etwas zu gewinnen, wie sie selbst sagt: Dankbarkeit, Herzenswärme und vieles andere Unbezahlbare mehr.

 

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