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Tourismus in Kell soll vom Nationalpark Hunsrück-Hochwald profitieren

(Kell am See) Die Verbandsgemeinde Kell will zur Nationalparkregion gehören. Das Schutzgebiet soll den Tourismus weiter ankurbeln. Ein Beispiel dafür, wie das aussehen könnte, gibt es schon.

19.04.2017
Christa Weber
Ein ungewöhnlicher Anblick erwartet die Gäste des Hotels Zur Post in Kell, wenn sie dort ihre Badezimmer betreten. Die Wände der Duschkabinen zieren großflächige Naturbilder: Ein Fahrrad lehnt an Steinen vor der Primstalsperre. Knorrige Äste ragen über einen mit Laub bedeckten Waldboden. Ein anderes Bild zeigt eine Mooslandschaft. Alle Motive stammen aus dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

"Wir haben vor kurzem die Bäder renoviert, da kam die Idee auf", erklärt Hotelinhaber Michael Krämer. Durch die Bilder würden die Gäste auf das nahe Schutzgebiet aufmerksam. Auf ihren Zimmern fänden sie dann passende Flyer und sogenannte QR-Codes. Damit lasse sich eine Mountainbike-Route zum Nationalpark aufs Handy laden. "Das Interesse ist riesig", sagt Krämer.

Nicht nur der Hotelier sieht in dem 2015 gegründeten Schutzgebiet viel Potenzial. Dass die Verbandsgemeinde (VG) Kell noch stärker vom Nationalpark profitieren könnte, finden auch die Mitglieder des VG-Rats. Sie haben einstimmig beschlossen, dass sich die VG Kell um eine Aufnahme in die Nationalparkregion bewerben wird. Zu dieser Region zählen die Orts- und Verbandsgemeinden, die ganz oder teilweise im Schutzgebiet liegen. Aber auch angrenzende Kommunen können eine Zugehörigkeit beantragen. Genehmigen muss dies das Umweltministerium (siehe Info).

Eine Bedingung sei, dass die Infrastruktur der VG Kell auch dem Nationalpark diene, erläuterte Bürgermeister Martin Alten im Rat. "Da können wir mit unseren touristischen Einrichtungen einen guten Beitrag leisten." Schon jetzt bestehe eine "intensive Zusammenarbeit" zwischen einzelnen Betrieben und dem Nationalparkamt, hieß es in einer Sitzungsvorlage. Urlaubsgäste in Kell zeigten ähnliche Interessen wie die Parkbesucher, die Angebote ergänzten sich. Laut Alten ergeben sich durch die Aufnahme in die Nationalparkregion zudem "keine Kosten". Für den Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen spielte der Kostenfaktor nur eine Nebenrolle. "Damit würden wir diese gute Sache unter Wert verkaufen", sagte er. "Unser Tourismus wird davon direkt profitieren. Bei uns finden die Gäste die Unterkünfte, die am Park noch fehlen."

Das bestätigt Sören Sturm, im Nationalparkamt für den Bereich Kommunikation zuständig. Es gebe zwar "genug Übernachtungskapazitäten" im direkten Umfeld, aber es fehle noch an "Qualität" und "Angeboten der Betriebe zum Park". Beides sei in der VG Kell zu finden. "Wir brauchen Betriebe, die ihre Gäste vor Ort über den Nationalpark informieren", sagt Sturm - und zwar auch in der weiteren Umgebung. Tagestouristen nähmen bis zu eine Stunde Anfahrt in Kauf. Die Zugehörigkeit zur Nationalparkregion allein bringe wenig, "wenn sie nicht auch vor Ort gelebt wird", sagt Sturm. Dass dies aber auch ohne Beitritt schon möglich sei, belege das "schöne Beispiel" des Keller Hoteliers.

Den Kommunen bietet eine Aufnahme in die Nationalparkregion neben den touristischen auch finanzielle Vorteile. Laut Landesregierung sollen Projekte in dieser Region bei der Vergabe von Fördermitteln bevorzugt werden. So fließt bei Gewässerprojekten der Aktion Blau plus oder auch beim Ausbau von Landesstraßen mehr Geld aus Mainz.
Für die Touristiker in der VG Kell ist der Antrag die konsequente Fortsetzung ihrer bisherigen Arbeit. "Hunsrück, Ebbes von Hei, Hunsrück-Steig - das sind unsere touristischen Leuchttürme", sagt Walburga Meyer, Chefin des Vereins Hochwald Ferienland. "Da passt der Nationalpark perfekt hinein." Das sieht auch Michael Krämer so, der sich für eine touristische Ausrichtung Richtung Hunsrück stark macht. Zuletzt hatten Krämer und andere Akteure aus Kell befürchtet, dass diese Ausrichtung durch die mögliche Fusion der VG Kell mit der VG Saarburg Schaden nehmen könnte (der TV berichtete). "Aber danach sieht es nun nicht mehr aus."

Auch Liselotte Wegner, Managerin des Landal-Ferienparks in Kell, sieht einen "Schritt in die Richtung, die wir uns gewünscht haben". Der Nationalpark biete eine Chance, den Keller Tourismus weiterzuentwickeln und das "Thema Naturerlebnis weiter auszubauen". Zugleich bringe die VG Kell selbst "viel Potenzial" mit, Landal allein habe pro Jahr 30 000 Gäste. "Wir machen sie schon jetzt auf den Nationalpark aufmerksam und werden das künftig noch intensivieren."
Extra: 
Langer Weg in die Nationalparkregion

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald wurde im Mai 2015 gegründet. Das Schutzgebiet ist etwa 10 000 Hektar groß und liegt in den Bundesländern Rheinland-Pfalz. Weil auch die Gemeinden rund herum von dem Park profitieren sollen, wurde eine Nationalparkregion definiert.

Dazu zählen die Kommunen, die ganz oder teilweise im Schutzgebiet liegen: die Verbandsgemeinden Hermeskeil, Thalfang am Erbeskopf, Birkenfeld, Herrstein sowie Nonnweiler und Nohfelden im Saarland. Für die Entwicklung der Nationalparkregion und ihrer Dörfer sind hohe Fördermittel von EU, Land und Bund zugesagt. Auf Antrag bei der oberen Naturschutzbehörde - in Rheinland-Pfalz ist dies das Umweltministerium - können weitere Gemeinden in die Region aufgenommen werden. Idar-Oberstein, Rhaunen, Baumholder sind bereits dazugekommen, die VG Kell am See will dies nun beantragen. Das Verfahren dazu legt der Staatsvertrag zum Nationalpark fest. Vor der Entscheidung im Ministerium muss die kommunale Nationalparkversammlung angehört werden. Diese trifft sich voraussichtlich im Herbst.