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Chemieunfall: Sechs Verletzte, tote Fische und Explosionsgefahr

(Morbach) 3000 Liter des giftigen Lösungsmittels Toluol sind aus einem Betrieb in Morbach in die Kanalisation gelangt. Straßen wurden ab Mittwochmorgen, 27. August, 9 Uhr, gesperrt, Bewohner evakuiert. Sechs Menschen wurden verletzt. Erst um 17.30 Uhr gibt die Polizei grünes Licht für die Rückkehr der Bewohner in ihre Häuser.

27.08.2014


Zu einem Großeinsatz entwickelte sich eine erste Alarmierung bei der Freiwilligen Feuerwehr Morbach am Mittwoch, 10 Uhr. Zunächst ging per Notruf ein, dass ein gefährlicher Stoff aus einem Betrieb in der Industriestraße in die Kanalisation gelaufen sei.

Kurz darauf rückte der Gefahrstoffzug des Landkreises aus: 3000 Liter des Lösungsmittels Toluol, das als giftig und explosiv gilt, sollen ausgelaufen sein. Daraufhin mussten Menschen aus der Bischofsdhroner Straße, der Kirchwiese und auch dem Supermarkt Wasgau in Sicherheit gebracht werden. Ordner gingen von Haus zu Haus und forderten die Morbacher auf, die Fenster zu schließen und im Haus zu bleiben. Straßen wurden gesperrt.
Teils war ein chemischer Geruch festzustellen, der für Toluol charakteristisch ist, meldeten Zeugen.
Die Menschen aus dem Gefahrenbereich wurden im Pfarrheim untergebracht und von Maltesern betreut.

Das Polizeipräsidium (PP) Trier teilte gegen 13 Uhr in einer Pressemitteilung mit: „Personen wurden nicht verletzt. Es wurden auch bisher keine anderen Schäden festgestellt. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht derzeit nicht.“ Dennoch seien Menschen gebeten worden, das Gebiet zu verlassen, während die Kanalisation gereinigt werden sollte. Karl-Peter Jochem, Pressesprecher des PP Trier, war gegen 14 Uhr vor Ort. Da sprach er von vier verletzten Angestellten der Kläranlage. Um 16.30 Uhr hieß es, auch zwei Morbacher seien mit Atemwegsbeschwerden in ärztlicher Behandlung. Außerdem wurden tote Fische in der Dhron gefunden. Der Fluss fließt hinter dem Klärwerk.

Nach ersten Erkenntnissen war das Gift bereits am Dienstagabend oder nachts ausgetreten. Die Spezialisten der Feuerwehr nahmen überall in der Kanalisation Messungen vor, um herauszufinden, wo sich das Gift ausgebreitet hatte. Kein ungefährlicher Einsatz: Der als aggressiv geltende Stoff kann brennbare Dämpfe entwickeln. Zugute kamen den Einsatzkräften die für August relativ niedrigen Temperaturen.
Die Zahl der Rettungskräfte von der Feuerwehr über die Polizei bis zum Sanitäter wird auf 250 geschätzt.

Die Kriminalpolizei ermittelt. Angaben zur Ursache des Giftunfalls konnte das Polizeipräsidium Trier gestern nicht machen. Gegen 17.30 Uhr gab Bürgermeister Andreas Hackethal grünes Licht. Die Bewohner konnten in ihre Häuser zurückkehren.

Extra: Toluol
Toluol, auch Methylbenzol genannt, ist eine farblose Flüssigkeit, die leichtentzündlich und feuergefährlich ist. Toluol ist giftig und hat einen stechenden Geruch. Der Stoff verursacht Nerven-, Nieren- und möglicherweise auch Leberschäden und gilt als fortpflanzungsgefährdend sowie fruchtschädigend. Obwohl Toloul nicht wasserlöslich ist, ist es selbst in geringen Mengen wassergefährdend.
 

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