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Der Masterplan für die Hunsrückbahn

Nationalpark: Zwei Vereine setzen auf den Schienenverkehr

(Morbach/Birkenfeld/Hermeskeil) Der Streit um die Hunsrückbahn geht in die nächste Runde. Laut eienr Mobilitätsstudie soll das Nationalpark-Gebiet mit Busverkehr erschlossen werden. Das sehen zwei Vereine anders. Sie setzen auf den Schienenverkehr und haben dazu ein Konzept entwickelt.

17.11.2015
Stefan Conradt und Hans-Peter Linz
Morbach/Birkenfeld/Hermeskeil. Für viel Wirbel hat die Präsentation des Nahverkehrskonzepts für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald gesorgt, die das Land kürzlich vorstellte (der TV berichtete mehrfach).
Demnach soll der Nationalpark mit zusätzlichen Buslinien erschlossen werden - mit dem Idar-Obersteiner Bahnhof als Knotenpunkt. Das stieß auf vielfachen Widerstand bei Anwohnern der betroffenen Kommunen.

Kaum realisierbar?: Als kaum realisierbar hat das Büro Planersocietät aus Dortmund in diesem Zusammenhang die Reaktivierung der Hochwaldbahn eingestuft. Sie habe zu wenig Potenzial, hieß es. Das liege vor allem daran, dass Schienenverkehr sich werktags nicht rechne und zu kostenintensiv sei.
Das sehen die Vertreter der Vereine "Historische Eisenbahn Hunsrück" und "Pro Hochwald- und Hunsrückbahn" anders. Sie haben ein detailliertes Gegenkonzept entwickelt, das die Einrichtung eines Ringverkehrs beinhaltet (siehe Grafik).

Touristischer Aspekt: Die Bahn könne, heißt es im Konzept, "die drei Eingangstore nicht nur verkehrstechnisch verbinden, sondern als eigene touristische Attraktion Besucher anziehen. Sie verringert Distanzen, indem das Überwinden eben dieser Teil des erlebbaren Freizeitwertes wird." Die reaktivierte Bahn würde gemeinsam mit der bestehenden Nahetalbahn die Region in idealer Weise umschließen. In Querrichtung sollen - ähnlich dem Landeskonzept - Busse die Beförderung der Besucher übernehmen, "Bahnhöfe und Tore mit den umliegenden Attraktionen verbinden".

Bahnhof Birkenfeld nutzen: Wendepunkte sollen die Bahnhöfe des bestehenden Netzes an Nahe- und Moselstrecke sein - also Idar-Oberstein, Türkismühle und Neubrücke. Der Bahnhof in Hoppstädten-Weiersbach, direkt am Umwelt-Campus (dorthin soll auch das Nationalparkamt mittelfristig umziehen) gelegen, war bei der "Vorzugsvariante" des Dortmunder Planungsbüros nicht nur nach Ansicht des Birkenfelder Bürgermeisters Bernhard Alscher "stiefmütterlich" behandelt worden. Weiter heißt es im Vereinskonzept: "Die Nahestrecke, die Saarbrücken mit dem Rhein-Main-Gebiet verbindet, ist der leistungsstärkste öffentliche Zubringer für die Nationalparkregion. Allerdings liegen alle Bahnhöfe in einiger Entfernung zum Nationalparkgebiet."

Fußläufig erreichbar: Die Nationalparktore Erbeskopf und Otzenhausen wären dagegen von Hunsrück-/Hochwaldbahn aus fußläufig erreichbar. Das Nationalparktor Wildenburg liegt günstig zum Bahnhof Morbach." Der Flughafen Hahn könnte über die Hunsrückbahn im Stundentakt an das Rhein-Main-Gebiet angeschlossen werden. Entsprechende Pläne treibt die Landesregierung voran. Auch Kreisgrenzen stellen ein Problem für den Busverkehr dar: Oft beginnen oder enden Buslinien dort. Als Beispiel werden die Linien 209 (Hermeskeil-Muhl) und 323 (Birkenfeld-Börfink) angeführt. "Das Schließen der nur drei Kilometer langen Lücke zwischen Muhl und Börfink wäre eine enorme Aufwertung des Angebotes," heißt es in dem Konzept.
Ergänzende Buslinien: Konkret schlagen die Vereine neben der Reaktivierung der Bahnlinie Türkismühle-Hermeskeil-Morbach- Hahn-Langenlonsheim die Einrichtung folgender Buslinien vor: Linie 1: Idar-Oberstein-Wildenburg-Morbach-Bernkastel-Kues. Die bisherigen Linien 343 und 311 werden NP-Linie 1. In Idar-Oberstein besteht Anschluss an die Nahebahn. In Morbach kann der Zug in Richtung der beiden anderen Nationalparktore genutzt werden. In Bernkastel-Kues besteht Anschluss an die Moselschifffahrt.
Linie 2: Neubrücke-Birkenfeld-Ferienpark Hambachtal-Börfink-Thalfang. Die bisherige Linienführung der Linie 322 wird über den Erbeskopf bis Thalfang erweitert. In Thalfang kann der Zug in Richtung der beiden anderen Nationalparktore genutzt werden. Es besteht Anschluss an die Linie 100 Hahn-Trier und die Nahestrecke in Neubrücke.
Linie 3: Nohfelden Türkismühle- Otzenhausen-Hermeskeil-Trier. Die bisherige Linie R200 verkehrt über den Center Parc Bostalsee nach Hermeskeil. In Nohfelden-Türkismühle besteht Anschluss an die Nahestrecke. In Hermeskeil kann der Zug in Richtung der beiden anderen Nationalparktore genutzt werden. Die Buslinie endet am Hauptbahnhof Trier.

Wanderweg nutzen: Ergänzend können die Nationalparktore von den Bahnhöfen aus auch erwandert werden. Von Morbach führt die Etappe 11 des Saar-Hunsrück-Steigs zur Wildenburg (17,2 Kilometer). Vom Haltepunkt Deuselbach erreicht man das Hunsrückhaus nach drei Kilometern, die teilweise auf dem Saar-Hunsrück-Steig zurückgelegt werden können. Von Hermeskeil erreicht man nach etwa zehn Kilometern über den Saar-Hunsrück-Steig den Keltenpark Otzenhausen. Die beiden Vereine argumentieren auch: "Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist bundesweit der einzige ohne direkten Bahnanschluss. Das ist im Vergleich zu anderen Regionen ein großer Wettbewerbsnachteil." Sie schlagen vor: "Das vorgeschlagene Konzept könnte vorerst an Wochenenden eingeführt werden, da hier die ÖPNV-Situation besonders problematisch, die Besucherdichte aber am höchsten ist."


Zuschüsse vom Land: Zu den Kosten erhoffen sich die Initiatoren einen Zuschuss des Landes Rheinland-Pfalz in Höhe von 85 Prozent. Laut Jutta Blatzheim-Roegler, Mitglied des Landtags (Bündnis 90/Die Grünen) sei das möglich. Joachim Winkler, Sprecher des Innenministeriums in Mainz, bestätigte auf TV-Nachfrage, dass es einen diesbezüglichen Landtagsbeschluss gebe. Der Verein "Historische Eisenbahn Hunsrück" lässt derzeit einen Businessplan zur Reaktivierung der Bahnstrecke Morbach-Hermeskeil erstellen. Unter anderem soll geprüft werden, ob eine private Kostenbeteiligung an den restlichen 15 Prozent möglich ist.

Zeitnahe Lösung: Felix Jacob, Erster Vorsitzender des Vereins Historische Eisenbahn Hunsrück, sagt, dass man das Konzept Stück für Stück entwickeln wolle. Derzeit würden zwei ältere Gutachten dazu nochmals durchgerechnet. Erhard Pitzius wiederum, der einer dritten Initiative angehört (Initiative für die Erhaltung und Reaktivierung der Hochwald- und Hunsrückquerbahn), fordert hingegen eine zeitnahe Reaktivierung der Gesamtstrecke.
Das vollständige Konzept ist im Internet unter www.nationalparkbahn-rlp-sal.de abrufbar.

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