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aus unserem Archiv vom 20. August 2012
Autor: Hannah Schmitt Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Morbach/Thalfang Drucken  E-Mail

Direktvermarkter im Hunsrück: Vom Hof sofort zum Kunden

Tante-Emma-Laden, Wochenmarkt, regionale Produkte: Wie sieht es mit der Versorgung im Hunsrück aus? Diesem Thema hat der Volksfreund eine kleine Serie gewidmet. Im dritten und letzten Teil hat sich der TV bei einigen Direktvermarktern umgeschaut.

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Morbach/Thalfang. Wer bei Sabine und Ulla Binz auf dem Hunolsteiner Hof isst oder Aufstrich kauft, sieht, wo das Essen herkommt. Die Marmelade ist von den Früchten der alten Bäume, die vor dem Hof wachsen. Hausmacherwurst und Fleisch kommen von den Rindern, die im Stall ihr Heu futtern und auf der Weide grasen. "Was wir den Gästen zeigen, das machen wir alles selbst", sagt Seniorchefin Ulla Binz. Denn am wichtigsten sei, dass die Produkte "ehrlich" seien. Das bedeutet: Wenn das Obst ausgehe, dann gebe es auch keine Marmelade mehr, erzählt die 72-Jährige.
Seit 16 Jahren betreibt die Familie in Hunolstein ihr Bauernhofcafé. 1996 wagten sie den Schritt vom reinen landwirtschaftlichen Betrieb zum Cafébe treiber und Direktvermarkter. Seither haben sie kein Milchvieh und keine Schweinemast mehr, sondern lediglich noch 20 Kühe und Rinder. "Die Preise haben nicht mehr gestimmt", sagt Sabine Binz. Sie hätten damals viel Geld investieren müssen, um den Hof zu vergrößern. Also entschieden sie sich für einen radikalen Wechsel - der sich nach eigener Aussage inzwischen gelohnt hat. Heute verbrauchen sie so viel Fleisch im eigenen Café, dass sie nicht mehr genug zum direkt Verkaufen haben. Geschlachtet wird vier- bis fünfmal im Jahr.
Vor Ort beim Bauern einkaufen zu können, gehört oft zur Landwirtschaft dazu. In der Einheitsgemeinde Morbach gibt es laut Statistischem Landesamt in Bad Ems vier Höfe, in denen die Direktvermarktung Teil des landwirtschaftlichen Betriebs ist; in der Verbandsgemeinde Thalfang sind es sieben Betriebe (Stand 2010). Etwa 800 sind es in ganz Rheinland-Pfalz.

Große Herausforderung


Für Manfred Zelder, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Bernkastel-Wittlich, kann der direkte Verkauf eine attraktive Marktnische und ein zweites Standbein sein. Auch weil das Geld direkt beim Bauern bleibe. Die eigenen Produkte zusätzlich zu vermarkten sei aber auch eine große Herausforderung, sagt er. Denn Fleisch, Kartoffeln und Obst müssen auch an den Mann gebracht werden.
Dafür hat Lutz Güldenberg vom Hof Gräfendhron bei Thalfang einen festen Kundenstamm, den er mit Rindfleisch beliefert. Das Besondere: Das Gut ist nicht nur landwirtschaftlicher Betrieb, sondern auch Jugendhilfeeinrichtung. Mehrere Jugendliche wohnen dort, versorgen die Galloway-Rinder und lernen wieder einen geregelten Tagesablauf kennen. Die Landwirtschaft läuft lediglich nebenher. Dennoch leben um die 70 Tiere auf dem Hof - in reiner Freilandhaltung. Sie werden direkt von der Weide geschossen. Im Herbst ist es wieder so weit: Zwischen 20 und 25 Rinder werden dann verarbeitet. Viel Gewinn mache der Hof damit aber nicht. "Es reicht für Ferienfreizeiten oder andere pädagogische Maßnahmen", sagt der 40-Jährige.
Es könne immer besser laufen, sagt auch Matthias Knop vom Hellenberger Hof bei Hunolstein. Er bietet seit zehn Jahren alles an, was aus Fleisch gemacht werden kann: Braten, Schaschlik, Gulasch als Partyservice; eigene Wurstkonserven und Fleisch zum Abholen. Einen Hofladen betreiben Knops nicht. Das würde sich nicht lohnen, denn dann müsse er jemanden einstellen, sagt Matthias Knop. So laufen die Direktvermarktung und der Verkauf nebenbei. Die meisten Erzeugnisse landen bei Urlaubern oder Stammkunden. Knop: "Die, die unsere Produkte schon einmal gegessen haben, kommen auch häufig wieder."

 




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