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Ein Bollwerk gegen die Germanen

Spektakuläre Entdeckungen im Archäologiepark Belginum

(Wederath) Eine Befestigungsanlage aus dem dritten Jahrhundert gehört zu den neuesten Entdeckungen im Archäologiepark Belginum. Doch damit hört die Reihe der außergewöhnlichen Funde im Bereich der Kreuzung B 50/B 327 bei Wederath noch nicht auf.

14.07.2015
Christoph Strouvelle
Wederath. Ein spektakulärer Fund ist bei den Ausgrabungen im Archäologiepark Belginum entdeckt worden: Teile des Siedlungsgebietes sind offenbar ab der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts von einer spätantiken Befestigungsanlage umgeben gewesen. "Das ist sensationell, weil wir bisher keinen Anhaltspunkt für eine Befestigung zu dieser Zeit hatten", sagt Museumsleiterin Dr. Rosemarie Cordie.
Die Befestigungsanlage besteht aus drei gestaffelten Gräben, die eine Breite bis zu zwei Meter gehabt hatten. Direkt daneben finden sich Reste einer etwa zwei Meter breiten Mauer. Die Mauerreste befinden sich nur wenige Meter von der Einmündung der K 106 aus Richtung Wenigerath auf die B 50.
Cordie hatte sich stets gewundert, dass die Siedlung geöffnet gewesen sein soll. Denn in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts bis ins Jahr 275 waren Germanen immer wieder in die Region eingefallen.

Alles Verfügbare verbaut


"Die Mauern waren auf ehemalige "Vicus"-Mauern aus dem ersten und zweiten Jahrhundert aufgesetzt worden", sagt Cordie. Dazu hätten die Erbauer alles benutzt, was verfügbar gewesen war: Alte Mahlsteine, Schieferplatten oder Quarzitbrocken sind in den Mauern gefunden worden. Es sei für Siedlungen aus dieser Zeit die klassische Situation: Der höchste Punkt mit weitem Blick nach allen Seiten sei befestigt worden, damit man die potenzielle Gefahr bereits in weiter Entfernung ausmachen und Zuflucht suchen konnte. Die Befestigungsanlage sei oval gewesen, so Cordie.
Sie verläuft unter der Straßenkreuzung B 50/K 106. Offenbar hat sie geholfen, den Germanen standzuhalten. Denn ein anderes Fundstück, eine goldene Gewandspange, die nur vom Kaiser an ranghohe Militärs verliehen worden war, zeugt davon, dass auch nach den Germaneneinfällen in Belginum "was los gewesen sein muss", sagt Cordie.
Die Ausgrabungen im einst etwa 35 Hektar großen Siedlungsgebiet werden in den Abschnitten vorangetrieben, wo in den kommenden Jahren Straßenbauten vorgesehen sind. Dazu gehören die Umgehungsstraße um die Kreuzung B 50/B 327, die zu einem Kreisverkehr umgebaut werden soll, sowie der geplante Zubringer zur B 50 neu, die nach Fertigstellung des Hochmoselübergangs zwischen dem Archäologiepark und Wederath verlaufen soll. Gerade in dem Streifen des Zubringers seien unerwartet viele Funde ausgegraben worden, sagt Cordie. Beispielsweise habe man jede Menge an Schlacken und Eisenbarren gefunden, die zusammen mit Mauerresten darauf hindeuten, dass hier einst in einer 25 Meter langen Fabrikhalle Eisen gewonnen wurde. Zudem habe man viel Glas, Keramikteile und andere Siedlungsfunde entdeckt. Auch Reste eines dekorierten Mahlsteins aus Lavagestein, der aus der Gegend um Mayen stammt, sind gefunden worden. Dieser war offenbar zu Bruch gegangen und die Einzelstücke im Mauerwerk verwendet worden.
Neben den Archäologen sind auch zwei Mitarbeiter der Uni Trier vom Fach Bodenkunde und der fachphysischen Geografie an der Ausgrabungsstätte tätig. Sie untersuchen gemeinsam die Erde in einer zugeschütteten Zisterne.

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