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01.12.2010

Mediziner kämpfen gegen Borreliose

Zecken, die den Borreliose-Erreger übertragen, sind in der Region ein zunehmendes Problem, sagt der Morbacher Revierförster Karl-Heinz Bernardy. Ein russischer Forscher, der nun in Morbach zu Gast war, beschäftigt sich mit der Krankheit.

Morbach. (uq) "Etwa jeder zehnte Zeckenstich in unserer Region führt zur Borreliose-Erkrankung", sagt der Trierer Arbeitsmediziner Dirk Halsband. Etwa ein Drittel der Zecken tragen hier den Erreger in sich, schätzt er.
 

Krankheit oft zu spät erkannt


 

 
Ein großes Problem aus seiner Sicht: Viele Ärzte erkennen die Erkrankung zu spät. Dabei sei eine frühe Behandlung nach der Infektion der beste Weg zur Heilung.
 

 

 
Der russische Mediziner Arkadi Prokopov will Erkrankten nun helfen. An Kosmonauten und Militärtauchern untersuchte er, wie sich die Reduzierung des Sauerstoffs in der Luft auf den Körper auswirkt.
 
Er fand heraus: Das Immunsystem wird angeregt, da der Mensch sich auf die Herausforderung einstellen muss. Diese Erkenntnis wandte er fortan bei der Behandlung von Borreliose-Erkrankten an. Jetzt soll diese Methode, die Intervallhypoxie-Therapie, auch im Hunsrück angewandt und weiter erforscht werden.
 
Denn Zecken sind hier nach der Einschätzung des Morbacher Revierförsters Karl-Heinz Bernardy ein zunehmendes Problem. "Die Borreliose entwickelt sich langsam zur Volksseuche", sagt er. Genaue Daten für die Region werden nach Auskunft von Manuel Follmann, Sprecher des Kreises Bernkastel-Wittlich, nicht erfasst: "Die Borreliose ist nicht meldepflichtig, und die Behandlung findet bei den niedergelassenen Ärzten oder in den Krankenhäusern statt."
 

Viele Vitamine, wenige Kohlenhydrate


 

 
Auf Einladung des Morbacher Mediziners Bernd Seitz kam Prokopov in die Einheitsgemeinde, um dort sein Vorgehen vorzustellen. "Viele meiner Patienten haben mit der Krankheit zu kämpfen", erklärt Seitz seine Motivation. Er will das Verfahren von jetzt an anwenden.
 
Das Prozedere ist eine Mischung aus sauerstoffarmem Training, Vitaminprogramm, einer kohlenhydratarmen Diät und Fasten. Das simulierte Höhentraining helfe, da die Erreger eine sauerstoffarme Umgebung mögen und sich während der Behandlung aus ihren Verstecken, zum Beispiel im Knorpel, herauswagen und dann bei einer normalen Sauerstoffzufuhr getötet werden. Die Zahl der Borreliose-Erkankten nehme in Europa wegen der Klimaerwärmung drastisch zu.
 

Unterschiedliche Symptome


 

 
Halsband ist kritisch: Oft wisse man nicht, welche Symptome mit der Borreliose zusammenhängen; außerdem sei das Krankheitsbild sehr uneinheitlich. In Fachkliniken werde den Menschen am besten geholfen.

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