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Schienen-Projekt kommt nicht ins Rollen

Zwei Anträge befassten sich in der jüngsten Verbandsgemeinderats-Sitzung Thalfang am Erbeskopf mit dem Thema Hunsrückbahn. Keiner von beiden wurde verabschiedet. Allerdings wurde rege diskutiert.

25.09.2008
Von unserer Redakteurin Ilse Rosenschild Von Ilse Rosenschild
Thalfang. Die SPD hatte bereits im Vorfeld der Ratssitzung in Thalfang eine "belastbare Kostenrechnung" gefordert und vor finanziellen Abenteuern gewarnt (der TV berichtete). Das kürzlich vorgestellte Gutachten über die Kosten einer Reaktivierung, erläuterte Fraktionssprecherin Bettina Brück, lasse zu viele Fragen unbeantwortet. Sie warnte zudem davor, dass trotz Förderung hohe Eigenleistungen auf die Kommunen zukommen.
 

Schienenverbindung sichern für die Infrastruktur


 
Das gelte auch für die Ortsgemeinden, die beispielsweise für die Bahnübergänge zuständig seien. Brück wollte wissen, was der Ankauf der Strecke, das Freischneiden der Gleise sowie eine Kontrollfahrt zur Klärung des technischen Zustands kosten, genau aufgeschlüsselt auf die beiden Streckenabschnitte Büchen beu ren-Morbach und Morbach-Hermeskeil. Dennoch sei man für den Erhalt der Bahntrasse.
 
Der Antrag der FWG ging in eine völlig andere Richtung. Die Freien Wähler plädierten dafür, den Erhalt der Trasse der Hunsrückbahn "planungsrechtlich zu sichern".
 
Zu diesem Zweck sollen 1000 Euro in den Haushalt eingestellt werden. Zudem solle die Verbandsgemeinde (VG) ein regionales Verkehrskonzept unter Einbindung der Knotenpunkte Türkismühle und Trier erstellen und sich dabei vom Trierer Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim von der Universität Trier beraten lassen.
 
Man sei für die Bahnstrecke, erklärte Hubert Schu. Aber die Zeit dränge nicht. "Wir haben die Planungshoheit."
 
Das sah man bei der CDU-Fraktion anders. Auch dort will man die Schienenverbindungen als Infrastruktur-Maßnahme sichern und sich die Zeit für eine genaue Prüfung der Strecke unter kaufmännischen Gesichtspunkten nehmen. Allerdings steht nach wie vor die Frist für den Ankauf der Bahnstrecke bis 30. September im Raum.
 
"Ob Eile geboten ist, wird sich noch herausstellen", betonte Fraktionssprecher Gereon Haumann. Morbachs Bürgermeister Gregor Eibes, der mit den Verhandlungen betraut sei, führe entsprechende Gespräche.
 

CDU empfihelt Ankauf und Prüfung


 

 
Deshalb empfehle die CDU, zunächst die Strecke anzukaufen und dann Risiken und Chancen der Reaktivierung genauer zu prüfen. Auch Rudi Marx (FDP) tut sich schwer, derartig "kostenträchtige Entscheidungen" zu fällen. Er riet, Verhandlungen mit dem Interessenten aufzunehmen, der ein schlüssiges Betreiberkonzept vorlegen solle.
 
Die konkreten Fragen der SPD-Sprecherin konnte VG-Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo noch in der Sitzung beantworten (siehe Extra). Die Zahlen gingen aus dem Anhang der Expertise hervor, die man den Fraktionen nicht mitgeliefert habe.
 
"Ich muss mich schon sehr wundern, dass uns wesentliche Teile des Gutachtens vorenthalten werden", empörte sich Brück. Die SPD behalte sich weitere Anfragen vor. Ein Beschluss wurde nicht gefasst.
 
Meinung
 
Zweigleisig fahren
 
Drei Millionen Euro, das ist auch abzüglich der möglichen Landesförderung keine Summe, die die betroffenen Gebietskörperschaften aus der Portokasse bezahlen können. Schließlich muss auch jede Anrainerkommune auf den Zug aufspringen. Da es ist nur verständlich, dass das Projekt gründlich auf Herz und Nieren geprüft wird. Dabei darf allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass auf Zeit gespielt wird. Die Kosten für den Ankauf, die die SPD-Fraktion unter anderem in einem Antrag erfragt hatte, liegen seit Monaten auf dem Tisch. Anders sieht es tatsächlich bei der Schienen-Sicherung aus. Das finanzielle Risiko ist überschaubar. Und wie lange die Bahn bereit ist, auf eine Entscheidung der Kommunen entlang der Bahnlinie zu warten, bleibt abzuwarten. Entsprechende Gespräche werden geführt. Eines dürfte klar sein: Wird die Bahnstrecke nicht in absehbarer Zeit gekauft, sind die Gleise womöglich in kürzester Zeit abgebaut. Insofern ist zweigleisiges Fahren sinnvoll. i.rosenschild@volksfreund.de Extra Kosten im Detail: Ingesamt gehen Gutachter davon aus, dass die Reaktivierung der Gesamtstrecke inklusive Ankauf, Inbetriebnahme und Investivkosten in den ersten zehn Jahren mehr als drei Millionen Euro kosten wird. Der Ankauf der Strecke Büchenbeuren-Morbach wird laut VG-Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo auf 158 000 Euro veranschlagt sowie für Morbach-Hermeskeil 450 000 Euro. Für das Freischneiden der Strecke nehmen die Gutachter laut Dellwo 72 686 beziehungsweise 112 616 Euro an, während die Kosten für die Kontrollfahrt mit einem Messwagen mit 8585 Euro beziehungsweise 13 714 Euro zu Buche schlagen. (iro)

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