region/hunsrueck

Abstimmung: Bürgerentscheid zum Bestattungswald - Die Argumente der Gegner und Befürworter

Bürgerentscheid zum Bestattungswald - Die Argumente der Gegner und Befürworter

(Morbach) Zwar hat der Gemeinderat von Morbach einen Beschluss gegen einen Bestattungswald gefasst, aber eine Gruppe von Morbacher Bürgern ist anderer Meinung. Sie hat einen Bürgerentscheid erwirkt. Am Sonntag, 15. März, können die Bürger nun abstimmen.

12.03.2015
Hans-Peter Linz und Christoph Strouvelle
Morbach. "Soll die verbandsfreie Gemeinde Morbach in einem geeigneten kommunalen Waldgebiet einen Bestattungswald errichten und in kommunaler Trägerschaft betreiben?" So lautet die Frage des Bürgerentscheids in Morbach. Am Sonntag, 15. März, können Bürger in den Wahlbüros von 8 bis 18 Uhr darüber abstimmen.
Wenn sich mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten beteiligen und die Mehrheit mit "ja" stimmt, dann muss das Verfahren der Einrichtung eines Bestattungswaldes auf den Weg gebracht werden, obwohl der Gemeinderat ihn im Vorfeld abgelehnt hat. Den Bürgerentscheid hat die Initiative pro Bestattungswald nach einem Bürgerbegehren erwirkt.
Im Vorfeld wurde das Thema heftig diskutiert. Bürgermeister Andreas Hackethal hat alle Ortsbeiräte besucht, um über das Thema zu sprechen. Zwei Mal gab es eine Sonderbeilage im Amtsblatt, der Morbacher Rundschau, in der auf farbigen Seiten die Verwaltung ihre Auffassung begründete, dass es kein dringendes öffentliches Bedürfnis für einen Bestattungswald in der Gemeinde Morbach gebe.
Die Initiative Pro Bestattungswald wiederum macht sich für eine solche Anlage stark und informiert mit Flugblättern und im Internet darüber. Rainer Stablo (Die Linke), Mitglied im Gemeinderat und Mitglied im Kreistag, sowie die Hinzerather Bruni Kluss und Rüdiger Luckow sind ihre Vertreter.

Die Standpunkte


Für den Bestattungswald
Rainer Stablo
erläutert im Gespräch mit dem TV folgende Argumente für den Bestattungswald:
Viele Menschen, die sich für eine Urnenbeisetzung im Bestattungswald entschließen, berichten, dass es etwas Tröstliches an sich habe. Zu Lebzeiten könne man sich in Ruhe eine Grabstelle an einem Baum aussuchen. Das empfinde man als sehr beruhigend. Mitmenschen in Morbach müssen nicht mehr auf weit entfernte Angebote ausweichen.
Erfahrungsgemäß ist die außerörtliche Lage völlig unproblematisch und selbst barrierefreie Infrastrukturen sind heutzutage realisierbar. Christliche Kirchen führen Waldbestattungen durch. Deshalb können vertraute Zeremonien beibehalten werden.
Es besteht keine Gefahr der Schließung bestehender Friedhöfe. Viele Anfragen würden bestätigen, dass auch in der näheren Region das Interesse groß ist und die Gemeinde daher mit einem Bestattungswald von acht Hektar planen kann. Bei rein forstlicher Nutzung könnte auf dieser Fläche ein Überschuss von 250 bis 500 Euro pro Jahr erlöst werden. Demgegenüber wäre bei der Nutzung als Bestattungswald ein Überschuss von 8.000 Euro pro Jahr zu erwarten. Die Investitionskosten lägen bei der Hälfte der Schätzung des Bürgermeisters und würden innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre zurückfließen. Laufende Kosten könnten allein durch die Gebühreneinnahmen aus den Waldbestattungen gedeckt werden. Durch die Einnahmen aus dem Bestattungswald könnte einer Gebührenerhöhung für die defizitären traditionellen Friedhöfe entgegengewirkt werden.

Gegen den Bestattungswald
Bürgermeister Andreas Hackethal führt folgende Punkte an, die gegen einen Bestattungswald sprechen: In der Einheitsgemeinde Morbach gibt es in 19 Ortschaften bereits 17 Friedhöfe. Sie verfügt damit über eine außergewöhnlich hohe Dichte an Begräbnisstellen. Es handelt sich dabei um die höchste Friedhofsdichte in der Bundesrepublik Deutschland. Das bestehendeKonzept soll fortgeschrieben werden, und es sollen zusätzliche "naturnahe" Bestattungsformen angeboten werden, beispielsweise Baumgrabfelder auf den bestehenden Friedhöfen und eine Weiterentwicklung der Rasengräber. Sieben Bestattungswälder gibt es in der Region bereits (Birkenfeld, Niederhosenbach, Mastershausen, Losheim, Braubach-Dachsenhausen, Jünkerath und Kaiserslautern). Zusätzlich entsteht in diesem Jahr ein weiterer in Konz. Aufgrund der ausreichenden Angebote in der Umgebung besteht kein dringendes öffentliches Bedürfnis für einen weiteren Bestattungswald. Der Verwaltung sind bisher 17 Personen aus der Einheitsgemeinde Morbach bekannt, die seit dem Jahr 2007 in einem solchen beerdigt worden sind, also jährlich im Durchschnitt weniger als zwei.
Die Gemeinde wird durch einen Bestattungswald betriebswirtschaftlich belastet.
Ein Bestattungswald ist durch seine dezentrale Lage schlecht erreichbar. Sollte ein zusätzlicher Bestattungswald eingerichtet werden, besteht die Gefahr der Schließung von bestehenden Friedhöfen. Aufgrund des anzunehmenden Rückgangs werden die Friedhofsgebühren deutlich erhöht werden müssen.
Extra
Die geschätzten Kosten zur Einrichtung eines Bestattungswaldes setzen sich laut Verwaltung wie folgt zusammen: Planungskosten gesamt: 42 000 Euro setzen sich zusammen aus: Änderung des Flächennutzungsplans plus Umweltbericht: 10 000 Euro Landschaftsplanerische Kosten: 15 000 Euro Landespflegerischer Begleitplan: 7000 Euro Digitaler Flächen- und Belegungsplan: 10 000 Euro Flächenbereitstellung: 18 000 Euro Infrastrukturkosten: 82 600 Euro setzen sich wie folgt zusammen: Erschließung und Parkplätze: 35 800 Euro Information und Wegweiser: 10 800 Euro Andachtsplatz: 8200 Euro Einfriedung und Fußwege: 9300 Euro Einrichtung von Toiletten, Ruhebänke, Abfallkörbe etc.: 18 500 Euro. Betriebskosten pro Jahr: 50 000 Euro Pacht, Verkehrssicherheitskontrollen und Unterhaltskosten: 10 000 Euro, Personalkosten: 40 000 Euro (Bauhof, Forstbetrieb, Honorarkräfte, Verwaltung) hpl

 

Empfehlungen

Kommentare