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Bald rattert wieder das Gatter in Weiperath

Im Hunsrücker Holzmuseum kommt 89 Jahre alte Schneidemaschine zu neuen Ehren

(Weiperath) Am dritten Augustwochenende können Besucher des Hunsrücker Holzmuseums sich ein Bild davon machen, wie früher Bretter und Balken gesägt wurden. Ehrenamtliche haben ein historisches Schneidgatter, ein Stämme waagerecht zersägendes Horizontalgatter, aufgebaut und damit eine Gründungsidee realisiert.

14.08.2011
Ursula Schmieder
Weiperath. In monatelanger Fleißarbeit haben Ehrenamtliche im Hunsrücker Holzmuseum ein altes Schneidgatter, eine maschinelle Holzsäge, aufgebaut. Solche Horizontal- oder Vertikalgatter waren bis vor wenigen Jahrzehnten in Sägewerken im Einsatz. In einen Rahmen fest eingespannte Sägeblätter, die sich rasch horizontal oder vertikal hin und her bewegten, sägten Baumstämme zu Brettern oder Bohlen. Beim funktionsfähigen Wiederaufbau - komplett in Eigenleistung - musste in Weiperath daher nicht nur die Sägevorrichtung montiert werden. Die Helfer - darunter Elektriker und ein Sägewerksschlosser - bauten auch eine Art Fließband oder Schlitten, der Stamm und Bretter transportierten.
Die bewährte Sägetechnik wird im Rahmen eines Gatter-Festes am dritten Augustwochenende (siehe Extra) vorgestellt. Das historische Gatter stammt laut Museumsleiter Michael Pinter aus der ehemaligen Schneidmühle Holz in Bergweiler bei Tholey. Die Brüder Johann und Peter Holz hatten die Sägemühle 1921 gegründet und die Horizontalgattersäge der Oldenburger Firma Mayer installiert. 1982 war sie einer modernen Säge gewichen und wurde für einen etwaigen Wiederaufbau zerlegt zwischengelagert. Enkel Thomas Holz stellte das Gatter nun dem Museum zur Verfügung. Und zwar, so Pinter, für den "doppelten Schrottpreis" von etwa 1500 Euro einschließlich aller Nebenkosten wie Aufbau, Transport und Aufbauberatung. Der ursprünglich geplante Aufbau eines Horizontalgatters aus Bischofsdhron (der TV berichtete) war laut Pinter nicht realisierbar.
Mit dem Gatter-Fest, einer der jährlichen Sonderveranstaltungen des Museums, erfüllt sich für den Museumschef ein langgehegter Wunsch. Denn ursprünglich hatte schon im eigentlichen Museumsgebäude, das vor rund elf Jahren öffnete, ein Gatter seinen Dienst aufnehmen sollen. "Das hat sich aber als nicht machbar herausgestellt", erklärt Pinter. Die Pläne für den Bau eines Gattergebäudes hinter dem Holzmuseum sind seit Mitte 2010 realisiert. Mit dem Bau des größtenteils in Eigenleistung errichteten Holzhauses war eine entscheidende Hürde genommen. Im Herbst begannen die Vorbereitungen für den Aufbau des Gatters. Samstag, 20. August, 14 bis 18 Uhr: Vorführungen Schneidgatter, Brennholzaufbereitung, Vorführung eines Holzspannungssimulators, mit dem die Schnitttechnik von unter Spannung stehendem Holz trainiert werden kann. Sonntag, 21. August, 10 bis 18 Uhr: Vorführungen Schneidgatter, historisches Holzhandwerk, Ausstellung und Verkauf Baumschulware und Baum des Jahres. 11.30 Uhr Jagdhornbläser, 14 Uhr Wald-Holz-Spiele für Kinder. An beiden Tagen: Hobby-Maler-Ausstellung "Bäume und Waldlandschaften"; Team Wildfreigehege Kempfeld; neue Sonderausstellung "Hinterlassenschaften - Was von Menschen und Zeiten bleibt". Gaststätte und Gatter-Kneipe sind geöffnet. Die nächste Holzmesse findet im Juni 2013 statt. urs