region/hunsrueck

Bestattungswald: Alternativen gesucht

Trotz Schlappe beim Bürgerentscheid: Befürworter wollen nicht aufgeben und planen weiteres Treffen

(Morbach) Eine überwiegende Mehrheit der Morbacher ist gegen die Einrichtung eines Bestattungswaldes. Das Votum folgt damit den Beschlüssen des Gemeinderats. Die Befürworter wollen aber nicht aufgeben.

16.03.2015
Hans-Peter Linz
Morbach. Auch wenn der Bürgerentscheid am Sonntag ein klares Votum gegen die Einführung eines Bestattungswaldes in Morbach ausgesprochen hat: Die Gruppe der Befürworter um Rüdiger Luckow, Bruni Kluß und Rainer Stablo will noch lange nicht aufgeben. Am Sonntag hatten 2929 Bürger (77,2 Prozent) gegen diese Einrichtung gestimmt. Nur 866 Morbacher (22,8 Prozent) befürworten das Projekt. Bruni Kluß sagt am "Morgen danach": "Wir wollen die Leute, die dafür gestimmt haben, auf keinen Fall im Regen stehen lassen. Für uns ist das Thema noch nicht abgehakt. Wir treffen uns nochmals, voraussichtlich am 9. April. Dann wollen wir über mögliche Alternativen sprechen." Kluß ist trotz des Ergebnisses mit dem Verfahren zufrieden: "Wir respektieren das Votum der Morbacher. Die Demokratie hat gewonnen, denn sie hat uns ein solches Bürgervotum ermöglicht. Wir sind froh, dass das Thema überhaupt ins Rollen gekommen ist." Ob auch die Alternative, auf einem bereits bestehenden Friedhof eine Urnenbeisetzung zu machen, infrage komme? "Wir sind für alle Möglichkeiten offen und versuchen Alternativen zu finden. Primär wollen wir natürlich nach wie vor einen Bestattungswald. Wir werden die 800 Stimmen nicht ignorieren, die für einen Bestattungswald gestimmt haben", sagt Bruni Kluß.
"Wir gucken jetzt nach vorne und werden Alternativen suchen, um dem Bedürfnis derjenigen Rechnung zu tragen, die einen Bestattungswald wollen", sagt Rainer Stablo, der Mitglied des Morbacher Gemeinderates ist.
Dass Urnen auf christlichen Friedhöfen beigesetzt werden, ist inzwischen schon lange Praxis, wie der katholische Pfarrer Michael Jakob aus Morbach dem TV gegenüber bestätigt: "Etwa 70 Prozent der Beerdigungen sind Urnenbestattungen. In den letzten Jahren wurde dieser Wunsch oft geäußert. Von daher ist das für uns Priester gängige Praxis, obwohl wir Sargbestattungen bevorzugen", sagt Jakob. Der katholische Priester weist in der Diskussion um einen Bestattungswald auch darauf hin, dass der Ort, an dem man das Grab eines Verstorbenen aufsuchen kann, das Entscheidende ist. "Das gab es schon in vorchristlichen Zeiten und damit haben wir seit 2000 Jahren zu tun. Viele Menschen brauchen einen Ort der Trauer. Ein Bestattungswald ist immer außerhalb und nicht so leicht zu erreichen. Aber für viele Angehörige ist der Besuch am Grab ganz wichtig für die Trauerarbeit. Die Grabpflege ist schließlich auch ein Zeichen der Wertschätzung des Verstorbenen."
Jakobs evangelischer Kollege Florian Brödner war am Montag für den TV nicht zu erreichen. Er hatte sich in der vorangegangenen Berichterstattung (TV vom 13. März) einem Bestattungswald gegenüber grundsätzlich positiv ausgesprochen. Eine solche Einrichtung sei insbesondere für Menschen mit einem engen Bezug zur Natur etwas Schönes, sagte er.
Der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal sieht sich bestätigt: "Einem Bestattungswald in kommunaler Trägerschaft wurde eine Absage erteilt - durch die Bevölkerung. Diese Auffassung entsprach der des Gemeinderates 1:1. Das war ein eindeutiges Votum, das wir auch zu befolgen haben."
Meinung
Die Nähe zählt

Dass manche Menschen für sich oder auch für ihre Angehörigen einen Bestattungswald als letzte Ruhestätte wünschen, ist absolut legitim. In einer offenen, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft müssen alle Formen des Trauerns und des Bestattens grundsätzlich möglich sein. Aber - und das zeigt der Morbacher Bürgerentscheid - die Befürworter eines Bestattungswaldes sind in der Minderheit. Das liegt vielleicht auch daran, dass viele Menschen ihren Verstorbenen in der Zeit des Abschiednehmens auch räumlich noch nah sein wollen. Diese Menschen brauchen Zeit, um zu trauern - und auch eine passende Umgebung, um zu trauern. Diese Umgebung bietet nun einmal der klassische Gemeindefriedhof. Er ist in der Regel leicht erreichbar, so dass die Hinterbliebenen die Trauerarbeit, den Gang zum Grab, einfacher in ihren Alltag integrieren können. Sie können so an einem ruhigen Platz innehalten und der Verstorbenen gedenken. Die Trauer kann nach und nach verarbeitet werden. Das ist bei einem weiter entfernten Bestattungswald nicht so leicht zu realisieren. hp.linz@volksfreund.de

 

 

Empfehlungen

Kommentare