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Ein Stein, ein Mensch

Der Künstler Gunter Demnig hat gestern in Bernkastel-Kues vor vier ehemaligen jüdischen Wohnhäusern 17 Gedenksteine - "Stolpersteine" - verlegt. Sie tragen Namen und Lebensdaten von Opfern des Holocaust. Der Stadtrat hatte im März der Verlegung von "Stolpersteinen" zugestimmt. Mitinitiiert hat die Aktion das Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage Bernkastel-Wittlich.

29.10.2008
Bernkastel-Kues. (sim) Sitta Lewin, geborene Friedmann, war 39 Jahre alt, als sie im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet wurde. Bis 1940 lebte sie mit Eltern und Geschwistern im Haus Burgstraße 7 in Bernkastel. Ihre Eltern, Hugo und Eva Friedmann, wurden im KZ Lodz ermordet. Ihr Bruder Fritz flüchtete nach Belgien, versteckte sich dort und überlebte. Bruno, ein weiterer Bruder, und Schwester Johanna flüchteten bereits 1936 nach Südafrika.
 
An das Schicksal dieser und elf weiterer jüdischer Bürger der Stadt erinnern seit gestern "Stolpersteine". Sie sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Die "Stolpersteine" sind Betonsteine, auf deren Oberseite eine beschriftete Messingplatte angebracht ist. Auf jedem Stein steht "Hier wohnte…" Es folgen die Lebensdaten der Opfer.
 

Finanziert von Vereinen, Schulklassen und Parteien


 

 
Bernkastel-Kues ist in Deutschland die 372. Kommune, in der Demnig "Stolpersteine" verlegt hat. In Bernkastel-Kues setzte Demnig gestern weitere zwei Steine vor das Haus an der Graacherstraße 22, wo das Ehepaar Doeblin wohnte: fünf Steine vor der Schanzstraße 9 für die Familien Kahn und Schömann und vier Stolpersteine für die Familie Baum an der Kardinalstraße 63 in Kues.
 
Der Verlegung der Stolpersteine wohnte auch Renate Khoschlessan vom Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage Bernkastel-Wittlich bei. Der Verein hatte sich für diese Form der Erinnerung stark gemacht.
 
Ein Stolperstein kostet 95 Euro, finanziert werden sie von Vereinen, Parteien und Schulklassen aus Bernkastel-Kues. Die Patenschaft für den Gedenkstein von Renate Jahn hat die vierte Klasse der Cusanus-Grundschule übernommen. Renate Kahn war acht Jahre alt, als sie mit ihrer Familie 1941 ins Ghetto Lodz deportiert wurde. Die Nazi-Schergen ermordeten das Mädchen und ihre Mutter am 15. Januar 1943. Am Sonntag, 9. November, dem 70. Jahrestag der Nazi-Pogrome, werden die Erinnerungssteine enthüllt.