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Mehr Windkraft im Hunsrück

(Thalfang) Die Firma Abo Wind baut sechs neue Anlagen in der Verbandsgemeinde Thalfang. Dabei leisten die betroffenen Gemeinden Pionierarbeit.

18.10.2017
Hans-Peter Linz
Thalfang Während Windparks an anderen Orten, wie etwa in Morbach oder am Ranzenkopf, nach wie vor kontrovers diskutiert werden (der TV berichtete mehrfach), haben die Gremien in den Orten Büdlich, Breit, Schönberg, Heidenburg und Berglicht den Bau von zwei neuen Windparks durchwinken können. Und seit wenigen Tagen stehen die neuen Rotoren auch schon vor Ort. Nach Angaben der Firma Abo Wind produzieren die sechs neuen Windkraftanlagen Strom für 13 000 Haushalte. Mit der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf im Hunsrück arbeitet der Projektentwickler Abo Wind bereits seit Langem zusammen: Fast ein Viertel ihrer aktuell 131 rheinland-pfälzischen Windkraftanlagen stehen in der Verbandsgemeinde. Zwei neue Windparks hat das Unternehmen in den vergangenen Wochen ans Netz gebracht.
Der interkommunale Windpark der Gemeinden Breit, Büdlich, Schönberg und Heidenburg besteht aus vier Anlagen des Typs Vestas V112 mit einer Nabenhöhe von 140 Metern und einer Nennleistung von je 3,3 Megawatt. Hinzu kam kurz darauf der Windpark Berger Wacken in der Ortsgemeinde Berglicht - zwei Nordex N117-Anlagen mit einer Nabenhöhe von 141 Metern und je 2,4 Megawatt Nennleistung. Zusammen produzieren die sechs Anlagen rund 44 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom pro Jahr. Nach Berechnungen von Abo Wind bleiben der Umwelt damit rund 33 000 Tonnen Kohlendioxid erspart.
Im Jahr 2002 weihten Abo Wind und die Bürgermeister der vier beteiligten Ortsgemeinden mit dem interkommunalen Windpark Berglicht das erste gemeinsame Projekt ein. "Die Gemeinden leisteten damit echte Pionierarbeit in Rheinland-Pfalz", erinnert sich Abo Wind-Geschäftsleiterin Urta Steinhäuser. Die Arbeit mit den Ortsgemeinden, der Verbandsgemeinde, der Kreisverwaltung und dem Forst sei sehr vertrauensvoll und funktioniere seit 17 Jahren "hervorragend". Abo Wind hatte sich daher im Jahr 2012 entschieden, dort auch den Lehrpfad Hunsrücker Windweg rund um die Windparks Berglicht und Heidenburg zu errichten. Zwei Jahre später integrierte die Verbandsgemeinde ihn in die neue Traumschleife "Wind, Wasser und Wacken". Zusätzlich fördert das Unternehmen nach eigenen Angaben mit einem jährlichen Beitrag die Aktivitäten des Hunsrückhauses auf dem Erbeskopf und unterstützt zahlreiche Sport- und Musikvereine in der Verbandsgemeinde. Lena Fritsche von der Presse-Abteilung von Abo-Wind ergänzt: "Auch die Ortsgemeinden ohne eigenen Windpark profitieren von der Windenergie: Dank eines Solidarpaktes kommt ein Teil der Einnahmen aus den Windkraftanlagen allen 21 Ortsgemeinden zugute, egal auf welcher Gemarkung die Anlagen stehen."
Gerhard Oberweis, Ortsbürgermeister in Berglicht, pflichtet dem bei: "In unserem Bereich ist es so, dass die Bürgerschaft sieht, was man durch Windkrafteinnahmen alles erreichen kann, wie zum Beispiel die Umwandlung des Sportplatzes in einen Rasenplatz oder den Bau des Dorfgemeinschaftshauses. Das wissen die Leute auch zu schätzen. Der Schattenwurf und die Emissionen sind bei uns relativ gering gehalten. Es gibt natürlich ein paar Leute, die sagen, sie hören die Anlagen. Aber im Großen und Ganzen lief das sehr einvernehmlich, was auch am Partner liegt, der den Bau sehr passend abgestimmt hat." Für Oberweis stellen die Pachteinnahmen von Windkraftanlagen eine wichtige Geldquelle für die Gemeinde dar. "Wir hätten sonst heute keine Einnahmen in den Ortsgemeinden. Durch die Windkraft haben wir um die 90 000 Euro im Jahr, wovon jetzt 25 Prozent in den Solidarpakt gehen. Das war für mich immer ein wichtiger Punkt. Seit 1997 beschäftigen wir uns mit Windkraft im Gemeinderat und arbeiten lange mit AboWind zusammen." Er verweist auch auf die regionale Wertschöpfung, denn beim Bau der beiden Windkparks seien auch heimische Firmen beauftragt worden.
Das sieht Horaths Bürgermeister Egon Adams ähnlich. Dort hat AboWind im Sommer dieses Jahres die Windparks Horath und Merschbach in Betrieb nehmen können. "Die Einnahmen aus der Windenergie sind für unseren Gemeindehaushalt sehr wichtig", sagt Horaths Bürgermeister Egon Adams.