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Morbacher Verwaltung empfiehlt: Bestattungswald ablehnen

Morbacher Rat entscheidet am Montag - Wirtschaftlichkeit ist ein zentraler Streitpunkt

(Morbach) Die Morbacher Verwaltung schlägt den Mitgliedern des Gemeinderates vor, in der kommenden Sitzung am Montag einen Bestattungswald in kommunaler Trägerschaft abzulehnen. Folgen die Ratsmitglieder dieser Empfehlung, entscheiden die Bürger an der Urne über einen zusätzlichen Waldfriedhof in der Einheitsgemeinde. Dossier zum Thema: Topthemen

23.01.2015
Christoph Strouvelle
Morbach. Soll ein Bestattungswald in kommunaler Trägerschaft in der Einheitsgemeinde Morbach eingerichtet werden? Im vergangenen Jahr hat das Thema bei vielen Bürgern für Diskussionen gesorgt. Am Montag, 26. Januar, 18.30 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses beschäftigt sich der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung mit einem entsprechenden Bürgerbegehren, das 1264 Einwohner im vergangenen Jahr unterschrieben haben.
In der umfangreichen Sitzungsvorlage hat die Verwaltung zahlreiche Aspekte rund um die Morbacher Friedhöfe und einen möglichen zusätzlichen Bestattungswaldes zusammengestellt. Das Resümee: "Die Risiken der Errichtung eines Bestattungswaldes in der Gemeinde Morbach überwiegen die Vorteile", heißt es in der Vorlage. Deshalb empfiehlt die Verwaltung, dem Bürgerbegehren nicht stattzugeben. Wenn die Ratsmitglieder dieser Empfehlung folgen, stimmen die Morbacher am 15. März bei einem Bürgerentscheid über einen Bestattungswald in der Einheitsgemeinde ab.
Wegen der 17 bestehenden Friedhöfe gebe es keinen großenBedarf nach einer zusätzlichen Bestattungsform, heißt es in der Vorlage. Des Weiteren vertreten die Kirchen eine äußerst kritische Haltung zu Waldbegräbnisstätten. Einen breiten Raum in der Vorlage nehmen die finanziellen und wirtschaftlichen Aspekte eines Bestattungswaldes ein. Die Verwaltung schätzt die Investitionskosten an einem möglichen Standort in Haag auf 152 600 Euro sowie die Kosten für den jährlichen Unterhalt auf 50 000 Euro.
Die Verwaltung hat im Vorfeld der Sitzung sechs mögliche Standorte für einen Bestattungswald untersucht, von denen zwei die notwendigen Kriterien wie Begehbarkeit, Erreichbarkeit, Bodenverhältnisse und geeigneter Baumbestand erfüllen. Bereits jetzt liege das Defizit der 15 gemeindeeigenen Friedhöfe - zwei weitere liegen in Trägerschaft der Kirche - bei 100 000 Euro jährlich. Die Finanzierung dieses Defizits stoße an ihreGrenzen, ein kommunaler Bestattungswald wäre eine weitere betriebswirtschaftliche Belastung für die Gemeinde.
Ratsmitglied Rainer Stablo von der Partei Die Linke, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens, macht indes am Beispiel eines Bestattungswaldes im badischen Endingen eine Gegenrechnung auf: Die Stadt habe 2012 180 000 Euro in einen Bestattungswald von 22 Hektar Fläche investiert. Die Kosten seien durch den Vorabverkauf von Grabstellen bereits im ersten Jahr vollständig zurückgeflossen. Die Käufer der Grabstellen kämen in Endingen aus einem Umkreis von 60 Kilometern, sagt Stablo. Auf Morbach übertragen, könne sich das Einzugsgebiet daher bis Trier erstrecken.
Die Verwaltung rechnet indes anders. Der Bestattungswald sei vordringlich für die Einwohner Morbachs gedacht. Bei 117 Sterbefällen pro Jahr in der Einheitsgemeinde könnten 20 Prozent der Beerdigungen, also etwa 23, dort stattfinden. Doch für einen kostendeckenden Betrieb seien mindestens 100 Bestattungen notwendig.
Die Verwaltung stellt in ihrer Vorlage Bestattungsformen in Aussicht, die es in der Einheitsgemeinde bisher nicht gibt. So könnten auf den bestehenden Friedhöfen Baumgrabfelder oder andere "naturnahe" Bestattungsformen angeboten werden, bei denen auf dem Friedhofsgelände Urnenbeisetzungen im Wurzelbereich eines Baumes angeboten werden.
Extra
Der Morbacher Verwaltung sind derzeit 25 Bestattungswälder in Rheinland-Pfalz bekannt. Ein weiterer soll spätestens im Herbst in Konz eröffnet werden. Bestattungswälder gibt es beispielsweise in Niederhosenbach (21 Kilometer von Morbach entfernt), Birkenfeld (23 km), Losheim am See (55 km) oder Kaiserslautern (90 km). cst

 

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