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Streit begraben und von vorn beginnen

Bürgerinitiative Bestattungswald reagiert auf Kritik der katholischen Kirche

(Morbach) Die Bürgerinitiative, die in Morbach per Bürgerbegehren einen Bestattungswald in kommunaler Trägerschaft durchsetzen will, hat die Begründung auf den Unterschriftenlisten nach der Kritik von Pastor Michael Jakob geändert. Damit sind die bisher abgegebenen 353 Unterschriften wertlos und müssen erneut gesammelt werden.

24.03.2014
Christoph Strouvelle
Kommando zurück und noch mal von vorne, heißt es bei der Morbacher Bürgerinitiative (BI) Bestattungswald. Denn die Organisatoren haben beschlossen, die Passage, in der die katholische Kirche erwähnt wird, in der Begründung zum Bürgerbegehren zu streichen. Das hat Rainer Stablo dem Morbacher Pastor Michael Jakob schriftlich mitgeteilt. Stablo ist eine der drei Vertrauenspersonen für ein Bürgerbegehren pro Bestattungswald in der Einheitsgemeinde.
Jakob hatte interveniert, weil die BI aus seiner Sicht in ihrer ursprünglichen Begründung des Begehrens mit dem Namen der katholischen Kirche Werbung machen würde. Im neuen Pfarrbrief der Pfarreiengemeinschaft Morbach hatte der Pastor dies auch als Sprecher für die lokalen kirchlichen Gremien als "respektlos" bezeichnet (der TV berichtete).

Stablo kann die Jakobs Position zwar nicht nachvollziehen und hält diese für unbegründet, möchte aber trotzdem nachgeben. In der neuesten Fassung der Begründung, die auf jeder Unterschriftenliste aufgeführt sein muss, wurde der entsprechende Passus, in dem auch die evangelische Kirche genannt war, herausgenommen. Darin hieß es: "Katholische und Evangelische Kirche haben keine grundsätzlichen Einwände und gestehen jedem das Recht auf eine kirchliche Bestattung zu."

Für Pastor Jakob ist die Angelegenheit damit erledigt. "Ich lasse die Sache ruhen", sagt er. Die Haltung der katholischen Kirche sei es, die neue Bestattungsform nicht zu fördern. Aber: "Sollte die Gemeinde das dennoch beschließen, begleite ich dies, damit christliche Werte in einem Bestattungswald berücksichtigt werden."

Mit der neuen Begründung auf der Unterschriftenliste sind jetzt auch die bisher gesammelten 353 Unterschriften Makulatur. "Wir müssen den Versuch starten, diese Unterschriften mit der geänderten Begründung so weit wie möglich erneut zu sammeln", sagt Stablo. Er und seine Mitstreiter Bruni Kluss und Rüdiger Luckow aus Hinzerath sowie ihre Unterstützer beginnen nun ein drittes Mal damit, bis Mitte Juni die erforderliche Anzahl von 875 Unterschriften zu sammeln. Denn bereits ein erster Anlauf musste wegen unklarer Formulierungen bezüglich der Finanzierung des Bestattungswaldes beendet werden. "Wir haben viele Unterstützer, die Unterschriften gesammelt haben. Wir können nur hoffen, dass diese nochmals starten", sagt Kluss. Sie will in den nächsten Tagen in den ersten Orten zu Menschen gehen, die schon unterschrieben hatten, und diese erneut um ihre Unterstützung bitten. Kluss hatte nicht damit gerechnet, dass das Thema so stark polarisiert. "Das geht mir schon an die Nieren", sagt sie. Trotzdem seien die Initiatoren motiviert, auch, wenn sie erneut zurückgeworfen wurden. einige Blessuren abbekommen haben. Kluss berichtet von Menschen, die sie angerufen und zum Durchhalten ermuntert hätten. "Wir haben angefangen, jetzt stehen wir das auch durch."

 
Extra: Neue Begründung auf den Listen
So begründet die BI das Bürgerbegehren auf der neuen Liste:  "Soll die verbandsfreie Gemeinde Morbach in einem geeigneten kommunalen Waldgebiet einen Bestattungswald errichten und in kommunaler Trägerschaft betreiben?

Begründung:  (…) Immer mehr Menschen auch in unserer Gemeinde wünschen - wohl überlegt - die Urnenbestattung in einem Bestattungswald als würdige Form der letzten Ruhe. Mit der Errichtung eines Bestattungswaldes in der verbandsfreien Gemeinde Morbach wird auch in Morbach allen Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde die volle Handlungsfreiheit zugestanden, selbst zu entscheiden, wie und wo sie innerhalb der Gemeinde bestattet werden möchten. (…) Eine aufwendige Grabpflege, die oftmals nicht mehr gewährleistet werden kann, entfällt im Bestattungswald. In der waldreichen Gemeinde Morbach gibt es mit Sicherheit die erforderlichen geeigneten Waldflächen in kommunalem Eigentum. Kostendeckungsvorschlag: Die Investitionskosten werden in der erforderlichen Höhe über einen Kredit finanziert. Tilgung und Zinsen des Kredites sowie Folge- und Betriebskosten werden durch die Gebühreneinnahmen des kommunalen Bestattungswaldes ausgeglichen." cst