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Gefährdet ein Bestattungswald die Grundwasserqualität?

(Morbach/Hamburg) Die Diskussion um einen Bestattungswald in Morbach wird neu befeuert. Ein Experte aus Hamburg warnt vor den möglichen Folgen von Totenasche für die Umwelt. In den sterblichen Überresten könnten Giftstoffe sein. Dossier zum Thema: Topthemen

05.02.2015
Hans-Peter Linz
"Totenasche gehört nicht in den Wald, sondern auf den Friedhof", sagt der Hamburger Diplom-Ingenieur Andreas Morgenroth. Was veranlasst einen Landschaftsplaner im hohen Norden dazu, sich mit einem Hunsrücker Thema auseinander zusetzen? "Ich bin von Innungen und von Verbänden angesprochen worden", sagt Morgenroth, der bundesweit in der Friedhofslandschaftsplanung tätig ist.

Der Vorschlag, in Morbach einen Wald zur Beisetzung von Urnen mit Totenasche einzurichten, wurde vor kurzem vom Gemeinderat abgelehnt (der TV berichtete). Eine Initiative für den Bestattungswald hat einen Bürgerentscheid erwirkt. Am 15. März soll über die 152 000 Euro Investition abgestimmt werden. Der Hamburger Experte warnt vor der Freisetzung von Giftstoffen, die sich in der Totenasche ansammeln.

Er habe in mehreren Untersuchungen die Asche von Toten mit den Informationen auf den Totenscheinen verglichen. "Besonders bei Menschen, die eine Chemotherapie hinter sich hatten, wurden Giftstoffe frei, die sich im Grundwasser lösen", sagt Morgenroth. Auch die Asche von Sargbeschlägen und von der Kleidung könne den Boden übersäuern und Giftstoffe freisetzen. "Dazu zählt Chrom VI, ein wasserlöslischer und hochgiftiger Stoff", ergänzt der Ingenieur. Deshalb könne man Totenasche nicht im Wald, in dem ja auch Wasserläufe sind, beisetzen.

"Das sind an den Haaren herbeigezogene Argumente, die interessengebunden und nicht objektiv sind ", sagt Rainer Stablo (Die Linke) vom Morbacher Gemeinderat, der den Bestattungswald befürwortet. "Wenn es tatsächlich Schadstoffe gibt, frage ich mich, was erst mit Friedhöfen ist, die in einer Ortschaft liegen".