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Besitzer bauen nach Brand ihr Weingut in Konz-Niedermennig wieder auf

(Konz-Niedermennig) Ein Großbrand hat den Falkensteinerhof in Konz-Niedermennig im Dezember 2014 sehr schwer beschädigt. Fast ein Jahr danach hat das Gebäude sein damals zerstörtes Türmchen zurückbekommen. Die Eigentümer des denkmalgeschützten Weinguts sind froh, dass sie bald wieder einziehen können.

21.10.2015
Christian Kremer
Franz und Helga Irsigler beobachten gespannt, wie ein Kran die Turmspitze auf den Falkensteinerhof in Niedermennig hievt. Das Türmchen hat eine Zimmermannsfirma schon in der Werkstatt zusammengebaut und fast komplett angeliefert. Der Kran an dem denkmalgeschützten Weingut, Baujahr 1928, hebt sie problemlos in die Höhe. Zwei Zimmerleute weisen den Kranfahrer ein, damit das Türmchen genau am richtigen Punkt runterkommt. Wenige Minuten später sitzt es fest auf dem Dach.

Winzer Erich Weber, der das Weingut vor 30 Jahren zusammen mit dem Ehepaar Irsigler gekauft hat, entkorkt eine Flasche seines Haussekts. Die Gläser sind schnell gefüllt, so dass der Freundeskreis zur Feier des Tages anstoßen kann. Denn das Weingut in Niedermennig hat mit dem Türmchen seinen prägnantesten Gebäudeteil zurück. Dass es so kommen würde, war nach dem 18. Dezember 2014 nicht unbedingt zu erwarten. Denn damals hat ein Feuer nach einem Defekt in einer Stromleitung große Teile des Gutsgebäudes zerstört. Die beiden Familien mussten ihr Haus zuänchst vorerst verloren geben (der TV berichtete). Die Irsiglers und die 87-jährige Mutter von Helga Irsigler wurden bei dem Brand schwer verletzt. Während sich das Ehepaar erholte, starb die Mutter im Krankenhaus.

Der pensionierte Geschichtsprofessor Franz Irsigler hat noch Narben an den Händen, die ihn an das Feuer erinnern. Seine Gebäudehälfte wurde von den Flammen sehr schwer beschädigt, Webers Hälfte wurde durch das viele Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen. In den Arbeitsräumen des Historikers sind zudem fast 17.000 Bücher verbrannt, darunter wertvolle Einzelstücke – zum Beispiel eine bedeutende Bibel aus dem Jahr 1621.
Trotz der großen Verluste fingen die Gutsbesitzer von vorne an. Sie zogen zwar in kleine Wohnungen, aber gaben ihr Gutshaus nicht auf. Sie beauftragten Architekt Knut Brunner vom Büro Brunner und Cosacchi aus Trier mit der Sanierung des Weinguts. Die Arbeiten an dem Gebäude laufen nun seit Juli. Bis alles mit der Versicherung und der Denkmalschutzbehörde geklärt war, seien einige Monate vergangen, sagt Helga Irsigler.
Brunner geht davon aus, dass das Dach spätestens im Dezember fertig wird. Dann sind die Fenster an der Reihe und später der Innenausbau. Fertig werden soll das Gebäude im Mai 2016. Die befreundeten Familien haben den Falkensteinerhof dann zum zweiten Mal saniert. Schon 1991 hatten sie für ihre Arbeit den Landesdenkmalpreis erhalten.

Und Professor Irsigler hat auch schon längst zur wissenschaftlichen Normalität zurückgefunden. 800 Bücher seien aus dem Haus gerettet worden. Weil er in der Wohnung keinen Platz dafür habe, habe er mit der Uni Trier verhandelt und dort einen Raum sowie Regale bekommen. Inzwischen habe er vier Aufsätze veröffentlicht, drei weitere seien in der Mache. Der neueste Text dreht sich ebenfalls um ein historisches Weingut – eines der bekanntesten in der ganzen Region: „Die Privatisierung des Scharzhofes zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Eine Erfolgsstory mit Beigeschmack“ ist der Titel.