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Bundespräsident als Patenonkel: Bei dieser Konzer Familie ist immer etwas los (Video)

(Konz) Die Deviscours aus Konz sind außergewöhnlich. Die jüngste Tochter Alenia ist elf Monate alt. Sie hat nicht nur sechs Geschwister, sondern auch einen sehr berühmten Patenonkel.

11.10.2017
Christian Kremer
Acht Namen stehen auf dem Klingelschild des Einfamilienhauses in Roscheid. Doch als Claudia Deviscour die Tür öffnet, fällt vor allem eines auf: Es ist ruhig und aufgeräumt. Dabei leben Claudia (48) und Patrick (46) mit fünf gemeinsamen Kindern (elf Monate bis 17 Jahre) und einem erwachsenen Sohn (25) aus Claudias erster Ehe in Roscheid.

Vom betreuungsintensiven Kleinkind über den daddelnden Teenager bis hin zum erwachsenen, arbeitenden Sohn ist die Bandbreite der Familie groß. Eine erwachsene Tochter, Berit (22), ist kürzlich ausgezogen. „Ich habe gehofft, dass sie noch ein wenig bleibt“, sagt Claudia Deviscour im Gespräch mit dem TV. 

Die kleine Alenia (elf Monate) zieht sich gerade am Wohnzimmertisch hoch. Sie habe schon mit sieben Monaten ihre ersten Schritte gemacht, erzählt Mutter Claudia. Außergewöhnlich sei das nicht. Das Nesthäkchen fängt laut der Familienmutter sehr früh mit allem an. Alenia habe schließlich genug ältere Vorbilder. Und nun ist noch ein sehr berühmter Patenonkel dazugekommen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier persönlich. 

Weil Alenia das siebte Kind der 48-jährigen Mutter ist, hat das deutsche Staatsoberhaupt eine Ehrenpatenschaft übernommen (siehe Info). Dass Kinderreichtum gewürdigt werde, finde sie schön, sagt Claudia Deviscour. Insgesamt sehe es anders aus. Oft werde sie angefeindet. Sie habe nur so viel Nachwuchs wegen des Kindergelds. In ihrer alten Nachbarschaft hätten sich öfter auch Nachbarn beschwert, weil sie die Kinder zu laut fanden. Dabei seien die morgens und abends ziemlich leise. Nur nachmittags – oft brächten sie dann auch noch Besuch mit – gehe es zum Teil hoch her. 

Obwohl so viele Kinder in dem Haus wohnen, bestätigen sich die Klischees über kinderreiche Familien nicht: kein Geschrei, kein Chaos im Haus. Im Gegenteil: Alles läuft gesittet ab. Auf dem Tisch steht eine Ofenform mit Nudelauflauf.

Während Fiona (17) und Jana (10) noch essen, läuft Anjeza zur Couch in dem gemütlich eingerichteten Wohn-Ess-Bereich. Als sie nach ihrem Alter gefragt wird, sagt sie trotzig: „Schau auf die Krone!“ Die blaue Pappkrone mit einer großen Fünf darauf hat ihr ein Erzieher im Kindergarten gebastelt. 

Jill (13) ist noch draußen unterwegs – mit dem Skateboard oder dem BMX-Rad. Zur Schule muss er wegen der Herbsferien nicht. Seinen Teller mit Nudeln macht er selbst. Auch Fabian (25), Claudias Sohn aus erster Ehe, kommt erst später von der Arbeit nach Hause. Und er fühlt sich trotz des ganzen Trubels wohl in seinem Elternhaus. Er stemmt seine kleinste Halbschwester, Alenia, in die Höhe und lacht.

An die vielen Geschwister gewöhne man sich schnell, erzählt er. Ans Ausziehen denke er noch nicht. „Im Sommer waren die anderen im Urlaub. Ich war alleine. Da habe ich sie schon vermisst.“ Ob er auch mal so eine große Familie gründen wolle, wisse er aber noch nicht, sagt Fabian.

Teenagerin Fiona (17) erklärt hingegen schon jetzt ganz bestimmt: „Ich will gar keine Kinder.“ Mutter Claudia lacht ungläubig auf, als sie das hört. Sie habe schon immer viele Kinder gewollt, erzählt sie.  Eine Belastung sei der Trubel nicht. Viel organisieren muss Claudia Deviscour trotzdem – zum Beispiel den monatlichen Großeinkauf für Grundnahrungsmittel wie Nudeln oder Reis. Ihre Jüngste komme dann mit, die anderen passten zum Teil gegenseitig aufeinander auf. Sie helfen auch im Haushalt mit. Insgesamt müssen sie früh eine gewisse Selbstständigkeit erwerben. Fürs Verhätscheln ist keine Zeit. 
 
Das Geldverdienen übernimmt Familienvater Patrick. Er ist Elektriker und arbeitet in Luxemburg. Dadurch hat die Familie einen höheren Kindergeldanspruch als in Deutschland (siehe Info). Wegen des guten Jobs ihres Mannes kann sich die Mutter voll auf die Familie konzentrieren, Karriere wolle sie nicht machen, sagt sie. Anders geht es aus ihrer Sicht nicht. 

Im Gespräch über den Alltag widerlegt sie etliche Klischees – zum Beispiel, dass sie den ganzen Tag waschen müsse. „Meine Kinder sind sauber“, witzelt die Mutter. Anjeza ruft: „Ich aber nicht.“ Ihre Mutter erklärt dann, dass die Waschmaschine nur häufiger laufe, wenn die Bettwäsche getauscht werde oder die Kinder krank seien. Ansonsten liefen vier Maschinen pro Woche. Oft reiche es, Kleider zu lüften.

Die Kinder seien „ihr größtes Hobby“, sagt die siebenfache Mutter: „Zeit für mich habe ich, wenn die Kinder schlafen.“ Dabei sieht sie glücklich aus. 
 

Bundespräsident als Patenonkel

Der Bundespräsident übernimmt auf Antrag der Eltern die Ehrenpatenschaft für das siebte Kind einer Familie. Die Ehrenpatenschaft hat in erster Linie symbolischen Charakter. Der Bundespräsident bringt damit die Verpflichtung des Staates für kinderreiche Familien zum Ausdruck. „Die Ehrenpatenschaft soll mit dazu beitragen, das Sozialprestige kinderreicher Familien zu stärken“, heißt es auf der Internetseite des Bundespräsidialamtes.

Die Anträge auf Übernahme der Ehrenpatenschaft werden bei der Gemeinde- oder Stadtverwaltung gestellt und von dort ans Bundespräsidialamt weitergeleitet. Der Bundespräsident prüft die Anträge und stellt dann eine Urkunde aus. Zusätzlich gibt es ein Patengeschenk (zurzeit 500 Euro vom Bundespräsidenten und 100 Euro aus Konz). Beides händigt ein Repräsentant der Gemeinde den Eltern aus – im Fall der Familie aus Konz Bürgermeister Karl-Heinz Frieden. 

Seit 1949 wurden laut Präsidialamt  rund 80.000 Ehrenpatenschaften übernommen. 2016 waren es 500 (2015: 550, 2014: 600, 2013: 600, 2012: 460). In Konz hat der Bundespräsident zuletzt 2014 bei der Geburt von Vierlingen die Ehrenpatenschaft übernommen. 


Kindergeld in Luxemburg

Wer in Luxemburg arbeitet und Kinder hat, hat Anspruch auf das luxemburgische Kindergeld. Seit dem 1. August 2016 sind das 265 Euro je Kind und Monat. Zusätzlich kommen Alterszuschüsse hinzu: für jedes Kind ab sechs Jahren 20 Euro, für jedes Kind ab zwölf Jahren 50 Euro. Für Kinder von in Deutschland lebenden Pendlern gilt, dass sie in der Bundesrepublik Kindergeld beziehen (für das erste und zweite Kind jeweils 192 Euro, für das dritte Kind 198 Euro sowie für das vierte und jedes weitere 223 Euro).  Der luxemburgische Staat stockt dann die Differenz zu den Sätzen in Luxemburg auf.

Zusätzlich zum monatlichen Kindergeld bekommen arbeitende Eltern in Luxemburg eine Schulanfangszulage. Diese wird jedes Jahr im August automatisch für alle Kinder gezahlt, für die Kindergeld bezogen wird (115 Euro für Kinder über 6 Jahre, 235 Euro für Kinder über 12 Jahre). Die Zahlung endet in dem Jahr, in dem die Schule abgeschlossen oder vorzeitig beendet wird.