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Das Konzer Tälchen ist jetzt mediterran

Lavendel-Anbau verläuft im zweiten Jahr nach Plan - Forscher: Experiment belegt Klimawandel in der Region

(Konz-Niedermennig) Ein Versuch, mediterrane Kräuter wie Lavendel im Konzer Tälchen auf brachliegenden Weinbergen anzupflanzen, ist gelungen. Der projektverantwortliche Forscher Ralf Arens ist überzeugt, dass die mediterranen Kräuter in den hiesigen Breiten ohne Probleme überleben können. Im globalen Zusammenhang zieht er aus dem Experiment ein düsteres Fazit.

06.07.2014
Christian Kremer
Die Versuchspflanzung auf einem EU-finanzierten Lavendelfeld im Konzer Tälchen verläuft im zweiten Jahr erfolgreich. Die Pflanzen sind nicht eingegangen, sondern aus der Sicht von Projektleiter Ralf Arens hervorragend gediehen. Nach dem extrem milden Winter könne es sogar sein, dass das Feld an der Niedermenniger Weinbergskapelle 2014 zweimal geerntet werden müsse, sagt der Diplomgeograf. Das Experiment mit mediterranen Pflanzen, das Arens vor zwei Jahren begonnen hat, ist somit aus seiner Sicht gelungen. Neben verschiedenen Lavendelsorten hat er Oregano, Rosmarin, Salbei und Thymian angepflanzt.

Düsteres Bild der Erderwärmung


"So wie es aussieht, wachsen jetzt mediterrane Pflanzen, bei uns", sagt Arens. Das Fazit, das der Klimaforscher in Bezug auf globale Zusammenhänge zieht, ist aber nicht positiv. Während er auf der Bank vor dem Weinbergs kapellchen sitzt und sich die Sommerlandschaft anschaut, zeichnet er ein düsteres Bild der globalen Erwärmung. Übermäßiger Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid heize die Erde schneller auf, als viele Klimaforscher es vorhergesehen haben. "Wir haben so viel Energie in das System gehauen, dass es mit dem Reagieren nicht mehr nachkommt", sagt Arens.
Der Mensch habe in 100 Jahren so viel CO produziert wie die Natur in 100 000 Jahren, mahnt er. "Kälter wird es nicht mehr, nur noch wärmer." Deshalb gebe es zum Beispiel immer mehr schwere Hagelstürme und Gewitter in Deutschland - wie zuletzt Anfang Juni, als in Nordrhein-Westfalen sechs Menschen getötet wurden. Arens spricht über das Schmelzen der Polkappen, den ansteigenden Meeresspiegel und das Verschwinden des Permafrosts in der sibirischen Tundra. Erst danach kommt er auf sein Lavendelprojekt zurück. Das wolle er - auch wenn es bisher nur bis Ende 2014 finanziert ist - mindestens bis zur Ernte im Jahr 2015 fortführen. Schon jetzt hat Arens Nachahmer gefunden - zum Beispiel an der Terrassenmosel im Landkreis Mayen-Koblenz. Dort haben die Razejunge aus Lehmen, ein örtlicher Brauchtumsverein, einige brachliegende Weinterrassen mit Kräutern und Lavendel bepflanzt. Arens hat sie beraten und ihnen in Niedermennig erste Ergebnisse präsentiert. Der Forscher erzählt auch von Winzern aus Brandenburg, die ein Kräuterprojekt nach dem Konzer Vorbild planen.
Nach der Ernte auf den Versuchsflächen will Arens Lavendelöl produzieren. Dazu hat er die Universität Innsbruck kontaktiert. Das Innsbrucker Institut für Pharmazie wird aus dem Konzer Lavendel Ölproben herstellen. Das Laborergebnis erwartet Arens in den kommenden vier Wochen. Ist die Qualität dieses Öls hoch, könnte das Projekt nicht nur wertvoll für die Grundlagenforschung zum Klimawandel in der Region sein, sondern auch rentabel werden. Und ließe sich mit dem Verkauf des Öls Geld verdienen, wäre das für viele Grundeigentümer ein Anreiz, ihre Brachflächen mit Lavendel wieder zu kultivieren.
Extra
Finanzierung: Insgesamt fließen 154 000 Euro in das Konzer Lavendelprojekt, das die EU, die Bundesregierung, die Stiftung Zukunft Trier-Saarburg und die Verbandsgemeinde Konz gemeinsam finanzieren. Kosten pro Hektar: Projektleiter Ralf Arens geht davon aus, dass bis zu 15 000 Lavendelpflanzen pro Hektar angebaut werden können. Eine Pflanze kostet beim Kauf großer Mengen etwa einen Euro. Unklar ist zurzeit, wie groß der Arbeitsaufwand ist, um einen guten Ertrag zu erzielen. Produktionsziel: Ziel ist es, aus den Pflanzen möglichst hochwertige Lavendelöle zu destillieren und diese zum Beispiel an Kosmetikkonzerne zu verkaufen. Allerdings muss Arens noch ermitteln, wie der geerntete Lavendel optimal zu Öl verarbeitet werden kann. Mögliche Einnahmen: 100 Milliliter fertig verarbeitetes Lavendelöl kosten je nach Qualität und Anwendungsbereich (kosmetisch oder pharmazeutisch) zwischen 15 und 130 Euro. Wie viel Lavendel zur Produktion des Öls gebraucht wird, kann Arens aber noch nicht genau einschätzen. cmk

 

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