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Helfer fürs neue Leben in Deutschland: 14 Bürger als Integrationslotsen für Asylbewerber qualifiziert

(Konz) Allein in der Fremde, ohne die Sprache zu können, in einer Kultur, die anders tickt, als man es kennt. Wer würde sich da nicht verloren fühlen? Um Flüchtlinge durch ihr erstes Jahr in Deutschland zu lotsen, hat die Caritas erstmals in Konz 14 Freiwillige zu Helfern fortgebildet.

05.02.2016
Regina Lüders
Konz. "Ich bin wie die Jungfrau zum Kinde gekommen", sagt Thomas Buntru. Vor fünf Monaten hat der Trierer, der ursprünglich aus Köln stammt, "seine" syrische Familie getroffen: "Über die Zufallsbegegnung eines Freundes aus Köln mit ihnen. Er hat mir die fünf ans Herz gelegt, als sie nach Trier geschickt wurden". Seitdem ist der studierte Soziologe zum Integrationslotsen geworden - ohne das irgendwie gelernt zu haben.

Ansprechpartner sind Gold wert


Mit detektivischem Einsatz musste er sich oftmals zeit- und nervenraubend durchfragen, um dem syrischen Ehepaar mit seinen drei Kindern zu helfen. Jetzt hat Buntru sich - als einer der ersten 14 Freiwilligen - über die Konzer Koordinationsstelle "Flucht und Asyl" der Caritas zum offiziellen Integrationslotsen fortgebildet.

"Hier habe ich konkrete Ansprechpartner bekommen und Listen mit Stellen, an die man sich mit den verschiedensten Anliegen wenden kann. Das ist Gold wert", beurteilt der Mittfünfziger. Auch an zukünftigen regelmäßigen Treffen der Flüchtlingsbegleiter will er teilnehmen.

Der Austausch mit anderen, die sich für Flüchtlinge engagieren, täte ihm gut. Dieser sei wichtig, um sich zu erden, sagt er. In den einzelnen Modulen der Fortbildung für angehende ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeiter ging es um interkulturelle Kompetenz, um Kommunikation ebenso wie um Zugänge in Ausbildung und Arbeit, den Umgang mit Traumata, Asylverfahren, Sozialrecht und um Möglichkeiten und Grenzen des Ehrenamts. Verschiedenste interne und externe Referenten haben in Konz und einmal auch in der Trierer Handwerkskammer dazu informiert. Thomas Zuche ist im Arbeitskreis Flucht und Asyl der Caritas in Konz für die Freiwilligen zuständig und hat den ersten Konzer Kurs für Integrationslotsen geplant, der mit sechs Veranstaltungen über drei Monate lief.

Ansonsten hatte es im Kreis bisher nur einen ähnlichen Kurs in Saarburg unter Federführung des Lokalen Bündnisses für Familien im dortigen Mehrgenerationenhaus gegeben. Zur Zertifikatsverleihung hat Zuche den frisch ausgebildeten Lotsen direkt verschiedene zukünftige Schützlinge im Steckbrief mitgebracht, denn Thomas Buntru mit "seiner" syrischen Familie ist die Ausnahme in der Gruppe mit Teilnehmern zwischen Mitte zwanzig und Ende sechzig. Einige haben sich zwar schon als Helfer bei Integrationsangeboten engagiert. Aber nun gilt es, ein Einzel- oder Familienschicksal ganz speziell für etwa ein Jahr zu begleiten. Und tatsächlich: Für alle, vom einsamen Mann aus Mauretanien und der russischen Kleinfamilie mit einer behinderten Tochter in Konz bis hin zur achtköpfigen syrischen Familie in Niedermennig gibt es Interessenten in der Gruppe, die sich mit ihnen treffen möchten. Wichtig sei, dass sich die ehrenamtlich Engagierten auch Hilfe suchen und Grenzen setzen, betont Thomas Zuche. Es gäbe Möglichkeiten, den Mitarbeitern unter die Arme zu greifen, und notfalls könne man die Betreuung auch abbrechen.
Extra
"Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist, wie ich es erlebe, ungebrochen. Und das ist toll", findet der Konzer Ehrenamtskoordinator für die Flüchtlingsarbeit, Thomas Zuche. Seinen Kollegen vom Caritas-Arbeitskreis Flucht und Asyl, Andreas Schäfer beeindruckt dabei die Vielzahl auch junger Menschen, die sich hierfür engagierten. Noch im Februar soll es eine Infoveranstaltung zur freiwilligen Arbeit als Integrationslotse in Konz geben, im März startet ein neuer Kurs. rcl Interessenten dafür und für die Flüchtlingsarbeit allgemein können sich ab 15. Februar an Thomas Zuche wenden - telefonisch unter 06501-9457116 oder per Mail an zuche.thomas@caritas-region-trier.de

 

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