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Hobbyarchäologe begutachtet die Strecke der B-51-Ortsumgehung für Könen

(Konz) Die neue B-51-Ortsumgehung für Konz-Könen (Kreis Trier-Saarburg) verläuft über geschichtsträchtige Erde: Früher kam es dort zur berühmten Schlacht an der Konzerbrück, und es sind Überreste einer Römerstraße zu finden. Für einen Tawerner Hobbyarchäologen ist das ein ergiebiges Suchgebiet.

24.06.2014
Christian Kremer
Leicht gebückt, Kopfhörer auf den Ohren, einen Metalldetektor in der Hand und oft mit grauer Arbeitskleidung: So ist Matthias Heinz unterwegs. Der 31-jährige Tawerner ist Hobbyarchäologe und mit einer offiziellen Sucherlizenz des Rheinischen Landesmuseums in Trier ausgestattet (siehe Extra).

Sein abgestecktes Suchgebiet erstreckt sich fast über die gesamte Verbandsgemeinde Konz. Die Felder rings um seinen Heimatort Tawern kennt Heinz am besten. Dort hat der gelernte Schreiner auch die Leidenschaft für sein außergewöhnliches Hobby entdeckt.

Als Junge, mit 13 Jahren, habe er die Ausgrabungen am Tawerner Vicus verfolgt, erzählt er. Davon sei er so begeistert gewesen, dass er sich selbst beim Rheinischen Landesmuseum um eine Lizenz bemüht habe. Seitdem Heinz mit der Erlaubnis der Trierer Denkmalschützer unterwegs ist, hat er viel entdeckt: „Zu 80 Prozent Müll, kein Gold, aber auch schon viele Münzen, Knöpfe oder Bleikugeln – manchmal Silber“, sagt er. Jeden Fund registriert er beim Landesmuseum. Dort werden die Artefakte untersucht, über einige darf er selbst verfügen. Wenn er will, darf er sie auch verkaufen. „Reich wird man damit nicht“, sagt Heinz.

Schlacht an der Konzerbrück

In letzter Zeit sucht der 31-Jährige oft die künftige Trasse der Könener B-51-Ortsumgehung ab, die auf den Feldern und in den Wäldern zwischen Könen, Tawern und Wasserliesch gebaut wird. Zu finden ist in dem Gebiet einiges. Schließlich verlief dort früher nicht nur die berühmte Römerstraße zwischen Trier und Metz, an der der Tawerner Vicus eine Wegstation war.

1675 erlangte der ganze Bereich zwischen Konz und Tawern Berühmtheit durch die Schlacht an der Konzerbrück. Mehr als 30.000 deutsche und französische Soldaten kämpften gegeneinander und verloren vermutlich so manches wertvolle Stück. Heinz hat die Überreste heute mit seinem Metallsuchgerät im Visier.

„Ich gehe gezielt raus, weil ich den ungefähren Streckenverlauf der Nebenwege der Römerstraße kenne“, sagt Heinz. Er habe selbst Karten gezeichnet, die er irgendwann veröffentlichen will. Sein größter Fund auf der Trasse ist bisher ein etwa sieben Zentimeter langer bronzener Messergriff. Heinz zeigt ein Foto auf seinem Handy. Verziert ist das römische Fundstück mit der Skulptur eines Löwen, der ein anderes Tier attackiert. Der Griff ist jetzt bei den Archäologen im Landesmuseum.

Das Hobby von Heinz ist manchmal mit Konflikten verbunden, weil er sich oft auf Flächen in Privatbesitz aufhält. Um weder Saat noch Feldfrüchte zu beschädigen, suche er meistens im Herbst oder Winter nach Artefakten, erzählt er. So nehme er Rücksicht auf die Grundeigentümer. Manchmal begegnet der Tawerner anderen Suchern – oft solchen, die keine Erlaubnis haben. Bisher habe er alles ohne größere Auseinandersetzungen regeln können. Ein Hinweis auf das Landesmuseum und die notwendige Lizenz habe immer genügt. Dann seien die illegalen Sucher wieder abgezogen.
Hintergrund

„Das Gesetz sagt: Jeder, der sucht, braucht eine Genehmigung“, erklärt Hans Nortmann, Chefarchäologe beim Rheinischen Landesmuseum in Trier. Das Museum erteile eine Genehmigung unter der Bedingung, dass die Hobbyarchäologen mit allen Funden zuerst zu den Pr ofis in Trier kommen. Erst danach dürfen die Sucher frei über ihre Funde verfügen. Neben diesen denkmalrechtlichen Vorschriften müssen sich die Sucher auch eine Genehmigung von den Grundstückseigentümern besorgen. Ansonsten drohen Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs oder Sachbeschädigung.

Raubgrabungen werden zum Teil hart bestraft: Unterschlägt ein Sucher seine Funde oder sucht jemand ohne Genehmigung, sind teils hohe Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen möglich, die meist auf Bewährung ausgesetzt werden. Im Arbeitsgebiet des Museums sind rund 100 Hobbysucher wie Matthias Heinz unterwegs. Der Bereich der Trierer Archäologen erstreckt sich dabei über die Stadt Trier und die umliegenden Landkreise Bernkastel-Wittlich, Birkenfeld, Eifelkreis Bitburg-Prüm, Trier-Saarburg und Vulkaneifel. Insgesamt ist die Fläche 5700 Quadratkilometer groß. Bisher sind darin mehr als 10.000 archäologische Fundstellen bekannt. Viele von ihnen – zum Beispiel der gesamte Trierer Innenstadtbereich – sind Sperrzonen für die Hobbysucher.

Größter Fund von Amateuren: Hobbyarchäologen haben am 9. September 1993 in der Trierer Feldstraße bei Ausschachtungsarbeiten für eine Tiefgarage 2600 römische Goldmünzen gefunden. Die Entdeckung gilt als größter bisher gefundener Römerschatz überhaupt.