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aus unserem Archiv vom 14. März 2012
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Ich lebe gern in der VG Konz: Ortsgemeinde Wawern

Die Ortsgemeinde Wawern im TV-Dorffragebogen

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Einwohnerzahl:
Die Einwohnerzahl beträgt gegenwärtig 624 Mitbürger (männlich 318, weiblich 306). Im Gegensatz zu den Nachbargemeinden konnten wir in den letzten Jahren keinen Einwohnerzuwachs verzeichnen. Der Grund hierfür ist jedoch nicht, dass unser Ort weniger attraktiv ist, sondern dass wir seit zehn Jahren keine neuen Bauplätze ausweisen konnten. Wegen der ausgedehnten Schutzzonen in unserer Gemarkung (Naturschutzgebiet, Wasserschutzzonen usw.) ist es hier äußerst schwierig, ein neues Baugebiet auszuweisen, obwohl es hier schon seit langem keine leer stehende Bausubstanz mehr gibt. Wir sind froh, dass wir nach nunmehr zehnjähriger Vorarbeit das Neubaugebiet Beneförstchen mit 30 Baustellen realisieren können.
 
Gemarkungsfläche:
528 Hektar
 
Dorfname (Ursprung):
Es gibt zwei Sprachwurzeln, die dem Namen Wawern zugrunde liegen, die aber einen gemeinsamen indogermanischen Ursprung haben.Wawern ist auf das lateinische vagus zurückzuführen, das in diesem Zusammenhang Land meint, das dem stetigen Wechsel unterworfen ist. Hierzu sollte man wissen, dass das Wawerner Tal früher von der Saar immer wieder bei Hochwasser als Ausweichfläche genutzt wurde. Der Ortsname hat wahrscheinlich einen keltischen Ursprung, der auf die Begriffe Waverla, Waberla zurückzuführen ist, Begriffe, die heute mit wabbeln, wabbelig gleichzusetzen sind. Hiermit wurde vermutlich Bezug genommen auf die moorige, unsichere Beschaffenheit der Tallandschaft. Die Namensforscher sind sich darin einig, das Orte und Städte wie Wavre (Belgien), Bern in der Schweiz (früher Wabern), Waverton (England) oder Wabern (bei Kassel) die gleichen Wurzeln haben. Auffällig ist nämlich, dass hier überall in extremen Feuchtgebieten aufgebaut worden ist.
 
Wahrzeichen des Ortes:
Nach der Renovierung im Jahr 1993 ist als Wahrzeichen des Ortes nunmehr die ehemalige Dorfsynagoge anzusehen.
 
Der Lieblingsfeind:
Die Wawerner Bürger zog es bis vor ein paar Jahrzehnten immer ganz besonders nach Könen und Filzen-Hamm, danach nach Tawern sowie Ayl, während zu dem direkt benachbarten Kanzem ein eher distanziertes Verhältnis bestand. Als ich als Neubürger hierfür bei den Einheimischen eine Erklärung suchte, stieß ich nur auf Schulterzucken. Erst bei meiner Geschichtsforschung zur Erstellung einer Ortschronik stieß ich auf die wahrscheinlich zutreffenden Antworten: Hamm und Wawern hatten seit dem 14. Jahrhundert eine gemeinsame Gerichtsbarkeit. Das erste „Jahrgeding von Hamm und Wawern“ ist aus dem Jahr 1330 erhalten. In Wawern und in Könen existierten bis zum Zweiten Weltkrieg zwei große jüdische Gemeinden, die in regem Kontakt standen. Diese privaten und geschäftlichen Verbindungen wirkten sich wohl auch auf die christlichen Mitbürger aus, mit denen man nachweislich (siehe Schulchronik) harmonisch zusammenlebte. Ganz anders sieht es jedoch mit Kanzem aus. Am 1. Juli 1548 bestätigte nämlich Kaiser Karl V. die luxemburgischen Hoheitsrechte über die Gemarkung Kanzem/Wiltingen. Dies hatte in den Jahrhunderten danach auch einschneidende Folgen für das grenzüberschreitende Zusammenleben. Über diese Hoheitsgrenzen zu heiraten, konnte sehr schwierig sein. Als zum Beispiel 1790 ein Mann aus Kanzem (Anton Schneider) eine Frau aus Filzen (Maria Blau) heiraten wollte, wurde dies vom Domdechanten untersagt. Erst nach mehreren Bittgesuchen durch den Pfarrer von Hamm und die Gemeinde wurde erst ein Jahr später die Eheschließung erlaubt. Diese geschichtlichen Wurzeln sind wohl bis in die Neuzeit hinein im Verhalten vieler Einheimischer ganz unbewusst noch ein wenig verwurzelt.
 
Kirchenpatron:
Der Kirchpatron von Wawern ist St. Sebastian.
 
Größter Verein:
Die beiden größten Vereine sind der Sportverein und der Heimatverein.
 
Anekdote:
„Et viescht Breet im Greisbuar“
Am Griesborn, dort, wo heute in der Kurve das Wasserhäuschen steht, befand sich früher die dörfliche waschstelle. Das Wasser, das damals aus einer Felsspalte rann, wurde an eine kleinen Schleuse hochgestaut und floss dann ins Wawerner Bruch.
Der beste Waschplatz war seit jeher das erste von mehreren in Abständen hintereinander über den jungen Bachlauf gelegten Spitzbrettern, eben das „Viescht Breet“.
Um diesen begehrten Platz zu ergattern, musste man in der Regel sehr früh aufstehen.
So um das Jahr 1900 ging deshalb die „Kiasche Guat“ an einem Hochsommermorgen schon kurz nach 4 Uhr zur besagten Waschstelle. Es war ein sehr nebliger Tagesbeginn. Tatsächlich war der beste Waschplatz frei und die Kiasche Guat konnte mit ihrer Arbeit beginnen.
Bald darauf verließ auch „Klosen Onkel“ den Ort, um die gleiche Waschstelle aufzusuchen. Mit dabei hatte er ein weißes Leintuch, das er waschen wollte. Da der Morgen kühl war, wickelte sich „Klosen Onkel“ in das Tuch ein.
So erschien er von weißen Nebelschwaden im noch schwachen Morgenlicht umhüllt, am Griesborn. Bei diesem schauerlichen Anblick schreckte die „Kiasche Guat“ vor Angst zusammen und rief laut: „Im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit, Heiliger Geist, was ist dein Begehr?“
„Et viescht Breet“, antwortete der Angesprochene schlagfertig. Sofort stand die „Kiasche Guat“ diesem zum Sitzen an. Der „Klosen Onkel“ konnte sich noch verschmitzt lächelnd setzen, bevor er von der verdutzten Frau erkannt wurde.
(Diese Geschichte wurde den Kindern des Ortes vor dem Ersten Weltkrieg immer wieder gerne erzählt. )
Grußwort
 Geboren im Saarland, aufgewachsen im Sauerland, landete ich schließlich als Student in Trier. Als ich hier meine jetzige Frau kennenlernte, erfuhr ich erstmals von einem Ort mit dem Namen Wawern.
Unser erstes Kennenlernen – ich meine Wawern und ich – stand nicht unter einem besonders guten Stern. Es war ein trüber, regnerischer Novembertag im Jahr 1977 und entsprechend geprägt war mein erster Eindruck von dem kleinen Ort an der unteren Saar. Als sich in einer Wawerner Gaststätte dann auch noch drei, mir etwa gleichaltrige Männer, über mein damals schulterlanges Haar lustig machten, dachte ich nur eins: „Wo bist Du hier nur gelandet?“.
Ich sollte aber schnell meine ersten Eindrücke revidieren. Mit denen, die sich über mein Hippie-Outfit amüsiert hatten, spielte ich schon bald zusammen Fußball, und sehr schnell hatte man mich in der Dorfgemeinschaft akzeptiert. Diese offene Art der Einheimischen und der schöne Ort an sich ließen mich hier umgehend heimisch werden.
So kann ich aus meinen eigenen Erfahrungen heraus jedem einen Besuch Wawerns oder auch ein Wohnen hier mit gutem Gewissen nur empfehlen.
Aus landschaftlicher und baulicher Sicht gibt es wohl kein schöneres Dorf an der unteren Saar. Der ganze alte Ortskern ist wegen seiner geschichtlichen, baulichen Einheit seit 1993 als Denkmalzone ausgewiesen. Eingebettet ist der Ort in ein ganzes Band von landschaftlichen Schutzzonen, das fast die Hälfte der Gemarkung umfasst. Hierzu gehört auch das große Naturschutzgebiet Wawerner Bruch. Kein anderer Ort im Bezirk Trier hat einen solch hohen Anteil an Ökozonen wie Wawern.
Bei dieser Aufzählung von erfreulichen Aspekten darf man aber auf keinen Fall den Wawerner Wein unterschlagen. Als im vergangenen Jahrhundert dieser noch durch das Weingut Lintz einen namhaften Vertreter hatte, zählten die Lagen hier zu den drei absolut teuersten Weinen im Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer.
Sehr positiv ist auch die verkehrsmäßige Lage zu beurteilen. Die beiden Mittelzentren Konz und Saarburg sind nur acht Kilometer entfernt und nach Trier und Luxemburg hat man nur 15 Minuten Fahrzeit. Natürlich gibt es einen negativen Aspekt, wobei ich an die sonstige Infrastruktur denke. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich durch unsere neue Zielsetzung, die auf einen sanften Tourismus mit generationenübergreifenden Fitnessangeboten setzt, sicherlich auch in dieser Richtung etwas im positiven Sinne bewegen wird. In diesem Jahr werden drei neue Nordic-Walking-Strecken der Öffentlichkeit übergeben, wovon eine mit einem Trimm-Parcours ausgestattet wird. Ebenfalls in 2012 wird der neu angelegte, naturkundliche Lehrpfad durch das Naturschutzgebiet vorgestellt und bei der bundesweiten Onlineabstimmung „Vital in Deutschland“ sieht es nicht schlecht für Wawern aus. Danach können wir immer noch darauf hoffen, dass wir die Siegergemeinde werden, die einen Senioren-Fitness-Park eingerichtet bekommt.
Ich kann nur abschließen mit der Aufforderung, doch selbst einmal Wawern kennenzulernen. Vielleicht sind Sie dann ebenso positiv überrascht wie ich vor mehr als 30 Jahren.
 
Herzlich, Ihr
 
 Franz Zebe
 


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