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Sauerei auf dem Konzer Flugplatz ist beseitigt

(Konz) Wildschweine haben mehrfach in Konz-Könen gewütet. Die Aero-Club-Mitglieder haben die Startbahn wieder in Schuss gebracht. Mit einem neuen Elektrozaun versuchen sie, die Triere auf Distanz zu halten.

08.05.2017
Christian Moeris
Wildschweine haben den Segelflugplatz in Konz-Könen im Herbst und Winter in eine Kraterlandschaft verwandelt ("Wildschwein-Attacke auf Könener Flugplatz", TV vom 20. Januar). Auf der Suche nach Futter hatten die Tiere rund fünf Hektar des 20 Hektar großen Areals umgepflügt - bis weit unter die Grasnarbe in eine Tiefe von 15 Zentimetern. Damit haben die Wildschweine den Segelfliegern das Saisonende 2016 im wahrsten Sinne des Wortes versaut.
"Ans Fliegen war nicht mehr zu denken", sagt Thomas Jacobs, der Vorsitzende des Aeroclubs Konz und Trier. "Die Wildschweinrotten waren zigmal hier auf dem Flugplatz. Das war gar nicht mehr zu zählen. Selbst am Tag haben wir sie gesehen", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Roger Grünwald. Von dem alten Elektrozaun mit nur einem stromführenden Kabel hätten sich die Tiere nicht abschrecken lassen, sagt Jacobs. "Seitdem die Bauarbeiten an der Ortsumgehung angefangen haben, wissen die Tiere nicht mehr, wo sie hin sollen."
Die Schäden auf der 1000 Meter langen und 200 Meter breiten Wiese, die den Segelfliegern als Start- und Landebahn dient, zu beseitigen, hat die Vereinsmitglieder vor eine große Herausforderung gestellt.
Der erste Versuch: Mit Schaufeln und Spitzhacken setzten 30 Hobbyflieger die Start- und Landebahnen an einem Samstag im Herbst 2016 wieder instand. Dazu rüsteten sie den Weidezaun des Geländes mit einer zweiten stromführenden Leitung aus. Doch beim Anblick ihres Flugplatzes am Tag darauf wurden die Vereinsmitglieder herb enttäuscht. Jacobs: "Die Wildschweine haben unsere ganze Arbeit wieder zunichtegemacht."
Der zweite Versuch: "Der Jagdpächter hat uns dann empfohlen, den 2,5 Kilometer langen Weidezaun rund um das Areal zu erhöhen und mit einer dritten Litze auszurüsten", sagt Jacobs. "Wir haben also jetzt insgesamt 7,5 Kilometer Kabel verlegt und noch viele weitere Pfähle eingeschlagen." Bei der zweiten Sanierung der Start- und Landebahn bekamen die Segelflieger Spenden und tatkräftige Unterstützung aus dem Freundeskreis des Vereins: Die Pferdepension Naumeshof aus Morscheid spendete Elek trodraht im Wert von 1000 Euro.
Jagdpächter Dietmar Hein schwang sich auf den Traktor und zerkleinerte die aufgeworfenen Erdschollen mit einer Kreisel-Egge. Der Könener Bauunternehmer Hans Wacht karrte eine Planierwalze auf den Flugplatz, "die er dem Verein sehr günstig drei Tage zur Verfügung gestellt hat". Mit zwei Minibaggern, die Vereinsmitglieder organisierten, und der Acht-Tonnen-Walze haben sie ihren Flugplatz Ende März wieder repariert. Dank der Saatgutspende des Trierer Landschaftsbauunternehmens Schneider sprießt dort auch wieder frisches Grün. Dazu wurde ein stärkeres Weidezaungerät angeschafft. "Das zwiebelt ordentlich", sagt Jacobs, "ist aber für Menschen nicht gefährlich und schaltet sich bei längerem Kontakt von selbst ab. Seitdem haben wir vor den Wildschweinen unsere Ruhe." Der Saisonstart am 18. März sei damit geglückt.
Die Sanierung der Landebahn und die Anschaffung des neuen Weidezauns hat den Verein 3500 Euro gekostet. Jacobs: "Auf den Kosten bleiben wir sitzen. Aber auf eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Jagdpächter, der uns bei der Beseitigung der Schäden sehr geholfen hat, legen wir keinen Wert. Ein gutes Verhältnis ist uns wichtiger." Außerdem sei die Problematik mit den Wildschweinen aufgrund der Bauarbeiten an der Ortsumgehung auch eher komplex, meint Jacobs.
Jagdpächter Dietmar Hein, der derzeit im Krankenhaus liegt und nicht für Presseanfragen zur Verfügung steht, hat dem Verein allerdings zugesagt, rund um den Flugplatz nun gezielt auf die Jagd zu gehen. Jacobs: "Im Verein finden sich mit Sicherheit reichlich Abnehmer für erlegte Wildschweine."
Aus Jägerkreisen ist zu hören, dass sich die Tiere nun häufiger im Waldgebiet nahe den Fischweihern des Angelvereins Konz-Könen aufhalten. Die Tiere haben allerdings auch schon Gärten von Anwohnern in der Saarburger Straße umgepflügt.
Die Jäger hoffen, dass sich die Situation entspannt, wenn die Bauarbeiten an der Umgehungsstraße abgeschlossen werden und Ruhe einkehrt. Dann, so hoffen die Jäger, würden die Tiere die extra angelegte Wildbrücke über und die Tunnel unter der neuen Umgehungsstraße auch annehmen und könnten in Richtung Tawern und Wasserliesch ausweichen.
Extra: TAG DER OFFENEN TÜR AUF DEM FLUGPLATZ

Wer selbst einmal mit einem Segelflugzeug abheben möchte, dem bietet der Aero-Club Trier und Konz mit einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 28. Mai, dazu die passende Gelegenheit. Die Veranstaltung auf dem Flugplatz in Konz-Könen beginnt um 10 Uhr.