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Schweinische Attacke auf Könener Flugplatz - Landebahn vorerst unbrauchbar

Aeroclub muss Gelände planieren und neuen Schutzzaun installieren

(Konz-Könen) Acker statt Landebahn: Wildschweine haben den Segelflugplatz des Aeroclubs Trier und Konz zerstört. Das ist nicht der erste Fall dieser Art in Könen. Der örtliche Jagdpächter sieht in den Bauarbeiten für die Ortsumgehung Könen eine der Ursachen für die Wildplage in dem Konzer Stadtteil.

19.01.2017
Christian Kremer
Tiefe Löcher und Furchen durchziehen die Landebahn des Segelflugplatzes in Konz-Könen. Sie ist zurzeit vollkommen unbrauchbar für den Flugbetrieb, weil Wildschweine die ebene Rasenfläche auf der Suche nach Nahrung durchwühlt und in einen Acker verwandelt haben.

Landebahn birgt Gefahren: Günter Hill, zweiter Vorsitzender des Aeroclubs Trier und Konz, zeigt beim Ortstermin auf die durchlöcherte Landebahn und sagt: "Wenn da ein Flugzeug in diesen Bereich reinrollen würde, würde man sich nicht nur das Fahrwerk schwer beschädigen." Es könne sogar gefährlich für die Piloten sein: "Ein Überschlag wäre auch nicht auszuschließen."

Hinter den Schäden stecken laut Hill keine einzelnen Tiere: "Die kommen in ganzen Horden nachts hierher und reißen uns den Platz kaputt." Und das ist nicht nur einmal passiert: Die Vereinsmitglieder haben die Landebahn laut dem Vereinsvorstand schon im vergangenen Herbst mit großem Aufwand repariert - mit Rechen und Schaufel.

So einfach wird es bei den aktuellen Schäden nicht sein. Zunächst wolle der Aeroclub den vorhandenen Elektrozaun durch einen neuen ersetzen, erläutert Hill. "Wir müssen dann ein Unternehmen beauftragen, um die Landebahn mit schwerem Gerät wiederherzustellen - das kann man nicht von Hand machen." Der Aeroclub geht davon aus, dass die Arbeiten zwei Tage dauern. Wie teuer sie werden, weiß der Verein noch nicht. Noch seien die Angebote der Tiefbaufirmen nicht da, sagt Hill.

Verein braucht Hilfe: Laut dem ersten Vorsitzenden Thomas Jacobs hat der Verein vor, einen Zuschuss beim Deutschen Sportbund zu beantragen. Zudem würden Spenden gebraucht. Wenn der Flugbetrieb nicht pünktlich im März beginne, sei sogar die Existenz des Vereins gefährdet, warnt Jacobs. Er will deshalb bald ein Projekt beim Volksbank-Spendenportal "Viele schaffen mehr" starten. Der Vereinsvorsitzende gibt sich trotz der prekären Lage zuversichtlich, dass der Flugplatz bis zum Saisonauftakt repariert ist - zumal die Könener Baufirma Wacht ihre Unterstützung signalisiert hat.

Jagdpächter sucht nach Gründen: Der Pächter des Jagdreviers am Segelflugplatz, Dietmar Hein, will dem Verein mit Rat und Tat beiseite stehen. Der Könener pachtet das Revier schon seit 30 Jahren. Zur aktuellen Lage meint er: "Wildschweine sind grundsätzlich ein Problem, nicht nur in Könen." Wegen der milden Winter sei der Bestand viel größer als früher. Die Tiere trauten sich auch immer näher an Siedlungen heran. Ein zerwühlter Bolzplatz und ein Spielplatz auf dem Weg zum Flugplatz innerhalb der Ortslage zeugen davon. Schon im September hatten mehrere Könener Wildschweinschäden in ihren Vorgärten gemeldet - auch auf der anderen Seite des Dorfes, Richtung Saarburg gesehen links der B-51-Ortsdurchfahrt ("Saustall im Gartenparadies", TV vom 28. September). Damit gehört der Aeroclub zu einer ganzen Reihe von Opfern solch schweinischer Attacken. Jagdpächter Hein hat wegen der Plage im Oktober eine große Treibjagd veranstaltet. Dabei seien 25 Schweine erlegt worden, sagt er. Das Problem besteht trotzdem weiter.

Eine der Ursachen für die zahlreichen Vorfälle mit Wildschweinen in Könen sieht Hein in den Bauarbeiten für die B-51-Ortsumgehung und dem parallel laufenden Flurbereinigungsverfahren. "Die Wildschweine werden wegen der Arbeiten hin- und hergescheucht", sagt der Jagdpächter. Das Wild rücke dadurch näher an die Siedlung heran. Dort darf nicht gejagt werden - ebensowenig wie an der Trasse, wenn dort gearbeitet wird. Hein beklagt auch, dass in den vergangenen Monaten oft Motocross-Fahrer im Wald unterwegs seien. Auch diese erschwerten die Jagd. Eine schnelle Lösung für die Wildschweinplage gibt es aus Heins Sicht nicht: "Da muss sich jeder selbst helfen."
Ortsvorsteher
Aus der Sicht des Könener Ortsvorstehers Detlef Müller-Greis sind die Wildschweine seit September ein echtes Problem. Immer wieder hätten Tiere auch Gärten an der Saarburger Straße (B.51) zerwühlt. "Ich habe selbst schon Frischlinge über meine Terrasse laufen sehen", sagt Müller Greis. "Aus meiner Sicht hilft nur eine stärkere Bejagung." Das sei aber für die Jäger nicht unproblematisch wegen der Nähe zur Siedlung. "Im Moment sehe ich keine Lösung", sagt der Ortsvorsteher. cmk
Extra: Aeroclub
Der Aeroclub Trier und Konz hat seine Wurzeln bei der Luftsportvereinigung Trier, die schon 1927 ihre Flugübungen auf dem Grüneberg in Trier absolvierte. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Aeroclub Trier gegründet.
Ab 1950 war der Verein auf dem Flugplatz in Trier-Euren aktiv. Ab 1973 baute der Aeroclub sein neues Fluggelände in Konz-Könen auf. Seit 1976 heißt der Verein Aeroclub Trier und Konz. Zurzeit hat der Aeroclub rund 65 aktive Mitglieder und 80 Fördermitglieder.
Laut dem Vorstand kümmern sich sieben Flugausbilder zurzeit um 25 Flugschüler. Ihm sei Arbeit mit Jugendlichen besonders wichtig, sagt der erste Vorsitzende des Vereins, Thomas Jacobs, im Gespräch mit dem TV. cmk