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Schwimmpremiere auf der Mosel: Neue Elektrofähre zwischen Oberbillig und Wasserbillig (Fotos/Video)

(Mertert/Oberbillig) Arbeiter haben die neue Oberbilliger Fähre am Dienstagmorgen zu Wasser gelassen. Zwei Männer haben sich nach der zweistündigen Prozedur besonders gefreut.

14.11.2017
Von Christian Kremer
Ein lautes Piepen dröhnt durch die kalte Luft am Dienstagmorgen. Der 400 Tonnen schwere Kran mit einer Hubkraft von 124 Tonnen im Merterter Hafen nimmt seine Arbeit auf. Der Kranführer soll ein ganz besonderes Objekt von einem Schubschiff laden. Die neue Oberbilliger Fähre wartet dort nach ihrer Reise von Stralsund bis zum einzigen luxemburgischen Binnenhafen darauf, endlich ins Moselwasser gesetzt zu werden. 

Um diesen Augenblick zu verfolgen, sind mehrere Fernsehteams und Fotografen gekommen. Sie löchern den Oberbilliger Ortsbügermeister Andreas Beiling und seinen Merterter Kollegen Jérôme Laurent mit Fragen. Die beiden Gemeinden finanzieren die neue Elektrofähre gemeinsam. Für die Orte ist die erste Wässerung in der Mosel ein historischer Augenblick. Die Vorgängerin, ein in die Jahre gekommenes Dieselschiff soll schließlich nach 50 Jahren Betrieb ausgetauscht werden (der TV berichtete). Wie die anderen Schaulustigen verfolgen die Bürgermeister gespannt, wie der Kran nacheinander zunächst die beiden Rampen auf den Uferkai hebt. Erst danach haken die Arbeiter das Zugseil an der Fähre fest. Millimeter für Millimeter hievt der Kranführer das Gefährt in die Luft.

Dann schmeißt Christoph Schwindt, der 24-jährige Schiffsführer der Orion II, den schweren Dieselmotor seines Schubschiffs an und fährt unter der Fähre weg. Er hat die Sankta Maria II in Genthin (Brandenburg) übernommen und 828 von 1200 Kilometern quer durch Deutschland transportiert. Jetzt übergibt er die Elektrofähre an seine Kollegen Dieter Feldmann und Martin Schreiner. Sie sind ebenfalls Schiffsführer und werden künftig mit der Elektrofähre die Autofahrer Fußgänger und Radfahrer zwischen Oberbillig und Wasserbillig hin- und herschippern. Im Gegensatz zum dritten Fährmann im Bunde, Valibor Gracik, der mit der alten Sankta Maria unterwegs ist, verfolgen sie am Dienstag gespannt, wie ihr neues Boot in die Mosel gesetzt wird. Einmal dreht sich die Elektrofähre am Kranhaken noch um sich selbst, dann ist es so weit: Die Sankta Maria schwimmt zum ersten Mal in ihrer neuen Heimat auf der Obermosel.

Feldmann und Schreiner sind glücklich: „Es wird ruhiger, es wird angenehmer, und es ist mehr Platz“, sagt Feldmann über sein neues Arbeitsgerät. Die Sankta Maria II ist 2,50 Meter breiter und fünf Meter länger als ihre Vorgängerin, trotzdem sei sie besser zu fahren. Am meisten freuen sich die beiden Fährmänner aber über den neuen Komfort: die Sankta Maria zwei hat eine Elektroheizung und eine Klimaanlage. Dass sie wie bisher im Winter bei 14 und im Sommer bei bis zu 40 Grad in dem Führerhaus frieren und schwitzen, halte er für unwahrscheinlich, sagt Feldmann.
 
Der Oberbilliger Ortsbürgermeister Andreas Beiling und sein Mertert-Wasserbilliger Amtskollege Jérôme Laurent sind ebenfalls froh. „Es ist schon ein bewegender Moment, dass die Fähre jetzt hier steht und in den nächsten Tagen fertiggestellt wird“, sagt Laurent. Beiling spricht von einem „schönen Augenblick“: „Jetzt freuen wir uns auf die Taufe am 25. November.“ Ab 11 Uhr sollen dann die Feierlichkeiten beginnen. Und es hat sich Prominenz angekündigt: Ein Mitglied der großherzoglichen Familie werde dabei sein, kündigen die beiden Ortschefs stolz an: Entweder Großherzogin Maria Teresa oder Prinzessin Alexandra. Den Fährbetrieb nimmt das neue Schmuckstück laut Beiling am 10. Dezember auf. Die drei Oberbilliger Schiffsführer bekämen auch noch einen Coach zur Seite gestellt, der sie in die neue Technik der Elektrofähre einführt. Immmerhin ist diese Form der Binnenfähre zurzeit einmalig in Deutschland und natürlich auch in Luxemburg.