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Wer Strom sparen will, geht in die Bücherei

Stadtbibliotheken verleihen Messgerät zum Erfassen des Energieverbrauchs

(Konz/Bitburg/Hermeskeil) Neben Büchern, DVDs und Zeitschriften verleihen die Stadtbibliotheken in Konz, Bitburg und Hermeskeil jetzt auch Energiemessgeräte. Sie nehmen an einer deutschlandweiten Aktion teil. Der Hintergrund: Jeder soll Energie einsparen können - auch ohne ein Messgerät kaufen zu müssen.

11.06.2013
Christian Kremer
Der Stromzähler rattert und rattert. Dabei ist doch eigentlich kein Gerät in Betrieb, oder? Für besonders heimtückisch hält Clemens Hölter, Vorstandsvorsitzender der No-Energy-Stiftung für Klimaschutz und Ressourceneffizienz, Steckerleisten, die ausgeschaltet mehr Energie als eingeschaltet verbrauchen. "Da hilft nur sachliche Aufklärung", sagt er. Seine Stiftung geht zum Beispiel davon aus, dass deutschlandweit insgesamt Energie im Wert von sechs Milliarden Euro durch den Stand-by- oder Leerlauf-Betrieb von Fernsehern, DVD-Playern und ähnlichen Geräten verbraucht wird - bei 80,2 Millionen Einwohnern kommen pro Kopf jährlich 74,81 Euro zusammen.

Ohne Informationen zum genauen Energieverbrauch ist es jedoch nahezu unmöglich, die größten Stromfresser im Haushalt zu identifizieren. Unter dem Motto "leihen statt kaufen" stellt die No-Energy-Stiftung deswegen zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) 500 Bibliotheken Energiesparpakete zur Verfügung. "Mit dem Energiesparpaket helfen Bibliotheken den Nutzern, den aktuellen Stromverbrauch und mögliche Einsparpotenziale zu ermitteln", sagt UBA-Präsident Jochen Flasbarth.

Unter anderem hat die Konzer Stadtbibliothek eines der Messgeräte bekommen. In der Region Trier sind ansonsten nur die Bibliotheken in Hermeskeil und Bitburg beteiligt. Das Ausleihen der Geräte ist kostenlos. Jeder Bibliotheksnutzer darf das Gerät eine Woche lang behalten, um den Stromverbrauch in seinem Haushalt durchzumessen. "Ich habe das schon zu Hause getestet, und ich bin erstaunt, wie viel Strom Trafos von Stehlampen verbrauchen", sagt Karin Storf-Becker, Leiterin der Konzer Stadtbibliothek. Sie könne sich vorstellen, das Gerät auch an Menschen ohne Bibliotheksausweis zu verleihen.

Infos zum Energiesparen

Das Paket enthält neben dem Strom-Messgerät und einem Verlängerungskabel mit Ein-/Ausschalter eine ausführliche Bedienungsanleitung und wichtige Informationen zum Energiesparen. Das Messgerät wird zwischen Steckdose und das zu untersuchende Gerät gesteckt, dann wird der Stromverbrauch angezeigt. So sieht man zum Beispiel, ob die Waschmaschine im ausgeschalteten Zustand Strom zieht. Mit dem Messgerät lassen sich auch die jährlichen Betriebskosten des Kühlschranks ermitteln. So wird deutlich, wann es sich lohnt, ein neues Gerät anzuschaffen.

"Die Nachfrage ist schon jetzt sehr groß", sagt Storf-Becker. Zurzeit sei das Gerät im Umlauf.
Das dürfte Clemens Hölter von der No-Energy-Stiftung freuen. "Das Kerngeschäft der Bibliotheken ist Ausleihen", führt er aus. Wenn sich die Menschen ein solches Messgerät leihen, statt eines zu kaufen, tun sie auch schon etwas für die Umwelt: Es sei nicht nur kostengünstiger, sondern es werde auch die Energie für die Produktion weiterer Geräte gespart. Er kann sich vorstellen, dass künftig weitere Geräte an andere Bibliotheken ausgegeben werden.
Extra
"Die Teufelchen sind viele, viele kleine Stromfresser", sagt Clemens Hölter von der No-Energy-Stiftung. Insgesamt rate er dazu, beim Kauf neuer Geräte auf den Blauen Engel zu achten, mit dem das Umweltbundesamt besonders umweltfreundliche Produkte kennzeichnet. Vier Tipps vom Experten: Kühlschrank: Hier ist es wichtig, auch die Größe zu hinterfragen und auch, ob man unbedingt ein Eisfach braucht. Waschmaschinen und Trockner: Vor allem alte Geräte verbrauchen viel Energie. Fernseher, Computer und Stereoanlage bieten großes Einsparpotenzial - vor allem, indem man den Stand-by-Betrieb vermeidet. Heizungspumpe: Oft verbrauchen ältere Pumpen bis zu 100 Watt pro Jahr. Bei zwei Euro Kosten pro Watt sieht Hölter etwa 50 Watt und 100 Euro Einsparpotenzial pro Jahr. Eine neue Pumpe könnte sich durch die damit verbundenen Einsparungen innerhalb von drei bis vier Jahren refinanzieren. Tipps zum Energiesparen gibt es auch im Internet unter www.no-energy.de oder unter www.umweltbundesamt.de Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz verleiht ebenfalls kostenlos Energiemessgeräte. Zusammen mit den Kunden werten die Mitarbeiter sogar die Ergebnisse der Messungen aus. Die Außenstelle in Trier ist in der Fleischstraße 77, Telefon: 0651/48802. cmk

 

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