Geschichte hautnah erleben, das können die Besucher des Freilichtmuseums Roscheider Hof an diesem Wochenende. Der Studienkreis Militärgeschichte stellt dann die Besatzungszeit im Juli 1945 nach.
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Konz-Roscheid. Mit einem Jeep patrouillieren US-amerikanische Soldaten durch Roscheid. Noch haben sie hier das Kommando, doch in wenigen Tagen geht das Gebiet über in französische Verwaltung. Im Freilichtmuseum Roscheider Hof wird an diesem Wochenende die Zeit um genau 67 Jahre zurückgedreht: auf Juli 1945.
So authentisch wie möglich
"Lebendige Geschichte" heißt die Veranstaltungsreihe, bei der Besucher sich in vergangene Epochen zurückversetzen können - ins Mittelalter, in das 19. Jahrhundert oder, wie jetzt, in die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, die vielen Älteren noch gut in Erinnerung sein dürfte.
Verantwortlich für die Gestaltung der Zeitreise ist der Studienkreis Militärgeschichte, ein Verein mit Sitz in Königswinter bei Bonn, dessen Mitglieder aber aus ganz Deutschland und teilweise auch aus dem Ausland kommen. Insgesamt rund 60 Aktive sind im Museum vor Ort, auch von befreundeten Vereinen und Gruppen.
"Wir wollen alles so authentisch wie möglich darstellen", betont Volker Griesser, der die Rolle des William Morgan, eines Sergeants der US-Militärpolizei, übernimmt. Wie sehr auf jede Kleinigkeit geachtet wird, erklärt Arndt Gladen alias Militärgouverneur David Achenbach. Um Dokumente und Urkunden möglichst echt aussehen zu lassen, hat er eigens Stempel anfertigen lassen.
Bei so viel Liebe zum Detail ist es kein Wunder, dass alles nahezu generalstabsmäßig geplant ist: "Wir haben acht Monate Vorbereitung gehabt", sagt Gladen, "in einem Stundenansatz, der nicht mehr messbar ist." Dokumente sammeln, Akten studieren, Bücher lesen, das ist laut Griesser der Hauptteil der Arbeit. "Die sichtbare Leistung sind nur zehn Prozent", sagt er. Doch das historische Hobby ist nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv: Die mitgebrachten Gegenstände wie Fahrzeuge, Uniformen, Schreibmaschinen und vieles mehr haben einen Gesamtwert von 120 000 Euro, schätzt Gladen. Mit den Bedingungen vor Ort ist er überaus zufrieden: "Das Freilichtmuseum bietet ein sehr schönes Umfeld", findet er.
Mit seinen Aktionen verfolgt der Studienkreis auch ein pädagogisches Ziel: "Hier wird Geschichte auf eine viel direktere Art vermittelt, als es in der Schule möglich ist", meint Gladen.
Zeugnis für Kinder
Kinder bekommen einen Fragebogen, die Darsteller sind gerne bei der Suche nach den richtigen Antworten behilflich. Mit dem ausgefüllten Zettel können sich die Mädchen und Jungen dann im Schulhaus ein Zeugnis abholen.
Gladen wünscht sich auch, den Dialog zwischen Kindern und Großeltern zu fördern. "Und das schönste Kompliment für uns ist, wenn Oma oder Opa sagen: Genau so war es damals!"
Das Freilichtmuseum ist an diesem Wochenende sowohl am Samstag als auch am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es gelten die üblichen Eintrittspreise (Erwachsene fünf Euro, Kinder zwei Euro, Familien zehn Euro).
Extra
Die Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945, mit der die Alliierten formell die Regierungsgewalt in Deutschland übernahmen, sah die Bildung einer französischen Besatzungszone aus Teilen der britischen und US-amerikanischen Besatzungszonen vor, in die Westdeutschland bis dahin aufgeteilt war. Im Gebiet des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz ging die Besatzungshoheit am 10. Juli 1945 von den USA auf Frankreich über. Das Land Rheinland-Pfalz wurde schließlich am 30. August 1946 gegründet. daj
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