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Abenteuer Archäologie: Einmalig wertvoll

(Trier) Hinter den Kulissen des Landesmuseums entdecken Volksfreund-Leser wertvolle Zahlungsmittel. Von der Antike bis in die Neuzeit. Ein Gang durch Münzkabinett und Münzmagazin. Dossier zum Thema: Abenteuer Archäologie

07.10.2017
Mechthild Schneiders
Weiß und unscheinbar ist die Türe wenige Meter neben dem Grabaltar des Christoph von Rheineck aus dem Jahre 1531, an der sich Lars Blöck mit seinem Schlüssel zu schaffen macht. Die schwere Türe öffnet sich, schließt sich wieder hinter der Gruppe. Eine lange Treppe führt hinunter zu Blöcks Büro im Keller. Und auch dort ist die Türe verschlossen. Was heißt verschlossen? Ohne Passwort und Schlüssel geht hier gar nichts, wie bei einem Tresorraum. Und wie in einem Tresor liegen dahinter die größten Schätze des Rheinischen Landesmuseums in Trier: Wichtige archäologische Funde, zum Teil verpackt.

Die siebenköpfige Gruppe um Blöck ist keine normale Besuchergruppe. Die Volksfreund-Leser haben im Rahmen der Serie "Abenteuer Archäologie" und der Veranstaltungsreihe "TV - Wissen wie" eine Führung hinter die Kulissen des Rheinischen Landesmuseums gewonnen.

Nun stehen sie wieder vor einer weißen Türe. Auch hier kommt nur rein, wer die Pin weiß und eine Karte hat. Acht große Stahlschränke reihen sich an den Wänden, jeder gut zwei Meter hoch. Blöck öffnet eine Schranktüre. Zum Vorschein kommen viele flache Schubladen. In ihnen: Münzen - unzählige. Mehr als 200 000 Objekte umfasst die Sammlung des Museums - eine der größten numismatischen Abteilungen in ganz Deutschland. Für diesen Schatz ist Numismatiker Blöck zuständig. "Die Numismatik, die Münzkunde, ist eine alte Wissenschaft, sagt Blöck. "Es gab sie schon in der Antike, entstanden aus Liebhaberei."

Den Inhalt einer Schublade deponiert Blöck auf einem der Tische im Raum. Golden glänzen die Münzen, als wären sie gerade frisch gestanzt worden. Sie stammen aus dem zweitgrößten Fund aus der Mosel, der 1909 entdeckt wurde. "Die Bauarbeiter waren sich wohl nicht ganz sicher, was sie da vor sich haben", sagt Blöck, grinst und zeigt einen Zahnabdruck in der Goldmünze. Die sei gute Arbeit, auch von der Prägung her. Blöck nimmt das glänzende Zahlungsmittel und reicht sie seinen Gästen weiter.

Weniger strahlend, mit viel Patina liegen Münzen unterschiedlicher Materialien und Umfänge, von Reißnagelkopfgröße bis hin zu mehreren Millimeter dicken, fünf-DM-großen Stücken, in Kartons. Sie alle stammen aus der Mosel. Rund 35 000 Exemplare aus dem Fluss beherbergt das Münzmagazin im Museum. Weshalb es so viele sind? Blöck vermutet, dass dort keiner Wertgegenstände etwa wegen eines Krieges versteckt hat, wie das oft bei Hortfunden der Fall ist. "Das ist Weihegut. Die Menschen haben die Münzen geopfert, um die Mosel sicher zu überqueren." Denn bei den Römern - aber auch den Kelten - waren Flüsse Gottheiten. Dafür spreche auch, dass viele nicht so wertvolle Münzen dabei seien. Zahlreiche sind total abgegriffen, waren also lange in Umlauf.

"Schadet den Münzen das Wasser nicht?", will Rudolf Eiden wissen. Nein, die Schlammschicht, in der sie steckten, habe sie gut geschützt, und das Wasser tue ihnen gut, weiß Blöck. "Sie sehen toll aus und haben noch ihre Originalfarbe."

Welchen Wert die einzelnen römischen Münzarten hatten, ist auf dem Nachbartisch zu sehen. Dort funkelt der Aureus aus Gold, daneben liegen 25 silberne Denare - sie besitzen den gleichen Wert. Genauso wie die 100 Sesterzen, große Münzen aus Messing, die Blöck in zwei Reihen gestapelt hat, oder die 400 etwas kleineren Asse aus Bronze - das Kleingeld der Römer - in den vier Zweierreihen.

Münzen tauchten im Raum Trier, dem Gebiet des keltischen Stammes der Treverer, erstmals im 2. Jahrhundert vor Christus auf. Ein Hinweis auf den verstärkten Austausch mit dem Mittelmeerraum, wo die Menschen schon vor 600 v. Chr. mit Geld zahlten. Zu sehen sind sie im Münzkabinett mit etwa 12 000 ausgestellten Exemplaren - von der Kelten- über die Römer-, die Merowinger- und Karolingerzeit bis hin zu den Münzen und Medaillen der Trierer Erzbischöfe und Kurfürsten.

Um das 2. Jahrhundert entstanden in der Region Trier die ersten städtischen Siedlungen wie Kastel-Staadt. Dort habe es auch eine Münzproduktion gegeben, sagt Blöck. Die ersten Exemplare seien Kopien griechischer und römischer Originale gewesen. "War der Münzwert höher als der Metallwert?", fragt Reinhold Gerard. "Das ist anzunehmen, aber wir wissen nicht, wie viel das Geld wert war", sagt Blöck. "Es ist auch nicht bekannt, wer für die Prägung verantwortlich war und den Wert garantiert hat."

Mit den Römern kam auch deren Währung in die Region. Und als Trier Kaiserresidenz wurde, entwickelte sich die Stadt im 3. Jahrhundert n. Chr. zu einer der bedeutendsten Münzstätten des römischen Reiches. Zahlreiche Exemplare erzählen die Geschichte des Imperiums. Und über den Umgang mit Geld. Denn ab dem 3. Jahrhundert wurden etwa Denaren minderwertige Metalle zugemischt, der Materialwert sank. Und die Münzen wurden auch immer kleiner.

Einen Höhepunkt der Trierer Sammlung bildet der Münzschatz, der am 9. September 1993 bei Ausschachtungsarbeiten für eine Tiefgarage nahe der Römerbrücke gefunden wurde. Er enthält 2558 römische Goldmünzen und ist der größte bisher gefundene römische Goldschatz.

Beim exklusiven Einblick in Magazin und Münzkabinett wird den TV-Lesern klar: Hier zählt nicht nur der Materialwert der Zahlungsmittel. Viel Wertvoller sind die Informationen, die Numismatiker wie Blöck aus ihnen gewinnen können. "Wir können so viele Ergebnisse herausziehen und mit ihnen Siedlungsgeschichte schreiben, auch wenn sie klein und hässlich sind." Und er schaut in die Zukunft: "Ich möchte den Bestand digital erfassen lassen", sagt Blöck. Geplant sei dies im Rahmen eines Forschungsprojekts mit der Universität Heidelberg. Römische Münzen seien immer noch gefragt. Aktuell steige der Wert römischer Münzen, weiß Blöck: "Bei Sammlern sind die total hipp."
Extra: LANDESAUSSTELLUNG "VORZEITEN"
Zum 70. Geburtstag des Landes zeigt eine Ausstellung im Landesmuseum in Mainz die Bandbreite dessen, was die heimischen Altertumsforscher in den vergangenen Jahrzehnten entdeckt haben. "vorZEITEN" - Archäologische Schätze an Rhein und Mosel" ist der Name der Schau, die bis 7. Januar zu sehen ist. Sie ist ein Streifzug durch 800 000 Jahre Menschheitsgeschichte - von den erdgeschichtlichen Anfängen bis zur Gegenwart.
Informationen: www.vorzeiten-ausstellung.de
 
Extra: UND SO GEHT ES WEITER
Im vorigen Teil unserer Serie Abenteuer Archäologie ging es unter der Überschrift "Das Geheimnis der verschollenen Eidechse" um neuzeitliche Funde aus der Zeit der Bombenangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Im nächsten werfen wir einen Blick auf die ersten Voruntersuchungen zur Errichtungsstelle der neuen Karl-Marx-Statue.
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