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Andreas Bourani singt in Luxemburg vor 6000 Menschen

(Esch/Alzette) Der Augsburger Sänger Andreas Bourani hat vor 6000 Fans in der ausverkauften Rockhal in Esch/Alzette gespielt. Bei seinem Konzert gewährt er dem Publikum tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt. Er spricht von Selbstzweifeln, zu hohen Ansprüchen an sich selbst und einem möglichen Ende mit der Musik.

28.01.2016
Sebastian Klipp
Esch/Alzette. Andreas Bourani ist ein Wiederholungstäter. Sein Konzert in der Rockhal war seit Wochen ausverkauft. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte er in der ebenfalls ausverkauften luxemburgischen Konzerthalle Den Atelier gespielt. "Wer war denn damals schon dabei?", fragt der 32-jährige Augsburger sein Publikum. Die Resonanz ist bis auf ein paar Rufe aus den ersten Reihen gering. Kein Wunder, denn in die ausverkaufte Rockhal passen knapp 5000 Menschen mehr als ins Atelier, wo nur etwa 1000 Menschen Platz finden.

Ein Jahr später wirkt alles größer, ausgedachter, reifer. Fünf riesige LED-Quader bilden das Bühnenbild. Darauf werden im Wechsel mal ein rot-schwarzer Konfettiregen, geometrische Figuren oder das Livebild angezeigt.

Ein langer Steg ins Publikum

Auch sonst dominiert bei Bourani die Geometrie. Sein Logo besteht aus einem unregelmäßigen Fünfeck. Es gleicht dem Wappen des Filmhelden Superman. Nach diesem Muster sind dann auch die Lampen der Bühnenbeleuchtung ausgerichtet. Von der Mitte der Bühne ragt ein etwa zehn Meter langer Steg ins Publikum. An dessen Ende steht eine viereckige Plattform. Immer wieder wechselt der Sänger mit seiner Band von der großen Hauptbühne auf die kleine Plattform. Dadurch haben auch die hinteren Reihen die Möglichkeit, ihren Star einmal aus der Nähe zu sehen.
Emotionale Nähe schafft Bourani ansonsten mit seinen Liedtexten. Darin spricht er konsequent die Gefühle an, die vermutlich fast jeder früher oder später im Leben einmal selbst erfährt. So zum Beispiel beim Titel "Delirium". "Das Lied richtet sich an alle, die schon einmal unglücklich verliebt waren", sagt er dann.

Im Publikum werfen sich viele Zuschauer einen flüchtigen Blick zu. Die einen lächeln dabei, die andern zucken mit den Schultern. Getroffen scheint jeder. "Es ist nicht leicht, dir zu begegnen, ich kann nichts dagegen tun. Ich schaff es nicht, dich aufzugeben, dabei tust du mir nicht gut." Den Refrain des Liedes singt fast die gesamte Halle mit.

Zwischen den Liedern gewährt Bourani hin und wieder auch Einblicke in seine eigene Gefühlswelt. Im Mai 2014 ist sein aktuelles Album "Hey" erschienen. "Als ich das Album geschrieben habe, habe ich mich zeitweise nicht gut gefühlt", sagt er.

Luxemburg ragt heraus

Er spricht von Selbstzweifeln und "wahnsinnig hohen" Ansprüchen, die er an sich selbst gestellt habe. "Ich habe sogar überlegt, mit der Musik aufzuhören." In seinem Lied "Hey" hat er diese Zeit verarbeitet. Er singt: "Hey, sei nicht so hart zu dir selbst. Es ist okay, wenn du fällst. Auch wenn alles zerbricht, geht es weiter für dich." Es sei wahnsinnig schön, ein Lied zu schreiben, mit dem man so viel verbindet, sagt er dann. Im Publikum herrscht andächtige Ruhe.
Dass sein Publikum auch tanzen kann, zeigt sich spätestens beim Lied "Astronaut", das er ursprünglich mit dem deutschen Rapper Sido aufgenommen hat. Sido selbst war nicht vor Ort, das Lied kam trotzdem gut an. Die Zuschauer zappeln in allen Ausführungen zum geradlinigen Beat des Refrains.

Dass Bourani nach dem Auftritt im vergangenen Jahr noch einmal in Luxemburg vorbeischauen würde, lag für den Sänger auf der Hand: "Ich habe tatsächlich - und das sage ich nicht auf jeder Show- …" Das Publikum unterbricht ihn mit schallendem Gelächter. "Nein, wirklich", verteidigt er sich. "Ich habe überlegt, wo wir bei der Tour die geilste Show gespielt haben." Und das war wenig überraschend: "Hier in Luxemburg." Geht es danach, wird Bourani bei seiner nächsten Tour wieder nicht an Luxemburg vorbeikommen. So sieht es zumindest eine Besucherin, die aus dem saarländischen Saarlouis angereist ist: "Das war sooo geil."

 

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