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Andreas Gabalier lässt mit volkstümlicher Musik Alpenstimmung in Trier aufkommen

(Trier) Andreas Gabalier sprengt musikalische Grenzen: Mit seinem "Volks-Rock-’n’-Roll" schwimmt er derzeit ganz oben auf der Erfolgswelle. In der ausverkauften Arena Trier haben 6000 Besucher den Steirer Sänger gefeiert.

29.01.2016
Daniel John
Trier. "Jo jo, des Steirerland, des is mei Heimatland", tönt es aus 6000 Kehlen. Fesche Madln im Dirndl - entweder ganz klassisch, mit Leo-Print oder einem Hauch von Gothic, wahlweise aber auch in krachledernen Hot Pants - und flotte Buam im rot-weißen Karohemd liegen sich in den Armen. Aber schnell mal nachgeschaut: Hier ist nicht die Grazer Stadthalle, sondern die Arena Trier, und draußen fließt immer noch die Mosel, nicht die Mur.

Der Mann, der - zumindest für drei Stunden - einheimische Moselblümchen in steirische Lokalpatriotinnen verwandelt, heißt Andreas Gabalier, ist 31 Jahre alt, stammt aus Graz - und er macht Musik. Und was für welche!
Was für welche? "Andreas Georg Gabalier ist ein österreichischer Sänger der volkstümlichen Musik", heißt es lapidar in der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Und ja, er singt in seiner Mundart von der Heimat, von den Bergen, greift auch gerne mal zur steirischen Harmonika.

Aber das ist nur die eine Seite des selbsternannten "Volks-Rock-’n’-Rollers": Denn dort, wo bei der Zugabe im Schein der Feuerzeuge und Handy-Displays gemütliche Almhüttenstimmung herrscht, zuckten zuvor Stroboskop-Blitze durch die von dröhnenden Bässen erfüllte Halle.
Schon nach den ersten Liedern rinnen die Schweißperlen von der Stirn des Sängers. "Ich kann nicht mehr", sagt er grinsend - wohl wissend, dass er noch mehr als zwei kraftraubende Stunden - ohne Pause! - vor sich hat. "Könnt ihr noch?", fragt er das Publikum, seine "lieben Freunde". "Soll ich noch ein paar Zu gaben spielen?" Die Antwort ist klar, denn jetzt legt der "Mountain Man" - so der Titel der aktuellen CD und der Tournee - erst richtig los.

Rehlein und Zuckerpuppen


"I sing a Liad für di", heißt es dann mit viel "Hulapalu" - und angesprochen fühlen dürfen sich dabei alle "Zuckerpuppen", "Sweet Little Rehlein" und Bergbauernbuam". Wer solche Titel singt und dazu eine karierte Sonnenbrille mit Hirschgeweih trägt, der weiß natürlich, dass seine ganze Inszenierung die Grenze zum Kitsch nicht nur streift, sondern auch gerne überschreitet. Aber gerade diese Mischung von ironisierender, ja parodierender Fassade, echter Heimatliebe und einfach grenzenlosem Spaß an der Musik ist das Erfolgsrezept - eine Mischung, die fürs Hitradio ebenso taugt wie für die Schlagerwelle - und für ein Konzert, bei dem Opa und Enkelin gleich viel Freude haben können. Es gibt aber auch ernste Momente: Wenn Gabalier für eine krebskranke Freundin "Kleiner Schmetterling" singt, könnte man eine Stecknadel fallen hören, und "Amoi seg’ ma uns wieda" widmet er seinem Vater und seiner Schwester, die sich vor einigen Jahren nacheinander das Leben nahmen. Das Leben besteht eben nicht nur aus Spaß.
Extra
Mit seinem aktuellen Album "Mountain Man" hat es Andreas Gabalier erstmals an die Spitze der deutschen Charts geschafft. In Österreich war ihm das schon dreimal vorher gelungen. Zu den Auszeichnungen, die der Steirer erhalten hat, gehören unter anderem der Echo 2015 in der Kategorie "Volkstümliche Musik" sowie der österreichische Amadeus Award für den besten Live-Act. Die Tournee lief so gut, dass zwei zusätzliche Termine angefügt wurden: am Donnerstag in Trier und am Tag zuvor in Offenburg. daj

 

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