ausallerwelt/kultur
15.11.2017

Aufstehen! Tanzen!

(Wawern) Nina Attal bringt die Wawerner Synagoge mit Blues, Soul und Rock zum Kochen.

Wawern (DT) Ein grauer November-Montagabend überall an der Saar? Nein, nicht überall. In Wawerns ehemaliger Synagoge brodelt das Blut und die musikalischen Funken schlagen heiß beim Konzert von Nina Attal.
Die zierliche Französin als Singer-Songwriterin zu betiteln, wäre die Untertreibung des Jahres: Was die 25-jährige Pariserin aus ihrer Kehle und ihrer E-Gitarre holt, ist eine fulminante Mischung aus Blues, Soul und Rockmusik, alles selbst geschrieben, alles handgemacht. Und mit einer Wucht dargeboten, dass es keiner großen Überredungskunst bedarf, um die Zuschauer zum Tanzen zu bewegen. Sogar Salsa steht dann auf dem Programm, die Vortänzerin heißt Nina Attal und alle shuffeln mit.
Dabei hat sie ihre stärksten Momente bei den leisen, emotionalen und souligen Nummern, wenn selbst der formidable Keyborder - dessen Vorbild der legendäre Joe Sample zu sein scheint - und sein nicht minder begabter Kollegen am Schlagwerk ihre Instrumente ruhen lassen. Attal singt überwiegend auf Englisch, manche ihrer Songs in der Muttersprache Französisch. Sie hat den Blues im Blut, aber auch Funk und Rock’n’Roll gehören zum Repertoire, inklusive Headbanging und einem Rundgang mit der Gitarre durchs Publikum bis auf die kleine Empore. Attal liebt die Nähe zum Publikum und lässt es krachen. Oder sie schaltet den Verstärker aus und haucht ohne Mikrofon eine Ballade in den Raum. In manchen Momenten erinnert Attal an die junge Randy Crawford. Das "Street Life" von New York hat sie bei Plattenaufnahmen mit Chic-Bassist Jerry Barnes - der mit Nile Rodgers, Diana Ross und Stevie Wonder gearbeitet hat - schon gekostet. Nina ist bei großen Festivals wie dem Montreal Jazz Festival aufgetreten und bezeichnet sich selbst als von B.B. King, Prince und Lenny Kravitz beeinflusst. Und das alles lässt sich hören.
Zum Abschluss des vom bunt gemischten Publikum frenetisch gefeierten Konzertes richtet sie einen Appell an die rund drei Dutzend Zuschauer in der damit fast voll besetzten Synagoge: "Geht weiterhin auf Live-Konzerte, damit macht ihr die Welt besser!" Wie wahr!