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Dem Glück auf der Spur

Psychotherapeut und Bestsellerautor Manfred Lütz kommt zum Eifel-Literatur-Festival

(Prüm) Eine so vielschichtige wie schillernde Persönlichkeit ist Manfred Lütz, der im Juni zum Eifel-Literatur-Festival nach Prüm kommt. Er ist Adelsspross, Philosoph, Theologe, Facharzt für Nervenheilkunde, Psychiater und Psychotherapeut sowie Bestsellerautor. Mit humorvoll-kritischen Betrachtungen von Gesellschaftsphänomenen hat er schon so manche Debatte angestoßen.

11.02.2016
Anke Emmerling
Prüm. Manfred Lütz ist ein Mann, der sich gesellschaftlich engagiert und in Wort und Tat gerne gegen den Strom schwimmt. Dabei baut er auf ein solides Fundament aus akademischer Bildung und praktischer Erfahrung. Er hat verschiedene Facharztabschlüsse und ein Diplom in katholischer Theologie, ist als Psychiater und Psychotherapeut Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln-Porz und als Theologe Mitglied des Päpstlichen Rates für die Laien, Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben sowie Berater der Vatikanischen Kleruskongregation.

Eifel-Literatur-Festival 2016


Stets sucht er die kritische Auseinandersetzung und neue Wege. So ist er ein Verfechter lösungsorientierter Therapieansätze und hat bereits 1981 in Bonn eine integrative Gruppe aus rund 200 Menschen mit und ohne Behinderungen, die "Brücke-Krücke", gegründet. Auch trat er in Disput mit dem Kirchenrebellen und Psychotherapeuten Eugen Drewermann, dem er wissenschaftlichen Dilettantismus vorwirft.
Einer großen Öffentlichkeit ist Manfred Lütz als Autor mehrerer Bestseller bekannt. Aus der Warte des Therapeuten hat er humorvoll bis satirisch unter anderem Diät-, Gesundheits- und Fitnesswahn unter die Lupe genommen. Für Aufsehen sorgte auch seine so heitere wie scharfzüngige Gesellschaftsanalyse "Ist ja irre - Wir behandeln die Falschen".
Mit seinem neuesten Buch "Wie Sie unvermeidlich glücklich werden" kommt er am Donnerstag, 2. Juni, zum Eifel-Literatur-Festival nach Prüm in die Aula der ehemaligen Hauptschule. Vorab hat er unserer Mitarbeiterin Anke Emmerling ein Interview gegeben.
Was hat Ihnen den Anstoß gegeben, dieses Buch über das Glück zu schreiben?
Manfred Lütz: Als Psychotherapeut ärgern mich diese ganzen selbsternannten Glücksgurus, die behaupten, die Leute glücklich machen zu wollen, in Wirklichkeit aber eine gigantische lukrative Anleitung zum Unglücklichsein veranstalten, weil sie in ihren Büchern beschreiben, wie sie persönlich glücklich geworden sind und den Leser dann unglücklich zurücklassen, weil der ja nun mal leider nicht der Autor ist. Dann kann der gleich den nächsten Glücksratgeber kaufen.
Wie kam es zu dem Titel? Schürt "Wie Sie unvermeidlich glücklich werden" nicht gerade bei den Menschen Hoffnungen, die Sie am Anfang des Buches als verzweifelte Suchende beschreiben und die eventuell Rezepte erwarten?
Lütz: Natürlich ist der Titel auch ein bisschen ironisch gemeint, gegen den Ratgebertsunami, aber er hat auch einen ernsten Kern. Der Philosoph Karl Jaspers hat darauf hingewiesen, dass die Grenzsituationen menschlicher Existenz unvermeidlich sind, Leid, Schuld, Kampf und Tod. Und wenn man zeigen könnte, wie man in diesen unvermeidlichen Situationen glücklich sein kann, dann kann man unvermeidlich glücklich sein, das ist ja logisch.
Sie schreiben, Glück gebe es nicht als allgemeines Ideal. Aber gibt es bestimmte Parameter, die ein Gros der Menschen mit der Definition von Glück verbindet? Immerhin ist es ja ein Menschheitsthema.
Lütz: Jeder meint ein bisschen etwas anderes, wenn er sagt: Ich bin glücklich. Sie zum Beispiel verbinden, wenn sie die Buchstabenkombination "glücklich" verwenden, mit diesem Wort bestimmte Melodien, bestimmte Gerüche, bestimmte Situationen, die niemand sonst so erlebt hat. Dennoch kann man sich für sein persönliches Glück anregen lassen. Daher habe ich in meinem Buch eine kleine Geschichte der Philosophie des Glücks verfasst und allgemeinverständlich und unterhaltsam die ganz unterschiedlichen Wege beschrieben, die die gescheitesten Menschen der Welt zum Glück gewiesen haben, und jeder Leser kann dann selber entscheiden, was für ihn passt.
Was ist Glück für Sie persönlich?
Lütz: Wer öffentlich über seine intimsten Glücksmomente redet, ist nicht ganz bei Trost.
Hat sich Ihre Vorstellung oder Ihr Gefühl vom Glück durch die Beschäftigung mit Gedanken und Thesen zum Thema verändert? Und wenn ja wie?
Lütz: Mir ist aufgefallen, wie sehr ein falscher Glücksbegriff die gesellschaftliche Situation mitbestimmt. Dieses Glück als Ego-Trip, bei dem man sich dauernd selbst optimiert und seine Glücksgefühle maximiert, ist Unsinn. Unser Dorf ist glücklicher, seit wir Flüchtlinge haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Menschen in Not zu helfen erlebt man als in sich sinnvoll. Und so etwas macht glücklich.
Extra
20 Autoren lesen beim Eifel-Literatur-Festival 2016, die ersten 14 Veranstaltungen gibt es von April bis Juli. Der TV stellt die Autoren und ihre Werke vor (in unserer Gesamtübersicht ist der Name des jeweiligen Autors blau gefettet). A bedeutet ausverkauft. Nele Neuhaus, Freitag, 15. April, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg (A) Pater Anselm Grün, "Was der Seele gut tut", Donnerstag, 21. April, 20 Uhr, Aula der ehemaligen Hauptschule in Prüm (A) Dora Heldt, Freitag, 29. April, 20 Uhr, Forum, Daun Felicitas Hoppe, Dienstag, 3. Mai, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg Horst Evers, "Alles außer irdisch", Mittwoch, 11. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm Jan Weiler, "Im Reich der Pubertiere", Freitag, 13. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg Leslie Malton, "Brief an meine Schwester", Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm Giulia Enders, "Darm mit Charme", Samstag, 21. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg Anne Weber, Dienstag, 24. Mai, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg Manfred Lütz, Donnerstag, 2. Juni, 20 Uhr, Aula der ehemaligen Hauptschule Prüm Ulla Hahn, "Spiel der Zeit", Freitag, 3. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg (A) Kirsten Boie, Freitag, 3. Juni, 10.30 Uhr, Aula St. Matthias-Gymnasium Gerolstein (A) Friedrich Christian Delius, Freitag, 24. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg Max Moor, "Als Max noch Dieter war", Freitag, 8. Juli, 20 Uhr, Cusanus-Gymnasium, Wittlich Literaturherbst: Bereits ausverkauft sind die Veranstaltungen mit Sebastian Fitzek (29. Oktober) und Anselm Grün (6. Oktober). Karten für alle Veranstaltungen gibt es im TV-Service-Center Trier, unter 0651/7199-996 sowie im Internet auf www.volksfreund.de/tickets
Extra
Das Buch "Wie Sie unvermeidlich glücklich werden" ist kein Ratgeber und kein Rezeptbuch. Autor Manfred Lütz selbst bezeichnet es als einen Anti-Ratgeber, eine Befreiung von professionellem Besserwissertum und Anleitung zu einem selbstbewussten Leben. Es beginnt mit einem Exkurs über Glückssucht aus psychologischer Sicht. Darin prangert Lütz auch skrupellose Profitmacherei mit menschlichen Sehnsüchten an. Danach jedoch fächert er einen bunten Strauß an inspirierenden Anstößen zum Thema auf. Da finden sich Modelle, Mythen, Thesen, Betrachtungen und Anekdoten, unter anderem aus einem Streifzug durch die Geschichte der Philosophie. Hier erfahren Leser, was Platon, Aristoteles und andere bedeutende Geister, darunter auch Lütz’ Tante Cläre, über das Glück dachten. Bei allem Tiefgang ist das Buch sehr unterhaltsam. Lütz schreibt locker, humorvoll und gut verständlich. Witzige und originelle Kapitelüberschriften wie "Glückspilz - eine tödliche Krankheit?" wecken Neugier auf die Inhalte. Am Ende der Lektüre hat der Leser viele Anregungen bekommen, mit denen er seinen Begriff vom Glück abgleichen und sein Verhältnis dazu selbst bestimmen kann. ae Manfred Lütz "Wie Sie unvermeidlich glücklich werden", Gütersloher Verlagshaus, 192 Seiten, 17,99 Euro