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Diabolischer Satansbraten

Saarburg: Ingo Naujoks zu Gast beim Literaturfestival - Autorenpreis für Frank P. Meyer

(Saarburg) Der Schauspieler Ingo Naujoks serviert beim zweiten Saar-Hunsrück Literatur- und Musikfestival auf der Saarburg ein höllisches Wortgericht. Die erstmals verliehenen Literaturpreise werden von Schirmherrin Julia Klöckner an Petra Horst, Franziska Wonnebauer und dem ehemaligen Trierer Stadtschreiber Frank P. Meyer übergeben.

31.08.2014
Alexander Schumitz

MP3: Frank P. Meyer


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MP3: Petra Horst


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Saarburg. Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, schwarzes Jackett. Ob so wohl der Teufel aussieht? Für den Schauspieler Ingo Naujoks gibt es daran überhaupt keinen Zweifel. In seinem Bühnenprogramm "Apocalypso - Ein Lied für den Teufel" verkörpert Naujoks ihn äußerst glaubwürdig. Einen Teil seines Programms hat er auf dem Saar-Hunsrück Literatur- und Musikfestival präsentiert.
Als Küchenmeister in der Hölle spielt Naujoks eine diabolisch-gestörte Persönlichkeit. Einerseits muss er das Inferno ausreichend attraktiv gestalten, so dass die Menschen Lust haben, dieses Lokal zu betreten. Andererseits ist die Konkurrenz stark: Heerscharen von Engeln versuchen, die Menschen ins himmlische Paradies zu lotsen.
Da muss sich der Teufel schon was einfallen lassen: Auf seiner Karte steht der Satansbraten, gewürzt mit einer Prise Kokain und vielen weiteren Drogen. "Man nennt mich den großen Verführer. Die einzigen, die das Sündenregister noch lesen können, sind die Pfaffen. Aber ich habe die besseren Schüler: Horst Seehofer, Silvio Berlusconi oder Don Juan."
Das Betriebsfest in der Hölle hat einiges an Unterhaltung zu bieten. Immanuel Kant und Niccolò Machiavelli diskutieren über die Vernunft, und Mahatma Ghandi versucht, diesen Streit der beiden zu schlichten. Im Hintergrund ist zu beobachten, wie Friedrich Nietzsche die heilige Jean d\'Arc auspeitscht. Davon lassen sich Benito Mussolini und Adolf Hitler aber nicht abhalten, einen Klammerblues zu tanzen, zeitgerecht von Leni Riefenstahl für Youtube aufbereitet. Aber als Unternehmensmanager ist dem Teufel auch klar: "Die Schornsteine müssen rauchen. Dazu brauchen wir krumme Hunde wie mich."
Naujoks ist ein diabolischer Satansbraten, der mit subtil- schwarzem Humor seine Zuhörer auf einem höllischen Wortfeuerwerk röstet. Kongenial begleitet wird er am Piano von Niclas Ramdohr.
Die vom Saar-Hunsrück Literatur- und Musikfestival erstmals vergebenen Preise wurden an die drei von einer Fachjury ausgewählten Buchautoren von der Schirmherrin Julia Klöckner gestern übergeben. In der Kategorie Bestes Kinder- und Jugendbuch hat Petra Horst mit ihrem historischen Roman "Im Winter des Wolfes - Lavidia und Armin" gewonnen. Beste Jungautorin wurde Franziska Wonnebauer für ihr Jugendbuch "The Peppermints auf großer Tour". Den Belletristikpreis erhielt der ehemalige Trierer Stadtschreiber Frank P. Meyer für seine "Kurzgeschichten aus Trier und Umgebung".
Fotos und Originaltöne vom Festival unter www.volksfreund.de/literaturfestival
Extra
Julia Klöckner, CDU-Landesvorsitzende und Schirmherrin der Veranstaltung: Welche Bedeutung sehen Sie in dem Literaturfestival? Julia Klöckner: "Diese Veranstaltung ist deshalb wichtig, weil damit die regionale Literaturszene eine Plattform bekommt, auf der sie sich präsentieren kann. Wie man am Beispiel des Eifelkrimi-Festivals sehen kann, profitiert davon eine ganze Region. Dieses Ziel haben wir für die Region Saar-Hunsrück auch fest im Blick." Was sagen Sie zu den preisgekrönten Autoren? Klöckner: "Mich hat beeindruckt, wie vielfältig die ausgewählten Geschichten sind. Da hat jede ihren individuellen Stil. Besonders freue ich mich, dass eine jugendliche Autorin eine spannend zu lesende Story über eine Mädchenbande vorgelegt hat. Das macht Lust auf mehr." Was war das letzte Buch, das Sie gelesen haben? Klöckner: "Das war ,Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von dem japanischen Schriftsteller Haruki Murakami. Der Autor hat eine ganz klare Sprache, er schreibt kurze Sätze. Aber er zieht einen rein in die psychologischen Wirrungen seiner Protagonisten. Es ist eine sehr beklemmende Geschichte. Und als Leser fragt man sich, warum wird der Hauptcharakter von seinen Freunden aus deren Kreis ausgeschlossen." Sie haben selbst ein Buch geschrieben ... Klöckner: "Mit dem befreundeten Theologen Thomas Hartmann zusammen " Der Wein erfreue des Menschen Herz - allerdings längst vergriffen." itz