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Die Bühne als Mittel gegen Mobbing

Musikalisches Projekt mit Jugendlichen aus Trier und der Region wirbt für Toleranz - Am Samstag Uraufführung

(Trier) 40 junge Nachwuchskünstler, Musik, Theater, Gesang, Show, und das alles zu einem packenden Thema wie Mobbing: Dieses Projekt in Trier ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Nächste Woche fällt im Brunnenhof der Startschuss zu "It gets better? - ätt git besser!"

13.08.2012
Dieter Lintz
Trier. Emma Bergmann ist tot. Sie hat sich umgebracht, weil sie das Mobbing ihrer Mitschüler nicht mehr ausgehalten hat. Bei der Beisetzung trifft sie, als fiktive Figur, auf ihre Peiniger, auf Eltern, Lehrer, Freunde. Ihr eindrucksvoller Monolog wird zu einer Art Abrechnung - ein bewegender Moment, selbst in der nüchternen Proben-Atmosphäre.
Der Text stammt von Katja, die die Rolle der Emma verkörpert. Sie verarbeitet eigene Erfahrungen. "Ich war eine ziemliche Außenseiterin in der Schule", erzählt sie freimütig. Auch Vicky, ihre Kollegin als Sängerin und Darstellerin, erinnert sich an traurige Erfahrungen aus ihrer Schulzeit. Dumme Kommentare und beleidigende Sprüche, weil sie nicht gerade eine Model-Figur hat. Bei Alina war es eine Gehbehinderung, die sie zum Gespött mancher Klassenkameraden werden ließ. "Man härtet sich extrem ab, um nicht kaputt zu gehen", sagt sie.
Katja, Vicky, Alina: Sie alle haben die schlimme Phase überwunden, sind junge Frauen, die heute darüber reden können. Dass es so ist, hat auch damit zu tun, dass sie seit Schülerzeiten Theater gespielt und gesungen haben. "Auf der Bühne ist man eine andere", sagt Vicky.
An dieser Stelle kommt Beatrice Bergér ins Spiel, Sängerin und Gesangspädagogin aus Trier. Seit Jahren arbeitet sie mit Kindern und Jugendlichen, unter anderem im Verein Mut\'s e.V. Anfang letzten Jahres kam eine Schülerin auf sie zu und sang ihr das Titellied einer Aktion in den USA vor, die Schüler gegen Mobbing sensibilisiert - ausgelöst durch eine Welle von Selbsttötungen.
Aus dem beeindruckenden Song wurde mehr - ein ganzes Programm. Joachim Mayer-Ullmann von der städtischen Musical-School kam mit ins Boot, und die Regisseurin Sandra Karl vom Satiricon-Theater. Bald waren über 30 Akteure zwischen 14 und 28 beisammen, nebst Band. Und schnell war man sich einig, dass das gemeinsame Projekt eine Mischung sein solle aus Schauspiel, Musical und Konzert.
Dabei spielt Authentizität eine besondere Rolle. Bei der Entwicklung des Stücks wurde den jungen Akteuren "nichts übergestülpt" (Sandra Karl), sie konnten eigene Texte und Ideen einbringen. Bis hin zu der Entscheidung, das eigene, ganz persönliche Mobbing-Schicksal auf der Bühne zu offenbaren.
Dabei ist freilich der Spaß als wichtige Komponente nicht verloren gegangen. "Wir sind ja keine Selbsthilfegruppe", sagt Marius, der Sonnyboy der Truppe, der nach eigenem Bekenntnis "mit Mobbing nie Probleme hatte", sich aber auch für andere verantwortlich fühlt. Für ihn ist das Projekt ein Schritt auf dem Weg in eine neue Karriere: der gelernte Koch will professioneller Musicaldarsteller werden.
Entsprechend heftig schuftet er seit Monaten mit dem Rest der Crew bei den Proben in der Karl-Berg-Musikschule und in der Tufa. "Da steckt wahnsinnig viel Arbeit drin", sagt auch die "Chefin" Beatrice Bergér. Am 18. August schlägt die Stunde der Wahrheit - bei der Premiere im Brunnenhof. Möglicherweise könnte das aber auch gleich die letzte Vorstellung sein - es fehlt am nötigen Budget für eine Tour durch die Schulen der Region, obwohl alle Beteiligten große Lust darauf hätten.
Vielleicht, so die Hoffnung, schafft ein großer Erfolg bei der Uraufführung auch Interesse bei potenziellen Sponsoren und Unterstützern. Auch bei "Meine Hilfe zählt" ist das Projekt vertreten.
Antimobbing-Benefizkonzert am 18. August von 18.30 bis 22 Uhr im Brunnenhof Trier. Der Erlös kommt der Jugendeinrichtung Blue und dem Verein Mut\'s zugute. Tickets: 0176/50362442, per Mail ticket@berger-productions.com oder an der Abendkasse.