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Die mit dem Regen tanzen: "Nie mehr ein August ohne e-Lake"

(Echternach) Mieses Wetter, großartige Stimmung, kontrastreicher Musikmix: Beim e-Lake-Festival am Echternacher See sind am Wochenende Rock und HipHop auf Elektrosounds getroffen.

13.08.2017
Mandy Radics
Musikalisch ist das e-Lake definitiv ein Festival der Kontraste - und das Konzept funktioniert. Für jeden Musikgeschmack wird hier ein Plätzchen geschaffen. Das zieht an jedem der drei Tage ein unterschiedliches Publikum an.

Am Samstag ist das "e" im Namen des Festivals Programm - alle Zeichen stehen auf Elektro. Die Bühne gehört den Einzelkämpfern an ihren Mischpults, wo zahlreiche Knöpfe gedreht und gedrückt werden. DJs wie David Gravell, Mark Sixma und Saander van Doorn stehen hinter ihren DJ-Pults wie Götter vor ihrem Volk. Das huldigt seinen DJs, vor allem jedoch den krachenden Elektro-Beats, deren extremer Bass aus den Boxen direkt in die Körper der Zuschauer fährt und diese vibrieren lässt. Einfach die Augen schließen und sich zum Beat des Elektrosounds bewegen, während selbst das Blut durch die Vibration mitzutanzen scheint. Das Gelände ist in tausend Lichtblitze einer Lasershow in allen Farben getaucht. Auf der Bühne bewegen sich leicht verhüllte Tänzerinnen lasziv im Rhythmus.

John Bley ist selbst DJ und lobt die Qualität. Doch mit seinen 30 Jahren ist er ein alter e-Lake-Hase: "Ich war zum ersten Mal hier, als ich acht war. Da hieß das Festival noch Open-Air-Party." Er erinnert sich noch genau, dass er zum Schlafen damals in ein Feuerwehrauto gelegt wurde. "Damals war das ein kleines Dorffest. Heute ist es das Dorf, das ein großes Fest feiert." Von anfänglich 400 Besuchern hat sich das e-Lake zum größten Festival Luxemburgs mit rund 25.000 Zuschauern entwickelt.

Alle Infos rund um das e-Lake auf rock-the-region.de

Der Start am Freitag ist eine echte Zitterpartie. Denn pünktlich zur Öffnung des Festival-Geländes, das unmittelbar am Echternacher See liegt, setzt der Regen ein. Hüllt alles in Grautöne. Macht ein Sitzen auf den Hügeln, die die Bühnen amphitheaterähnlich umgeben, ungemütlich. Egal, am Jägermeisterstand gibt's orangefarbene Regenponchos. Schirme werden aufgespannt.

Und siehe da. Das Gelände füllt sich. Das freut nicht nur die Besucher, sondern auch die Veranstalter, die das Festival zum 22. Mal ehrenamtlich stemmen. Das Markenzeichen von e-Lake: Es kostet keinen Eintritt. Die Zuschauer können also umsonst die Topacts des Abends sehen. Die sind mit Eko Fresh, Don Broco und Royal Republic eine feine Mischung zum Feiern.

Nasses Gras, weicher Boden - klar, dass es ein wenig rutschig und schlammig ist. Der geübte Festivalbesucher kennt das, steht nach der Rutschpartie wieder auf und feiert einfach weiter. Immer wieder Regenschauer. Der Stimmung tut das so gar keinen Abbruch.

Mireille Gitzinger ist zum zweiten Mal dabei: "Die Musik ist cool, die Leute haben eine super Stimmung. Ein dickes Lob an die Crew, die das ehrenamtlich macht." Für sie ist klar: "Nie mehr ein August ohne e-Lake."

Als Eko Fresh auf die Bühne steigt, geht die Post richtig ab. Die Hände bleiben in der Luft. Jeder der mit Kraftworten geladenen Texte wird mitgeschmettert. "Jump, jump, jump!" bringt die Zuschauer zum Springen. Das macht Stimmung, das hält warm.

Don Broco geben eine richtig gute Bühnenshow. Gepflegter Rock. Lässig. Ansteckend. Die Stimmung bei den Leuten jeden Alters ist ausgelassen. Kann das noch getoppt werden? Oh ja, das geht.

Denn Headliner Royal Republic ist jetzt dran. Die Gentlemen aus Schweden zeigen vom ersten bis zum letzten Ton eine betörende Präsenz und liefern eine Show, der niemand entkommen kann, der auch gar niemand entkommen will. Everybody wants to be an Astronaut, schmettert Frontman Adam Grahn in sein Mikro. Die Zuschauer tun es ihm nach. Zwischendurch flirtet der smarte Sänger mit Schnauzbart und nach hinten gegeelter Mähne mit ein paar Damen aus dem Publikum. Abwechslungsreich sind die Jungs mit den Retro-Lichtblitzen im Bühnenbild. Addicted ist ein Stück gemixt mit Country-Elementen. Großartig.

Vor der Bühne hat sich der Boden mittlerweile in einen schlammigen Untergrund verwandelt. Den wilden Festivalbesuchern gefällt's. Vor der Bühne fallen die Pogotänzer auch mal in den Schlamm. Das gehört zum gepflegten Pogen und Moshen (gegeneinander springen und Mähne schütteln) eben dazu. Die anderen helfen den Gefallenen auf, und weiter geht's mit dem wilden Im-Kreis-Tanzen, bis die königliche Republik tatsächlich das Ende verkündet.