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Eifel-Literatur-Festival: Schauspielerin Leslie Malton erzählt in Prüm von einer berührenden Geschichte

(Prüm) Das Buch der Schauspielerin Leslie Malton ist eine berührende Geschichte voller Respekt, Liebe und Hoffnung für ihre Schwester, die an dem weitgehend unerforschtem Rett-Syndrom leidet. Malton nutzt ihre Popularität, um mit „Briefe an meine Schwester“ für Aufklärung zu sorgen.

22.05.2016
Vladi Novakowski
„Nein“, sagt Leslie Malton bei der Lesung im Rahmen des Eifel-Literatur-Festivals vor rund 500 Besuchern in Prüm. „Meine Schwester kann meine Briefe nicht lesen – ich kann mit ihr auch nicht telefonieren.“ Der einzige mögliche Kontakt sei der, sich zu begegnen. „Rett-Mädchen haben sprechende Augen“, sagt die Schauspielerin. Während sie ein erfolgreiches und erfülltes Leben führe, sei ihre Schwester Marion zu einem Dasein in einem inneren Käfig verurteilt – stumm und weitestgehend auf die Hilfe anderer angewiesen.

„Warum sie, warum nicht ich?“ schreibt Malton und stellt eine weitaus unbequemere Frage an die Öffentlichkeit: „Wie kann es sein, dass auch heutzutage noch Ärzte bei der Diagnose versagen?“. Das Rett-Syndrom sei nicht heilbar, aber doch behandelbar. Werde die Genmutation früh erkannt, könne viel Leid gemindert werden. Erst in den späten 90er Jahren nahmen Wissenschaftler die Spur des rätselhaften Gendefekts auf, der bei Mädchen die zweithäufigste Behinderung nach dem Down-Syndrom darstellt. Malton berichtet, dass ihr erst 2012 nach der Lektüre eines Zeitungsberichts bewusst geworden sei, welches Schicksal ihre jüngere Schwester getroffen hatte. Die emotionale Schilderung der gemeinsamen Kindheit in den 1960er Jahren, als die Krankheit Marion schon längst im Griff hatte, die Eltern zunehmend verzweifelt Ärzte konsultierten und das Mädchen der Obhut verschiedenster Einrichtungen anvertrauten, verdichten Malton und Co-Autorin Roswitha Quadflieg in ihrem gemeinsamen Buch „Briefe an meine Schwester“.

„Alles, was ich über die Schauspielerei weiß, habe ich der Körpersprache meiner Schwester abgeschaut“, gesteht sie. Für ihren respektvollen Umgang mit der Schwester und für die Ankündigung, dass alle Einnahmen aus dem Verkauf des Buchs in die Erforschung des Rett-Syndroms fließen, gibt es von den 500 Besuchern der Lesung viel Applaus. Unter ihnen ist auch Guido Kirsch, Leiter der benachbarten Astrid-Lindgren-Schule in Prüm, die behinderte Kinder betreut: „Mich beeindruckt, wie viel Liebe aus diesem Buch spricht – und mit wie viel Geduld auch die betroffenen Eltern mit ihren am Rett-Syndrom erkrankten Kindern umgehen“, sagt Kirsch. now

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